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Zulieferer Karmann schließt Autofertigung
1700 Stellen weg
18. September 2008, 12:44 Uhr
Der Osnabrücker Zulieferer Karmann schließt seine Kernsparte Auftragsfertigung für Autos. Nach dem vor einem Jahr angekündigten Abbau von 1770 Arbeitsplätzen droht der Cabrio-Schmiede die Streichung weiterer bis zu 1725 Stellen. Rettung kann es nur geben, wenn überraschend noch Aufträge eingehen.
Der angeschlagene Autobauer Karmann wird sich voraussichtlich komplett aus dem Fahrzeugbau zurückziehen und bis zu 1725 weitere Stellen streichen. Aus diesem bisher wichtigsten und bekanntesten Geschäftsfeld werde man einen „geordneten Rückzug“ einleiten, meldete das Osnabrücker Traditionsunternehmen. Der Cabrio-Hersteller und Autozulieferer hatte bereits vor einem Jahr die Streichung von 1770 Stellen angekündigt, schon zuvor hatte es mehrere Entlassungswellen in unterschiedlichen Geschäftsbereichen gegeben. Insgesamt wird die Belegschaft weltweit seit Ende 2007 von 7000 auf bis zu 2400 Männer und Frauen schrumpfen.
Grund für die beiden jüngsten Personalabbau-Schübe sind die Schwierigkeiten, Folgeaufträge für die bislang in Osnabrück und Rheine gebauten Mercedes Benz CLK und Audi A4 Cabriolet zu bekommen. Spätestens im August kommenden Jahres läuft die Produktion des CLK in Osnabrück aus. Bereits im Frühjahr 2009 endet die Fertigung des Audi Cabrios in Rheine. Die Sozialplanverhandlungen begannen am Donnerstag.
Karmann erwirtschaftete noch im Jahr 2007 weltweit einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Künftig werden nach Planungen des Unternehmens rund zwei Drittel des Umsatzes und der Belegschaft wegbrechen. Karmann plant den Angaben zufolge mit einem Umsatz von nur noch 500 Millionen Euro und einem Kern von 2400 Mitarbeitern.
Verhandlungen über Sozialplan
Das Unternehmen werde sich aber weiter für Folgeaufträge einsetzen, hieß es. Gleichwohl müsse aus arbeitsrechtlichen Gründen bereits jetzt mit den Sozialplanverhandlungen begonnen werden, damit spätestens im Januar die Kündigungen ausgesprochen werden können. Sollte es einen Neuauftrag geben, sollen die Entlassungen zurückgenommen werden. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte den von Arbeitslosigkeit betroffenen Karmann- Mitarbeitern spontan die Unterstützung des Landes zu. Die Landesregierung werde „weiter aktive Hilfe leisten“, sagte Wulff.
Karmann solle künftig zu einem reinen Zulieferunternehmen werden, hieß es in einer Mitteilung der Geschäftsführung. Schwerpunkt sollen die Bereiche Cabrio-Dachsysteme und Fahrzeugentwicklung werden. Die technische Entwicklung solle um 300 Mitarbeiter - das sind rund 40 Prozent - aufgestockt werden. Unter anderem solle der Bereich Kleinserienbau ausgebaut werden. Kleinserien sind Fahrzeugserien mit weniger als 1000 Exemplaren pro Jahr. Hier sieht das Unternehmen Chancen bei der Entwicklung und Fertigung von Elektrofahrzeugen.
Unklar ist die Zukunft der "Metal Unit“ mit den Bereichen Werkzeugbau, Produktionssysteme, Presswerk, Module und Ersatzteile, für die Karmann einen Partner oder einen Kaufinteressenten sucht. Sollte sich ein Investor finden, seien 700 Jobs gesichert. Ohne neuen Geldgeber oder Käufer würde Karmann nur 250 Mitarbeiter in einer deutlich reduzierten Abteilung weiterbeschäftigen.
Der Osnabrücker IG-Metall-Bevollmächtigte Hartmut Riemann sprach von einer "Katastrophe“. Die Stimmung bei der Betriebsversammlung habe zwischen „Enttäuschung und Wut“ geschwankt. Neben der Chance, einen neuen Fahrzeugauftrag zu bekommen, sehe er in einem möglichen Verkauf des Unternehmens Rettungschancen für die Arbeitsplätze. Die Gesellschafter hätten bei der Betriebsversammlung am Donnerstag nochmals betont, dass nach Kaufinteressenten gesucht werde.
