Karmann 2006 im Blickfeld der Neuen Osnabrücker Zeitung
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Karmann 2006 im Blickfeld der Neuen Osnabrücker Zeitung
"Im zweiten Halbjahr Sozialplan notwendig" (NOZ vom 31.1.2006)
Von Norbert Meyer
Osnabrück
Das Interview, das der Vorsitzende der Geschäftsführung der Wilhelm Karmann GmbH, Bernd Lieberoth-Leden, unserer Zeitung gab, hat folgenden Wortlaut:
Herr Dr. Lieberoth-Leden, in Detroit fand kürzlich die erste große Automesse des Jahres statt, auf der auch Karmann vertreten war. Was haben Sie von dort mitgenommen?
Lieberoth-Leden: Dass deutsche Technologie, die auch wir beherrschen, in den USA hochwillkommen ist. Wir bereiten uns gerade auf den Anlauf eines neuen Projekts für General Motors vor. Es handelt sich um ein Retractable Hardtop, also ein Blechfaltdach, für den Pontiac. Das ist ein Volumenauto im amerikanischen Markt - und für Karmann ist es das erste Mal in der Firmengeschichte, dass wir in den USA eine Fertigung aufbauen.
Hat das auch Beschäftigungseffekte in Osnabrück?
Lieberoth-Leden: Ein Teil der Arbeiten für dieses Dachsystem wurde in Osnabrück erledigt. Man muss hier unterscheiden zwischen der Entwicklungsarbeit und den Montagetätigkeiten. Letztere sind nur in der Nähe des Kunden machbar, insbesondere weil Dachsysteme groß und sperrig sind. Aber wir haben unser Know-how dort eingebracht. Und unterschätzen Sie nicht die Rückwirkungen solcher Projekte. Denn es sind ja immer dieselben Konzerne, mit denen wir es zu tun haben. In diesem Fall eben General Motors. Und bekanntermaßen hat General Motors ja auch in Europa namhafte Marken wie Opel, Vauxhall oder Saab.
Was gibt es sonst an interessanten neuen Projekten?
Lieberoth-Leden: Unser Geschäftsmodell hat mehrere Standbeine. Diese sind unterschiedlich stark: Der Fahrzeugbau ist ein sehr starkes Standbein, und die anderen sind vergleichsweise schmal, was Beschäftigung und Umsatz angeht. Wir werden die anderen Standbeine stärken und Karmann damit sukzessive auf eine breitere Basis stellen. Das betrifft insbesondere den Geschäftsbereich Dachsysteme, aber auch die technische Entwicklung - und wir haben auch im Betriebsmittelbau gute Fortschritte gemacht. Dazugekommen ist 2005 noch ein weiteres Geschäftsfeld, nämlich die so genannte Spezialserie.
Was sind das für Aktivitäten?
Lieberoth-Leden: Wir fertigen für die holländische Firma Spyker den Rohbau eines Fahrzeuges, das im Luxussegment angesiedelt ist. Hier handelt es sich um eine Aluminiumkarosserie, also ein ganz spezielles Thema, in dem wir unsere Expertise stärken. Das ist auch ein Beitrag, die Beschäftigung bei Karmann auf eine breitere Basis zu stellen.
Zum Standort Osnabrück: Chrysler hat erklärt, vom Modell Crossfire in den Jahren 2004 und 2005 jeweils 20000 Autos verkauft zu haben. Karmann hatte aber schon 2004 fast 36000 Stück produziert. Drei Viertel der Jahresproduktion von 2005 waren also schon im Jahr zuvor hergestellt worden. Wie hat sich das in Ihren Auftragszahlen niedergeschlagen, und was erwarten Sie von der weiteren Stückzahlreduktion beim Crossfire für 2006?
Lieberoth-Leden: Zunächst muss man sagen, dass der Crossfire für Chrysler ein Fahrzeug in einem Marksegment ist, in dem Chrysler früher nicht aktiv war. Und dass das Auto sich in diesem Segment hervorragend schlägt. Doch bei den Stückzahlerwartungen waren wir noch optimistischer. Schon 2005 haben wir unsere Crossfire-Produktion zurückgenommen. Die Stückzahlanpassung hat natürlich Beschäftigungsauswirkungen am Standort Osnabrück. Doch wir haben einen Beschäftigungssicherungspakt, der bis zum 30. Juni läuft, an dem wir festhalten. Wir werden die Situation bis dahin mit Kurzarbeit meistern.
