Die Sache mit dem Zylinderkreuzschliff
Verfasst: Di 11. Okt 2005, 12:47
Moin,
aus einer kleinen Debatte mit einem technisch versierten Mitglied des Forums mal eine Frage zur Motortechnik auf einem Gebiet, auf welchem ich mich nicht so gut auskenne:
Ab Werk werden zur besseren Adhäsion des Ölfilms Riefen in den Zylinder gehohnt, die einen Kreuzschliff bilden. Mit der Zeit wird dieser durch die Reibung natürlich abgetragen und der Innenraum ist wie bei meinem 16V spiegelblank. Oder aber ich habe nur nicht genau genug hingeschaut, weiss nicht wie fein der Schliff ist. Es stellt sich nun die Frage, in wieweit dieses für den Motor schädlich ist, da letztendlich jeder Motor diesen Weg nimmt. Genauer gefragt: Wieviel Prozent aller nicht getunten Serien-Motoren sterben durch Schmierfilmabriss? Im Text steht "verbessert" die Gleiteigenschaften, nicht, dass Honen diese erst ermöglicht. Die Kosten und der Aufwand den Motor auszubauen, den Block und die Kolben neu einschleifen zu lassen beträgt schätzungsweise 600-1000€ bei den Schnellermachern, neue Kolben braucht man dann sowieso. Der 16V ist gebraucht für ca 400€ erhältlich, der Block wahrscheinlich noch viel billiger.
Die sich stellende Frage: Entweder die vielen Stunden Arbeit und Geld für Ausbauen + neue Dichtungen + Tunerentgelt investieren oder lieber fahren bis der Arzt bzw. Leichenbestatter kommt?
Begriffsdefinition:
Das Honen ist eine Form der spanenden Feinbearbeitung von metallischen Oberflächen, meist Bohrungen, z. B. der Zylinderlaufflächen von Verbrennungsmotoren, zur Verbesserung von Maß, Form und Oberflächengüte (0,005 bis 0,002 mm). Häufigste Anwendung dürfte das Honen von Zylindern für Fahrzeugmotoren und von Hydraulik-Bauelementen sein.
Das Abtragen des Werkstoffs erfolgt mit geometrisch unbestimmten Schneiden durch in Honleisten (auch Honsteine genannt) zusammengefasstes Schleifmittel (gebundenes Korn). Diese sind in nachstellbare und federnde Köpfe eingesetzt. Das Werkzeug bewegt sich sowohl in der Längsachse als auch drehend; daher ist eine gehonte Fläche am Kreuzschliff (Kreuzstrich) erkennbar. Dieser Kreuzschliff ist charakteristisch beim Honen, er verbessert die Gleiteigenschaften, da sich in den kleinen Furchen Öl sammeln kann. Damit sich die Honleisten nicht mit dem Schleifschlamm zusetzen, wird beim Arbeitsvorgang reichlich (meist mit Honöl) gespült.
Honarbeiten sind auf gewöhnlichen Drehmaschinen und Vertikal-Bohrmaschinen möglich, in der Serienfertigung sind jedoch spezielle Honmaschinen mit senkrechter oder waagrechter Spindel üblich.
Auf einer Honmaschine wird - ähnlich wie bei einer Fräsmaschine - ein rotierendes Werkzeug in die zu bearbeitende Bohrung eingeführt und darin rotierend sowie oszillierend (längs hin und her) bewegt. Die eigentlichen Schneidleisten aus Siliziumkarbid, Korunden oder Diamant werden mit einem vorgegebenen, variabel einstellbaren Druck an die Bohrung angepresst.
Hierdurch erhält die Oberfläche der inneren Zylinderwandung ein charakteristisches Aussehen mit schräg im Zylinder verlaufenden Riefen und bekommt definierte Glättungs-Eigenschaften, oftmals mit einer Rest-Haftfähigkeit für Flüssigkeiten (Hydraulik-Öl, Motoren-Öl).
Diese Bearbeitung geschieht oft in einem starken Flüssigkeitsstrom, um den zerspanten Partikeln eine schnelle Abfuhr aus dem Bearbeitungsprozess zu geben. Des Weiteren wird eine Kühlung des Werkstücks erreicht um die geforderten Toleranzen einzuhalten.