Youngtimersammlung:
VW Scirocco 53,
EZ 1977, Bieber Cabrio
EZ 1979, Günnis Spezial Edition
VW Scirocco 53b,
EZ 1981, Rieger GTO
EZ 1982, GT
EZ 1982, Speedster Cabrio, Rieger GTB
EZ 1983, Rieger GTO
EZ 1984, GTX
EZ 1988, Speedster Cabrio, Günnis Spezial Edition
EZ 1990, 16V MTM
VW Scirocco 53b 1/2 - Anhänger
EZ 1986, GT - Anhänger Projekt
VW Golf Cabrio, EZ 1983
VW Golf II, EZ 1984
VW Passat 32b, EZ 1984, 3 türer
VW LT35, EZ 1987, Abschleppwagen www.kult-fahrzeuge.de
Trotzdem möchte ich hier meine Trauer zum Ausdruck bringen, dass VW den Auftrag den neuen Rocco zu bauen nach Portugal gegeben hat.
Ich bin der Meinung,
Ein echter Scirocco kommt aus den heiligen Hallen von Karmann!
Alles Andere ist nur Namenmissbrauch.
Greetz Willi
[LEFT]Greetz Willi
AKA: Torfrockschrat
bekennder Sympatisant von جفت الصخرة
[/LEFT]
2016er Skoda Superb TDI Alltagsauto
90er GT II (Bastard-JH) D3-Kat mit Venturi Gasanlage
geliebtes Einzelstück und ex Alltagsrenner - im Neuaufbau - dauert länger ...
originaler 87er GTX in Flashsilber mit 85TKM zum liebhaben OHZ-07053
Karmann bewegt nicht nur die Herzen aller Sciroccofahrer, auch die Menschen in und um Osnabrück und mithin die Redakteure der Tagespresse. Nachstehend ein kleiner Ausflug durch einen Teil der Zeitungsbeiträge der letzten Tage. Im Grunde für uns Forum-User kaum etwas Neues. Aber alle, die die Karmannbesuche der letzten Jahre bei den Sciroccotreffen in/ bei Osnabrück noch in Erinnerung haben, die Werk und Menschen bei der Arbeit erleben durften, bleiben bei diesen Nachrichten vielleicht nicht unberührt.
Neue Osnabrücker Zeitung vom 18.9.2008
Karmann informiert Belegschaft: Wie geht es weiter?
Osnabrück.
Der Osnabrücker Cabrio-Spezialist und Autozulieferer Karmann wird an diesem Donnerstag die Belegschaft über seine Zukunftspläne informieren. Es droht die endgültige Aufgabe des eigenen Fahrzeugbaus im Sommer nächsten Jahres. Auf einer Informationsveranstaltung am Vormittag werde die Geschäftsführung den Mitarbeitern die Perspektiven des Unternehmens schildern, hieß es aus Unternehmenskreisen.
Im Sommer nächsten Jahres läuft die Produktion des Mercedes CLK aus. Bislang gibt es keinen Anschlussauftrag. In Osnabrück beschäftigt das Traditionsunternehmen 3375 Mitarbeiter. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen könnten im schlimmsten Fall rund 1700 Arbeitsplätze bedroht sein.
Während Karmann unter anderem mit der Produktion von Dachsystemen gute Geschäfte macht, ist die Sparte Fahrzeugbau seit einigen Jahren das Sorgenkind. Die Automobilhersteller gehen immer mehr dazu über, auch Nischenmodelle in eigenen Werken herzustellen, statt sie extern produzieren zu lassen.
Neben dem Mercedes CLK baut Karmann bislang auch das Audi-A4-Cabriolet im westfälischen Rheine. Diese Produktion läuft im nächsten Frühjahr aber aus. Laut Sozialplan sollen dort etwa 900 Beschäftigte ihre Jobs verlieren.