Was passiert danach?
Lieberoth-Leden: Das ist im Detail noch offen, aber zweifelsohne werden wir uns dem allgemeinen Trend in unserer Branche, die Zahl der Beschäftigten abzusenken, nicht entziehen können. Wir werden mit dem Betriebsrat über eine Absenkung der Beschäftigung verhandeln müssen, wie es auch mehrere andere Unternehmen unserer Branche tun.
Wie viele Crossfires wird Karmann 2006 produzieren?
Lieberoth-Leden: Das können wir noch nicht sagen. Wir sind noch mit Chrysler in Gesprächen.
Hängt davon ab, wie viele Stellen Sie streichen müssen?
Lieberoth-Leden: Letztlich hängt die Zahl davon ab, wie viel Beschäftigung wir im Fahrzeugbau hier in Osnabrück haben. Doch wir werden aus heutiger Sicht einen Sozialplan für das zweite Halbjahr machen müssen.
Eine Zahl des nötigen Personalabbaus wollen Sie nicht nennen?
Lieberoth-Leden: Das ist im Moment noch zu früh.
Aber es ist eine erhebliche Zahl?
Lieberoth-Leden: Sie ist nicht zu vernachlässigen. Gemessen an der Stellenzahl, die unsere Kunden abbauen wollen, ist sie natürlich klein. Für Karmann ist es eine erhebliche Zahl.
Angst bei Karmann: Wer bekommt die Kündigung? (NOZ vom 1.2.2006)
Von Wilfried Hinrichs
Osnabrück
13 Uhr, Karmann-Haupttor. Schichtwechsel. Die einen kommen – die anderen gehen auf die andere Straßenseite, sobald sie die Medien sehen. „Wie die Stimmung ist? Was meinen Sie wohl?“, schnaubt einer in grauer Karmann-Latzhose und geht weiter.
Ist es die Sorge um den Arbeitsplatz, die vielen den Mund verklebt? Oder haben sie einfach genug von der ewigen Spekulation, wie es bei Karmann weitergeht, wen die Entlassungwelle diesmal trifft? Beim letzten Mal stand er schon auf der Liste, sagt ein 34-jähriger gelernter Kfz-Mechaniker. Aber es erwischte ihn nicht. „Diesmal bin ich wohl dabei“, meint er und lächelt gequält: „Ich suche schon was Neues.“
„Mies“ findet er das, was „da läuft im Werk“. Die Belegschaft werde nicht richtig informiert, keiner wisse genau, wie es um das Werk und neue Aufträge stehe. Sein Kollege, 39 Jahre alt, sieht das genauso und hat auch eine Theorie über das Motiv der Geschäftsführung: Die Angst um den Arbeitsplatz werde bewusst geschürt. „Es traut sich doch keiner mehr, sich krankzumelden. Die Leute stehen mit Rückenschmerzen am Band, weil sie Angst haben.“
Die Ankündigung von Karmann-Chef Bernd Lieberoth-Leden, dass eine „erhebliche Zahl“ von Arbeitsplätzen in der zweiten Jahreshälfte abgebaut werden müsse, kommt für die Beschäftigten nicht überraschend. Die Mitarbeiter rätselten nur noch, wie viele es denn treffen wird. Die Schätzungen reichten gestern von 800 bis zu 1500.
„Pausenlos“ werde das Thema diskutiert, sagt ein 44-Jähriger, der seit 23 Jahren für Karmann arbeitet und gute wie schlechte Zeiten erlebt hat. Ähnlich schlecht sei es vor 13 Jahren gewesen. Damals seien ganze Abteilungen wochenlang zu Hause geblieben. Aber es gebe einen großen Unterschied zu heute: „Wir wussten damals, dass neue Aufträge reinkommen und wir bald wieder Arbeit haben.“ Zurzeit sei ja nichts in Sicht, vor allem nicht der Auftrag, ein ganzes Auto zu bauen. Nur das würde die Beschäftigung bei Karmann für die nächsten Jahre sichern.