Beitrag bearbeitet (11.10.05 14:19)
aus einer kleinen Debatte mit einem technisch versierten Mitglied des Forums mal eine Frage zur Motortechnik auf einem Gebiet, auf welchem ich mich nicht so gut auskenne:
Ab Werk werden zur besseren Adhäsion des Ölfilms Riefen in den Zylinder gehohnt, die einen Kreuzschliff bilden. Mit der Zeit wird dieser durch die Reibung natürlich abgetragen und der Innenraum ist wie bei meinem 16V spiegelblank. Oder aber ich habe nur nicht genau genug hingeschaut, weiss nicht wie fein der Schliff ist. Es stellt sich nun die Frage, in wieweit dieses für den Motor schädlich ist, da letztendlich jeder Motor diesen Weg nimmt. Genauer gefragt: Wieviel Prozent aller nicht getunten Serien-Motoren sterben durch Schmierfilmabriss? Im Text steht "verbessert" die Gleiteigenschaften, nicht, dass Honen diese erst ermöglicht. Die Kosten und der Aufwand den Motor auszubauen, den Block und die Kolben neu einschleifen zu lassen beträgt schätzungsweise 600-1000€ bei den Schnellermachern, neue Kolben braucht man dann sowieso. Der 16V ist gebraucht für ca 400€ erhältlich, der Block wahrscheinlich noch viel billiger.
Die sich stellende Frage: Entweder die vielen Stunden Arbeit und Geld für Ausbauen + neue Dichtungen + Tunerentgelt investieren oder lieber fahren bis der Arzt bzw. Leichenbestatter kommt?
Begriffsdefinition:
Das Honen ist eine Form der spanenden Feinbearbeitung von metallischen Oberflächen, meist Bohrungen, z. B. der Zylinderlaufflächen von Verbrennungsmotoren, zur Verbesserung von Maß, Form und Oberflächengüte (0,005 bis 0,002 mm). Häufigste Anwendung dürfte das Honen von Zylindern für Fahrzeugmotoren und von Hydraulik-Bauelementen sein.
Das Abtragen des Werkstoffs erfolgt mit geometrisch unbestimmten Schneiden durch in Honleisten (auch Honsteine genannt) zusammengefasstes Schleifmittel (gebundenes Korn). Diese sind in nachstellbare und federnde Köpfe eingesetzt. Das Werkzeug bewegt sich sowohl in der Längsachse als auch drehend; daher ist eine gehonte Fläche am Kreuzschliff (Kreuzstrich) erkennbar. Dieser Kreuzschliff ist charakteristisch beim Honen, er verbessert die Gleiteigenschaften, da sich in den kleinen Furchen Öl sammeln kann. Damit sich die Honleisten nicht mit dem Schleifschlamm zusetzen, wird beim Arbeitsvorgang reichlich (meist mit Honöl) gespült.
Honarbeiten sind auf gewöhnlichen Drehmaschinen und Vertikal-Bohrmaschinen möglich, in der Serienfertigung sind jedoch spezielle Honmaschinen mit senkrechter oder waagrechter Spindel üblich.
Auf einer Honmaschine wird - ähnlich wie bei einer Fräsmaschine - ein rotierendes Werkzeug in die zu bearbeitende Bohrung eingeführt und darin rotierend sowie oszillierend (längs hin und her) bewegt. Die eigentlichen Schneidleisten aus Siliziumkarbid, Korunden oder Diamant werden mit einem vorgegebenen, variabel einstellbaren Druck an die Bohrung angepresst.
Hierdurch erhält die Oberfläche der inneren Zylinderwandung ein charakteristisches Aussehen mit schräg im Zylinder verlaufenden Riefen und bekommt definierte Glättungs-Eigenschaften, oftmals mit einer Rest-Haftfähigkeit für Flüssigkeiten (Hydraulik-Öl, Motoren-Öl).
Diese Bearbeitung geschieht oft in einem starken Flüssigkeitsstrom, um den zerspanten Partikeln eine schnelle Abfuhr aus dem Bearbeitungsprozess zu geben. Des Weiteren wird eine Kühlung des Werkstücks erreicht um die geforderten Toleranzen einzuhalten.
Beitrag bearbeitet (11.10.05 14:19)