Karmann baut Unternehmen um: Mindestens 1300 Stellen fallen weg
Osnabrück
Der Osnabrücker Autobauer Karmann steht vor einem grundlegenden Umbau der Unternehmensstruktur. Der Fahrzeugbau wird im Sommer nächstens Jahres endgültig auslaufen. Damit verlieren mindestens 1300 Menschen ihren Job. Falls die Bereiche Betriebsmittelbau und Presswerk nicht verkauft werden können, werden weitere 450 Arbeitsplätze wegfallen. Die Geschäftsleitung informiert die Belegschaft heute über den neuen Kurs.
Neue Massenentlassung bei Karmann
Neue Massenentlassung bei Karmann
Wie der Sprecher der Geschäftsführung, Peter Harbig, mitteilte, wird sich Karmann sich zu einem "lupenreinen Zulieferunternehmen" wandeln und sich auf die Bereiche Technische Entwicklung und Dachsysteme konzentrieren. In diesen Segmenten wächst Karmann nach Angaben Harbigs überdurchschnittlich. In der Technischen Entwicklung arbeiten heute 750 Mitarbeiter. Karmann will dort möglichst schnell 300 Mitarbeiter (plus 40 Prozent) einstellen, um die "rasch wachsende Nachfrage in diesem Marktsegment voll ausschöpfen zu können". Gesucht werden hochqualifizierte Leute wie Ingenieure und Techniker. Im Bereich Dachsysteme wird Karmann nach eigenen Angaben die Produktion bis 2012 verdoppeln. Aktuell baut das Unternehmen jährlich 160000 Dachsysteme.
Die Fahrzeugproduktion wird bis Juli/August 2009 auslaufen. Gleichzeitg werde die Geschäftsleitung weiter um einen Auftrag kämpfen, sagte Harbig. Wenn bis Mai/Juni nächsten Jahres ein Auftrag eingehen sollte, könne Karmann reagieren und die Produktion hochfahren. Gibt es keinen Auftrag, werden 1300 Mitarbeiter ihre Jobs verlieren.
Die Sparten Werkzeugbau, Produktionssysteme, Presswerk, Module (im Karosseriebau) und Ersatzteile werden in den Bereich "Metal Unit" zusammengeführt. Hier arbeiten aktuell 700 Mitarbeiter. Für die "Metal Unit" sucht Karmann einen Partner oder Käufer. Findet sich kein Partner, werden Presswerk und Werkzeugbau geschlossen, die anderen Bereiche der Technsichen Entwicklung zugeordnet. Das würde weitere 450 Arbeitsplätze kosten.
Nach dem tiefgreifenden Strukturwandel werden in Osnabrück nur noch 1400 Menschen für Karmann arbeiten. Heute sind es 3375. Die Verhandlungen über einen Sozialplan sollen am kommenden Montag beginnen.
Neue Osnabrücker Zeitung vom 19.9.2008
Betriebsrat hofft noch immer
Von Stefan Prinz
Osnabrück.
Für Karmann-Chef Peter Harbig war es gestern Morgen ein schwerer Gang. Zuerst informierte er den Betriebsrat über die drohende Entlassung von bis zu 1725 Beschäftigten. Dann stellte er sich der Belegschaft. Unerschütterlich glaubt derweil der Betriebsrat weiter an den Erhalt des Fahrzeugbaus und meint, dafür gute Gründe zu haben.
Schwerer Gang: Karmann-Chef Peter Harbig Informierte gestern Betriebsrat und Belegschaft über die Veränderungen im Unternehmen.
<i>Foto: dpa</i>
Schwerer Gang: Karmann-Chef Peter Harbig Informierte gestern Betriebsrat und Belegschaft über die Veränderungen im Unternehmen.
Foto: dpa
Wer derzeit noch an die Zukunft des Fahrzeugbaus bei Karmann glaubt, wird von vielen Beschäftigten nur müde belächelt. Trotzdem will die Betriebsratsspitze ihren Optimismus nicht aufgeben. „Die Investitionen der letzten Jahre in das Unternehmen sind ein starkes Argument für den Erhalt des Fahrzeugbaus“, ist sich der Betriebsrats-Vorsitzende Wolfram Smolinski sicher – und bekommt zustimmendes Kopfnicken von seinem Stellvertreter Gerhard Schrader.