Der Frust sitzt tief bei vielen Beschäftigten, die in den vergangenen Monaten erhebliche finanzielle Opfer gebracht haben, um Arbeitsplätze zu retten. Auf 400 Euro netto musste zum Beispiel der 39-jährige Lackierer verzichten und ist sauer auf die Manager. Klar, die Lage im Automobilbau sei überall schlecht, aber das Karmann-Management habe es einfach nicht geschafft, neue Aufträge hereinzuholen. „Und wen trifft es? Immer nur die Arbeiter.“
Ein Kollege will eigentlich nichts sagen, dann dreht er sich noch einmal um: „Ich sehe das nicht so schlimm.“ Nach 26 Jahren bei Karmann bringt ihn die aktuelle Misere nicht aus der Fassung: „Man kennt das doch.“ Und außerdem: „Ich habe mir ein zweites Standbein aufgebaut, in der Landwirtschaft.“
Die Karmann-Spitze mag das Wort Krise nicht. Entlassungen und Neueinstellungen wie zuletzt 2001 sind Teil des Geschäftsmodells der „atmenden Fabrik“, die schneller als andere auf Auftragsschwankungen reagieren kann. Die alten Hasen kennen das, sehen aber eine Gefahr : „Das ist doch so“, fängt ein Mann aus der Frühschicht zu erklären an, „wenn irgendwann wieder Leute eingestellt werden, dann kommen die von Zeitarbeitsfirmen.“ Und die arbeiteten für weniger Geld.
Die Hoffnung gibt er trotzdem nicht auf. „Das hier ist das Mutterwerk. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das einfach kaputtgehen lässt.“ Er glaube fest daran, dass die Chefs „noch irgendwas in der Hinterhand“ haben.
Rückblick: Atmende Fabrik (NOZ vom 1.2.2006)
Karmann hat in den vergangenen drei Jahren ein Auf und Ab erlebt wie selten zuvor in der Firmengeschichte. Beschäftigungsschwankungen gehören zum Geschäftsmodell der „atmenden Fabrik“, wie das Management gern betont. Die Zahl der Mitarbeiter passt sich schnell der Auftragslage an. Die jüngsten Schwankungen entstanden, weil sich der Produktionszyklus mehrerer Modelle überschnitt.
März 2003: Die Produktion des Crossfire und des Mercedes CLK Cabrio laufen gleichzeitig an. Das Werk in Rheine ist mit der Audi-A-4-Cabrio-Produktion ausgelastet. Knapp 1000 neue Mitarbeiter werden befristet für zwei Jahre eingestellt. Sie waren alle vorher arbeitslos und wurden vom Arbeitsamt vermittelt.
Dezember 2004: Karmann kündigt die befristeten Verträge von 770 Mitarbeitern vorzeitig. Die Produktion geht schneller zurück als erwartet.
März 2005: 250 Mitarbeiter werden entlassen. Die Arbeitszeit sinkt von 35 auf 27,5 Stunden. Die Mitarbeiter am Band verdienen 21 Prozent weniger im Monat. Die Angestellten arbeiten zehn Prozent kürzer und verzichten auf Gehalt. Diese „Beschäftigungsbrücke“ gilt bis Juni 2006.
Vorgestern: Karmann-Chef Lieberoth-Leden kündigt die Entlassung einer „erheblichen Zahl“ von Mitarbeitern an.
Das liest sich alles nicht wirklich ermutigend.
Das Sciroccoforum hat schon viel und viele bewegt: Wie bekommen wir den Scirocco 3 zu Karmann auf´s Band? Oder ist es uns lieber, wenn er in China von Kinderleichtlohnhand gebaut wird?
Martin
Von Norbert Meyer
Osnabrück
Das Interview, das der Vorsitzende der Geschäftsführung der Wilhelm Karmann GmbH, Bernd Lieberoth-Leden, unserer Zeitung gab, hat folgenden Wortlaut:
Herr Dr. Lieberoth-Leden, in Detroit fand kürzlich die erste große Automesse des Jahres statt, auf der auch Karmann vertreten war. Was haben Sie von dort mitgenommen?
