Karmann zu verkaufen - bieten wir mit?
Verfasst: Mo 9. Mär 2009, 22:44
... noch keine Headline in der Tagespresse (neue Osnabrücker Zeitung) vom 9.3., aber unübersehbar zu lesen.
Stadt Osnabrück 09.03.2009
-
Auch Schlichter bringt Karmann-Mitarbeitern keine Abfindungszahlung
dpa Osnabrück.
Auch nach der Schlichtung im Streit um einen Sozialplan beim Cabrio-Spezialisten Karmann müssen die Mitarbeiter zunächst auf eine reguläre Abfindung verzichten. Allerdings bestehe die Hoffnung, Zahlungen aus einem noch offenen Rechtsstreit mit dem Autohersteller Chrysler für Abfindungen zu verwenden, teilten Betriebsrat und IG Metall heute in Osnabrück mit. Ob diese Mittel aber tatsächlich fließen, könne nicht vorhergesagt werden, machte Betriebsratsvorsitzender Wolfram Smolinski in einer Stellungnahme deutlich.
Die derzeitige wirtschaftliche Lage habe keine Abfindungen zugelassen. Ein Unternehmen dürfe durch solche Zahlungen nicht in seiner Existenz gefährdet werden, sagte der Osnabrücker IG-Metall-Bevollmächtigte Hartmut Riemann. Die Rechtsprechung sei in dieser Frage eindeutig. Die Gesellschafter hätten erneut deutlich gemacht, dass sie nicht bereit seien, Mittel dafür zur Verfügung zu stellen. Nach Gewerkschaftsangaben würden Abfindungen das Unternehmen rund 50 Millionen Euro kosten. Theoretisch reiche das von Chrysler geforderte Geld für die Zahlungen, hieß es.
Betriebsratschef Smolinski sprach von einem «Diktat», dem sich die Arbeitnehmer hätten beugen müssen. «Dieser Sozialplan ist sicherlich kein Erfolg», sagte er. Bei früheren Entlassungswellen hatte Karmann stets auch Abfindungen in Höhe von rund einem halben Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr gezahlt. Auch die Mitarbeiter des vor gut zwei Wochen geschlossenen Fahrzeugbaus im benachbarten westfälischen Rheine sollen noch eine Abfindung bekommen.
Von den derzeit 3315 Beschäftigten sollen 1340 eine betriebsbedingte Kündigung erhalten. Mangels neuer Aufträge läuft die Fahrzeugproduktion auch in Osnabrück Ende Mai aus. Künftig will sich das Unternehmen auf die Geschäftsfelder Fahrzeugentwicklung und Dachsysteme spezialisieren.
Bis Mitte April soll die Zukunft der sogenannten Metal Unit, zu dem unter anderem der Werkzeugbau gehört, geklärt sein. Für diesen Bereich sucht Karmann Käufer. Sollte sich kein Investor finden, droht der Verlust von weiteren 250 von 700 Stellen in dem Bereich. Auch das Gesamtunternehmen steht zum Verkauf.
Die Schlichtung hat nach Angaben der Arbeitnehmervertreter Verbesserungen für die Einrichtung einer Transfergesellschaft gebracht. Sie soll die von Entlassung bedrohten Mitarbeiter für die Jobsuche schulen und teils weiterqualifizieren. Alle Betroffenen hätten einen Anspruch auf ein Jahr Betreuung, unabhängig von der Kündigungsfrist. Sollte jemand vorzeitig in einen neuen Job vermittelt werden, werde das damit eingesparte Geld nicht in das Unternehmen zurückfließen, sondern den Betroffenen zugutekommen. Auch mögliche Erlöse aus dem Verkauf des Unternehmens oder von Teilen sollen in die Sozialleistungen einfließen.
Bei dem Rechtsstreit mit Chrysler geht es um das Auslaufen des Modells Crossfire im Jahr 2007, das bei Karmann gebaut wurde. Der Hersteller soll sich damals nicht vertragsgerecht verhalten haben. Eine Entscheidung wird in diesem Jahr erwartet. Allerdings hängt Chrysler wie sein Konkurrent, der Opel-Mutterkonzern General Motors, mittlerweile am Geld-Tropf der US-amerikanischen Regierung und kämpft seinerseits ums Überleben.