Das Traditionsunternehmen hat in den vergangenen Jahren kräftig in den Standort Osnabrück investiert. Die teuerste Anschaffung ist die nur drei Jahre alte Lackieranlage, für die Karmann tief in die Tasche gegriffen hat. 120 Millionen Euro hatte der Autobauer dafür auf den Tisch gelegt. Nach Informationen unserer Zeitung ist diese Anschaffung noch nicht abbezahlt: Karmann schuldet den Banken nach dem Kauf noch einen hohen Millionenbetrag.
Würde der Fahrzeugbau im Sommer nächsten Jahres geschlossen, verkommt die Lackieranlage zu einer millionenschweren Investitionsruine. Schon deshalb müsste die Firma sehr daran interessiert sein, den Fahrzeugbau weiter zu betreiben. „Wir glauben fest daran, dass die Geschäftsführung alles versucht, noch einen rettenden Auftrag an Land zu ziehen“, sagt Wolfram Smolinski. Start für Verhandlungen
Dennoch muss sich der Betriebsrat gleichzeitig auf das mögliche Ende des Fahrzeugbaus vorbereiten. „Wir beginnen sofort mit den Verhandlungen über einen Sozialplan.“ Seine Forderung: Die Gekündigten müssen die gleichen Leistungen bekommen wie die Kollegen aus der bereits abgeschlossenen Entlassungswelle“, betont Smolinski. Er weiß, dass ihm schwierige Gespräche bevorstehen. Hatte doch Karmann bereits angekündigt, dass für diese üppigen Leistungen das Geld fehlt.
An einen Streik will der Betriebsrat aber in der augenblicklichen Situation nicht denken. Er setzt in den anstehenden Verhandlungen auf die Kompromissbereitschaft. „Die Unternehmensleitung muss daran interessiert sein, dass der drohende Personalabbau mit Würde geschieht“, sagt Gerhard Schrader.
Neue Osnabrücker Zeitung vom 19.9.2008
Karmann: Mindestens 1275 müssen gehen
gp/hab/hjh/prin Osnabrück.
Der Autobauer Karmann wird aller Voraussicht nach zum 1. September kommenden Jahres mindestens 1275 Stellen im Stammwerk Osnabrück streichen. Wenn eine Beteiligung eines Fremdunternehmens oder Investors an einzelnen Sparten des Unternehmens scheitert, müssen weitere 450 Mitarbeiter, dann also 1725, gehen, teilte die Geschäftsführung der Belegschaft gestern mit.
Drohendes Aus für Fahrzeug-Komplettfertigung bei Karmann: Mindestens 1275 müssen gehen
Drohendes Aus für Fahrzeug-Komplettfertigung bei Karmann: Mindestens 1275 müssen gehen
Grund für die Freisetzungen ist die Einstellung der Fahrzeug-Komplettfertigung, falls bis zum Frühjahr kein neuer Auftrag vorliegt. Für die Zukunft soll der traditionsreiche Hersteller von Nischenmodellen, der seit über einhundert Jahren in Osnabrück Automobile fertigt, teilweise umstrukturiert werden. Das Unternehmen wird sich in Zukunft auf die Bereiche Verdeckfertigung und Technische Entwicklung konzentrieren. Andere Sparten wie das Presswerk oder der Werkzeugbau stehen dagegen auch dem Engagement von außen offen, wie Peter Harbig, Sprecher der Geschäftsführung, unserer Zeitung erläuterte.
Erst kurz bevor die Karmann-Geschäftsführung vor die Belegschaft trat, wurde der Betriebsrat über die Details der Umstrukturierung informiert. „Die Stimmung im Unternehmen ist ausgesprochen schlecht“, erklärte Betriebsrats-Chef Wolfram Smolinski. „Wir werden jetzt sofort mit den Sozialplanverhandlungen beginnen.“ Bis Weihnachten sollen die Gespräche abgeschlossen sein, weil die Geschäftsführung im Januar die Kündigungen verschicken wolle. Nur mit diesem Zeitplan könne erreicht werden, dass - falls kein rettender Auftrag mehr kommt - mit dem Auslaufen der Produktion des CLK Cabrio im August 2009 auch die Arbeiter das Werk verlassen. „Wir fordern für die Beschäftigten die gleichen Konditionen wie in der bereits abgeschlossenen Entlassungswelle“, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Gerhard Schrader. In diesem Fall müsste Karmann auch Geld in eine Transfergesellschaft stecken, die sich um Weiterqualifizierung und Vermittlung der gekündigten Beschäftigten kümmert. Ob es dazu kommt, konnte Firmenchef Harbig noch nicht sagen. Smolinski gab sich für die Durchsetzung seiner Forderungen trotzdem kämpferisch: „Wir sind zum Erfolg verdammt.“
"Wir haben die Gesellschafter von Karmann aufgefordert, einen möglichen Verkauf des Unternehmens nicht am Preis scheitern zu lassen", erklärte IG-Metall-Chef Hartmut Riemann. Schließlich sei ein Verkauf neben einem rettenden Auftrag der beste Garant für den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze. Die Hoffnung auf einen rettenden Auftrag für den Fahrzeugbau haben die Arbeiternehmer-Vertreter immer noch nicht aufgegeben. Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) kündigte an, die Landesregierung werde weiter um den Erhalt des Komplettfahrzeugbaus bei Karmann kämpfen. „Ein paar Monate bleiben noch, um bei einer positiven Auftragsvergabe Beschäftigung in diesem Bereich zu erhalten“, sagte Wulff gestern unserer Zeitung.