Lieberoth-Leden: Dass deutsche Technologie, die auch wir beherrschen, in den USA hochwillkommen ist. Wir bereiten uns gerade auf den Anlauf eines neuen Projekts für General Motors vor. Es handelt sich um ein Retractable Hardtop, also ein Blechfaltdach, für den Pontiac. Das ist ein Volumenauto im amerikanischen Markt - und für Karmann ist es das erste Mal in der Firmengeschichte, dass wir in den USA eine Fertigung aufbauen.
Hat das auch Beschäftigungseffekte in Osnabrück?
Lieberoth-Leden: Ein Teil der Arbeiten für dieses Dachsystem wurde in Osnabrück erledigt. Man muss hier unterscheiden zwischen der Entwicklungsarbeit und den Montagetätigkeiten. Letztere sind nur in der Nähe des Kunden machbar, insbesondere weil Dachsysteme groß und sperrig sind. Aber wir haben unser Know-how dort eingebracht. Und unterschätzen Sie nicht die Rückwirkungen solcher Projekte. Denn es sind ja immer dieselben Konzerne, mit denen wir es zu tun haben. In diesem Fall eben General Motors. Und bekanntermaßen hat General Motors ja auch in Europa namhafte Marken wie Opel, Vauxhall oder Saab.
Was gibt es sonst an interessanten neuen Projekten?
Lieberoth-Leden: Unser Geschäftsmodell hat mehrere Standbeine. Diese sind unterschiedlich stark: Der Fahrzeugbau ist ein sehr starkes Standbein, und die anderen sind vergleichsweise schmal, was Beschäftigung und Umsatz angeht. Wir werden die anderen Standbeine stärken und Karmann damit sukzessive auf eine breitere Basis stellen. Das betrifft insbesondere den Geschäftsbereich Dachsysteme, aber auch die technische Entwicklung - und wir haben auch im Betriebsmittelbau gute Fortschritte gemacht. Dazugekommen ist 2005 noch ein weiteres Geschäftsfeld, nämlich die so genannte Spezialserie.
Was sind das für Aktivitäten?
Lieberoth-Leden: Wir fertigen für die holländische Firma Spyker den Rohbau eines Fahrzeuges, das im Luxussegment angesiedelt ist. Hier handelt es sich um eine Aluminiumkarosserie, also ein ganz spezielles Thema, in dem wir unsere Expertise stärken. Das ist auch ein Beitrag, die Beschäftigung bei Karmann auf eine breitere Basis zu stellen.
Zum Standort Osnabrück: Chrysler hat erklärt, vom Modell Crossfire in den Jahren 2004 und 2005 jeweils 20000 Autos verkauft zu haben. Karmann hatte aber schon 2004 fast 36000 Stück produziert. Drei Viertel der Jahresproduktion von 2005 waren also schon im Jahr zuvor hergestellt worden. Wie hat sich das in Ihren Auftragszahlen niedergeschlagen, und was erwarten Sie von der weiteren Stückzahlreduktion beim Crossfire für 2006?
Lieberoth-Leden: Zunächst muss man sagen, dass der Crossfire für Chrysler ein Fahrzeug in einem Marksegment ist, in dem Chrysler früher nicht aktiv war. Und dass das Auto sich in diesem Segment hervorragend schlägt. Doch bei den Stückzahlerwartungen waren wir noch optimistischer. Schon 2005 haben wir unsere Crossfire-Produktion zurückgenommen. Die Stückzahlanpassung hat natürlich Beschäftigungsauswirkungen am Standort Osnabrück. Doch wir haben einen Beschäftigungssicherungspakt, der bis zum 30. Juni läuft, an dem wir festhalten. Wir werden die Situation bis dahin mit Kurzarbeit meistern.
Was passiert danach?
Lieberoth-Leden: Das ist im Detail noch offen, aber zweifelsohne werden wir uns dem allgemeinen Trend in unserer Branche, die Zahl der Beschäftigten abzusenken, nicht entziehen können. Wir werden mit dem Betriebsrat über eine Absenkung der Beschäftigung verhandeln müssen, wie es auch mehrere andere Unternehmen unserer Branche tun.
Wie viele Crossfires wird Karmann 2006 produzieren?