Stadt Osnabrück 09.03.2009
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Auch Schlichter bringt Karmann-Mitarbeitern keine Abfindungszahlung
dpa Osnabrück.
Auch nach der Schlichtung im Streit um einen Sozialplan beim Cabrio-Spezialisten Karmann müssen die Mitarbeiter zunächst auf eine reguläre Abfindung verzichten. Allerdings bestehe die Hoffnung, Zahlungen aus einem noch offenen Rechtsstreit mit dem Autohersteller Chrysler für Abfindungen zu verwenden, teilten Betriebsrat und IG Metall heute in Osnabrück mit. Ob diese Mittel aber tatsächlich fließen, könne nicht vorhergesagt werden, machte Betriebsratsvorsitzender Wolfram Smolinski in einer Stellungnahme deutlich.
Die derzeitige wirtschaftliche Lage habe keine Abfindungen zugelassen. Ein Unternehmen dürfe durch solche Zahlungen nicht in seiner Existenz gefährdet werden, sagte der Osnabrücker IG-Metall-Bevollmächtigte Hartmut Riemann. Die Rechtsprechung sei in dieser Frage eindeutig. Die Gesellschafter hätten erneut deutlich gemacht, dass sie nicht bereit seien, Mittel dafür zur Verfügung zu stellen. Nach Gewerkschaftsangaben würden Abfindungen das Unternehmen rund 50 Millionen Euro kosten. Theoretisch reiche das von Chrysler geforderte Geld für die Zahlungen, hieß es.
Betriebsratschef Smolinski sprach von einem «Diktat», dem sich die Arbeitnehmer hätten beugen müssen. «Dieser Sozialplan ist sicherlich kein Erfolg», sagte er. Bei früheren Entlassungswellen hatte Karmann stets auch Abfindungen in Höhe von rund einem halben Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr gezahlt. Auch die Mitarbeiter des vor gut zwei Wochen geschlossenen Fahrzeugbaus im benachbarten westfälischen Rheine sollen noch eine Abfindung bekommen.
Von den derzeit 3315 Beschäftigten sollen 1340 eine betriebsbedingte Kündigung erhalten. Mangels neuer Aufträge läuft die Fahrzeugproduktion auch in Osnabrück Ende Mai aus. Künftig will sich das Unternehmen auf die Geschäftsfelder Fahrzeugentwicklung und Dachsysteme spezialisieren.
Bis Mitte April soll die Zukunft der sogenannten Metal Unit, zu dem unter anderem der Werkzeugbau gehört, geklärt sein. Für diesen Bereich sucht Karmann Käufer. Sollte sich kein Investor finden, droht der Verlust von weiteren 250 von 700 Stellen in dem Bereich. Auch das Gesamtunternehmen steht zum Verkauf.
Die Schlichtung hat nach Angaben der Arbeitnehmervertreter Verbesserungen für die Einrichtung einer Transfergesellschaft gebracht. Sie soll die von Entlassung bedrohten Mitarbeiter für die Jobsuche schulen und teils weiterqualifizieren. Alle Betroffenen hätten einen Anspruch auf ein Jahr Betreuung, unabhängig von der Kündigungsfrist. Sollte jemand vorzeitig in einen neuen Job vermittelt werden, werde das damit eingesparte Geld nicht in das Unternehmen zurückfließen, sondern den Betroffenen zugutekommen. Auch mögliche Erlöse aus dem Verkauf des Unternehmens oder von Teilen sollen in die Sozialleistungen einfließen.
Bei dem Rechtsstreit mit Chrysler geht es um das Auslaufen des Modells Crossfire im Jahr 2007, das bei Karmann gebaut wurde. Der Hersteller soll sich damals nicht vertragsgerecht verhalten haben. Eine Entscheidung wird in diesem Jahr erwartet. Allerdings hängt Chrysler wie sein Konkurrent, der Opel-Mutterkonzern General Motors, mittlerweile am Geld-Tropf der US-amerikanischen Regierung und kämpft seinerseits ums Überleben.