Der Regierungschef appellierte gegenüber unserer Zeitung an die deutsche Automobilindustrie, das Know-how von Karmann im Fahrzeugbau zu erhalten. „Die großen deutschen Autobauer machen einen großen Fehler, wenn sie Karmann jetzt hängenlassen, weil sie spätestens ab 2010 wieder auf die Produktionskapazitäten von Kleinserienanbietern angewiesen sind“, betonte Wulff. Karmann sei ein „herausragendes Unternehmen, das innerhalb kürzester Zeit neue Serien entwickeln und produzieren kann“.
Der Ministerpräsident versicherte, das Land werde weiterhin mit Aufwendungen in Millionenhöhe dazu beitragen, von Arbeitslosigkeit bedrohte Karmann-Beschäftigte in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln.Unterdessen verlautete aus der Staatskanzlei, die Hoffnungen richteten sich nun in erster Linie auf eine Wiederaufnahme der bis 2001 praktizierten guten Zusammenarbeit zwischen Karmann und dem VW-Konzern.
Kommentar: Ein herber Schlag
Von Gerhard Placke
Jetzt ist es raus. Mit der Ziffer 1275 hat die Karmann-Geschäftsführung gestern endlich eine konkrete Zahl genannt, wie viele Mitarbeiter in Osnabrück das Unternehmen zum 1. September 2009 mindestens verlassen müssen. Dazu kommen noch 900 Kollegen, die schon im Frühjahr 2008 im Zweigwerk Rheine gehen.
Ein herber Schlag für die Karmänner und -frauen, die teilweise seit Jahrzehnten ihr Bestes geben und Karmanns Ruf in der Welt erst möglich gemacht haben. Hoffentlich finden viele von ihnen schnell wieder einen adäquaten Job.
Die großen Autokonzerne können durch ihre inzwischen sehr flexible Produktion Nischenmodelle wie Cabriolets sehr viel einfacher und günstiger selbst produzieren als früher. Das hat die Karmann-Konkurrenz in Italien und Frankreich teilweise schon in den rettenden Schoß fremder Investoren getrieben. Aber auch Branchenprimus Magna Steyr ist inzwischen betroffen. In Graz werden kräftig Stellen abgebaut.
Was Karmann bleibt, ist die Konzentration auf die Abteilung Technische Entwicklung und eine weltweite Verdeckfertigung, beide mit bestem Ruf. Diese Säulen müssen in Zukunft das Karmann-Gebäude tragen. Hoffentlich sind sie stark genug.
Neue Osnabrücker Zeitung vom 19.9.2008
Rückblick
Osnabrück
März 2003: Die Produktion des Crossfire und die des Mercedes CLK Cabrio laufen gleichzeitig an. Das Werk in Rheine ist mit der Audi-A-4-Cabrio-Produktion ausgelastet. Knapp 1000 neue Mitarbeiter werden befristet für zwei Jahre eingestellt. Sie waren alle vorher arbeitslos und wurden vom Arbeitsamt vermittelt.
Dezember 2004: Karmann kündigt die befristeten Verträge von 770 Mitarbeitern vorzeitig. Die Produktion geht schneller zurück als erwartet.