Lieberoth-Leden: Das können wir noch nicht sagen. Wir sind noch mit Chrysler in Gesprächen.
Hängt davon ab, wie viele Stellen Sie streichen müssen?
Lieberoth-Leden: Letztlich hängt die Zahl davon ab, wie viel Beschäftigung wir im Fahrzeugbau hier in Osnabrück haben. Doch wir werden aus heutiger Sicht einen Sozialplan für das zweite Halbjahr machen müssen.
Eine Zahl des nötigen Personalabbaus wollen Sie nicht nennen?
Lieberoth-Leden: Das ist im Moment noch zu früh.
Aber es ist eine erhebliche Zahl?
Lieberoth-Leden: Sie ist nicht zu vernachlässigen. Gemessen an der Stellenzahl, die unsere Kunden abbauen wollen, ist sie natürlich klein. Für Karmann ist es eine erhebliche Zahl.
Angst bei Karmann: Wer bekommt die Kündigung? (NOZ vom 1.2.2006)
Von Wilfried Hinrichs
Osnabrück
13 Uhr, Karmann-Haupttor. Schichtwechsel. Die einen kommen – die anderen gehen auf die andere Straßenseite, sobald sie die Medien sehen. „Wie die Stimmung ist? Was meinen Sie wohl?“, schnaubt einer in grauer Karmann-Latzhose und geht weiter.
Ist es die Sorge um den Arbeitsplatz, die vielen den Mund verklebt? Oder haben sie einfach genug von der ewigen Spekulation, wie es bei Karmann weitergeht, wen die Entlassungwelle diesmal trifft? Beim letzten Mal stand er schon auf der Liste, sagt ein 34-jähriger gelernter Kfz-Mechaniker. Aber es erwischte ihn nicht. „Diesmal bin ich wohl dabei“, meint er und lächelt gequält: „Ich suche schon was Neues.“
„Mies“ findet er das, was „da läuft im Werk“. Die Belegschaft werde nicht richtig informiert, keiner wisse genau, wie es um das Werk und neue Aufträge stehe. Sein Kollege, 39 Jahre alt, sieht das genauso und hat auch eine Theorie über das Motiv der Geschäftsführung: Die Angst um den Arbeitsplatz werde bewusst geschürt. „Es traut sich doch keiner mehr, sich krankzumelden. Die Leute stehen mit Rückenschmerzen am Band, weil sie Angst haben.“
Die Ankündigung von Karmann-Chef Bernd Lieberoth-Leden, dass eine „erhebliche Zahl“ von Arbeitsplätzen in der zweiten Jahreshälfte abgebaut werden müsse, kommt für die Beschäftigten nicht überraschend. Die Mitarbeiter rätselten nur noch, wie viele es denn treffen wird. Die Schätzungen reichten gestern von 800 bis zu 1500.
„Pausenlos“ werde das Thema diskutiert, sagt ein 44-Jähriger, der seit 23 Jahren für Karmann arbeitet und gute wie schlechte Zeiten erlebt hat. Ähnlich schlecht sei es vor 13 Jahren gewesen. Damals seien ganze Abteilungen wochenlang zu Hause geblieben. Aber es gebe einen großen Unterschied zu heute: „Wir wussten damals, dass neue Aufträge reinkommen und wir bald wieder Arbeit haben.“ Zurzeit sei ja nichts in Sicht, vor allem nicht der Auftrag, ein ganzes Auto zu bauen. Nur das würde die Beschäftigung bei Karmann für die nächsten Jahre sichern.