März 2005: 250 Mitarbeiter werden entlassen. Die Arbeitszeit sinkt von 35 auf 27,5 Stunden. Die Mitarbeiter am Band verdienen 21 Prozent weniger im Monat. Die Angestellten arbeiten zehn Prozent kürzer und verzichten auf Gehalt. Diese „Beschäftigungsbrücke“ gilt bis Juni 2006.
Oktober 2006: 633 Mitarbeiter aus der Autoproduktion müssen gehen. 540 davon wechseln in die Beschäftigungsgesellschaft.
Dezember 2006: Im zweiten Schritt erhalten 378 Mitarbeiter aus Verwaltung und hausinternen Dienstleistungsbereichen ihre Papiere. Die Beschäftigungsgesellschaft kann bis Ende 2007 67 Prozent in neue Jobs vermitteln.
Januar 2008: Weitere 500 Mitarbeiter werden entlassen. 430 wechseln in die Schaffer-Transfergesellschaft.
18. September 2008: Vorstandssprecher Harbig kündigt den Umbau des Unternehmens und die Entlassung von 1300 bis 1700 Beschäftigten zum Sommer 2009 an. Mitte 2009 stellt Karmann den Fahrzeugbau ein. Maximal 1650 Arbeitsplätze können erhalten bleiben. Im Werk Rheine verlieren 900 der 1000 Beschäftigten ihre Arbeit.
Neue Osnabrücker Zeitung vom 1.10.2008
Karmänner: Eigentümer sollen zahlen
Von Stefan Prinz
Osnabrück
Der Autobauer Karmann hat kein Geld, die Sozialplan-Forderungen der Arbeitnehmer-Seite zu erfüllen. Das hat Arbeitsdirektor Jochen Voss gestern Mittag in einer Betriebsversammlung erklärt. Der Betriebsrat will notfalls die Eigentümer auffordern, sich mit ihrem Privatvermögen einzubringen. Die Geschäftsführung stimmte zu, die Bilanzen des Unternehmens von Wirtschaftsprüfern des Betriebsrates einsehen zu lassen.
„Wir haben unseren Standpunkt deutlich gemacht“, bilanzierte gestern Abend der stellvertretende Betriebsratschef Gerhard Schrader die zweistündige Betriebsversammlung, an der rund 3000 Beschäftigte teilnahmen. Die Arbeitnehmerseite fordert für die bis zu 1725 von Kündigung bedrohten Beschäftigten des Fahrzeugbaus einen halben Monatslohn Abfindung pro Beschäftigungsjahr und die Errichtung einer Transfergesellschaft, die bei der Jobsuche helfen soll. Sollte das Geld dafür nicht reichen, so Schrader, „werden wir die Gesellschafter auffordern, sich mit ihrem Privatvermögen in den Sozialplan einzubringen“.
Gesellschafter Dietrich Wilhelm Karmann hatte sich gegen Vorwürfe aus der Belegschaft gewehrt, die Gesellschafter hätten in den vergangenen Jahren Geld aus der Firma gezogen. Man habe immer verantwortlich gehandelt und das Kapital in Hallen und Maschinen investiert, so Karmann.
Trotz der ablehnenden Haltung der Geschäftsführung stehen zumindest die Chancen für die Errichtung einer Transfergesellschaft nicht schlecht: Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat Hilfe zugesichert. Das Land werde auch weiterhin Beschäftigte und Unternehmen bei der Bewältigung der Umstrukturierung des Konzerns unterstützen, sagte Wulff gestern in Hannover.
Schon in der Vergangenheit habe das Land aus seinem Kontingent an europäischen Fördermitteln zweimal mit großem Erfolg Transfergesellschaften bei Karmann finanziell unterstützt. Damit hätten rund 80 Prozent der seinerzeit vom Arbeitsplatzabbau betroffenen Karmann-Mitarbeiter kurzfristig in neue Beschäftigungsverhältnisse vermittelt werden können, sagte Wulff. Eine derartige Lösung wird den Angaben zufolge auch für die Beschäftigten der anstehenden Kündigungswelle angestrebt. Diesmal sollen dafür auch Hilfen aus dem Europäischen Globalisierungsfonds in Anspruch genommen werden. Die dafür notwendigen Vorgespräche mit Bund und EU-Kommission seien bereits eingeleitet worden, hieß es. Das Geld fließe aber nur dann, wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einigten.