Der Frust sitzt tief bei vielen Beschäftigten, die in den vergangenen Monaten erhebliche finanzielle Opfer gebracht haben, um Arbeitsplätze zu retten. Auf 400 Euro netto musste zum Beispiel der 39-jährige Lackierer verzichten und ist sauer auf die Manager. Klar, die Lage im Automobilbau sei überall schlecht, aber das Karmann-Management habe es einfach nicht geschafft, neue Aufträge hereinzuholen. „Und wen trifft es? Immer nur die Arbeiter.“
Ein Kollege will eigentlich nichts sagen, dann dreht er sich noch einmal um: „Ich sehe das nicht so schlimm.“ Nach 26 Jahren bei Karmann bringt ihn die aktuelle Misere nicht aus der Fassung: „Man kennt das doch.“ Und außerdem: „Ich habe mir ein zweites Standbein aufgebaut, in der Landwirtschaft.“
Die Karmann-Spitze mag das Wort Krise nicht. Entlassungen und Neueinstellungen wie zuletzt 2001 sind Teil des Geschäftsmodells der „atmenden Fabrik“, die schneller als andere auf Auftragsschwankungen reagieren kann. Die alten Hasen kennen das, sehen aber eine Gefahr : „Das ist doch so“, fängt ein Mann aus der Frühschicht zu erklären an, „wenn irgendwann wieder Leute eingestellt werden, dann kommen die von Zeitarbeitsfirmen.“ Und die arbeiteten für weniger Geld.
Die Hoffnung gibt er trotzdem nicht auf. „Das hier ist das Mutterwerk. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das einfach kaputtgehen lässt.“ Er glaube fest daran, dass die Chefs „noch irgendwas in der Hinterhand“ haben.
Rückblick: Atmende Fabrik (NOZ vom 1.2.2006)
Karmann hat in den vergangenen drei Jahren ein Auf und Ab erlebt wie selten zuvor in der Firmengeschichte. Beschäftigungsschwankungen gehören zum Geschäftsmodell der „atmenden Fabrik“, wie das Management gern betont. Die Zahl der Mitarbeiter passt sich schnell der Auftragslage an. Die jüngsten Schwankungen entstanden, weil sich der Produktionszyklus mehrerer Modelle überschnitt.
März 2003: Die Produktion des Crossfire und des Mercedes CLK Cabrio laufen gleichzeitig an. Das Werk in Rheine ist mit der Audi-A-4-Cabrio-Produktion ausgelastet. Knapp 1000 neue Mitarbeiter werden befristet für zwei Jahre eingestellt. Sie waren alle vorher arbeitslos und wurden vom Arbeitsamt vermittelt.
Dezember 2004: Karmann kündigt die befristeten Verträge von 770 Mitarbeitern vorzeitig. Die Produktion geht schneller zurück als erwartet.
März 2005: 250 Mitarbeiter werden entlassen. Die Arbeitszeit sinkt von 35 auf 27,5 Stunden. Die Mitarbeiter am Band verdienen 21 Prozent weniger im Monat. Die Angestellten arbeiten zehn Prozent kürzer und verzichten auf Gehalt. Diese „Beschäftigungsbrücke“ gilt bis Juni 2006.
Vorgestern: Karmann-Chef Lieberoth-Leden kündigt die Entlassung einer „erheblichen Zahl“ von Mitarbeitern an.
Das liest sich alles nicht wirklich ermutigend.
Das Sciroccoforum hat schon viel und viele bewegt: Wie bekommen wir den Scirocco 3 zu Karmann auf´s Band? Oder ist es uns lieber, wenn er in China von Kinderleichtlohnhand gebaut wird?
Martin
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OSLer
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- Registriert: Di 25. Mai 2004, 12:29
Re: Karmann 2006 im Blickfeld der Neuen Osnabrücker Zeitung
Tja, auch Karmann spielt so fair oder unfair wie jeder andere Hersteller mit seinen Mitarbeitern.
Und ganz ehrlich, wenn der Scirocco 3 von Leuten aus Zeitarbeitsfirmen gebaut wird, damit der Reingewinn pro Fahrzeug nochmal 20% höher ist um den Managern noch eine Urlaubsreise zu ermöglichen, dann verzichte ich lieber drauf.
Aber das wird nicht passieren, egal was wir hier anstellen.
Gruss Lars
Und ganz ehrlich, wenn der Scirocco 3 von Leuten aus Zeitarbeitsfirmen gebaut wird, damit der Reingewinn pro Fahrzeug nochmal 20% höher ist um den Managern noch eine Urlaubsreise zu ermöglichen, dann verzichte ich lieber drauf.
Aber das wird nicht passieren, egal was wir hier anstellen.
Gruss Lars
- Tempest
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Re: Karmann 2006 im Blickfeld der Neuen Osnabrücker Zeitung
Ich habe schon dementsprechende Beiträge in den englischen Foren gestellt mit als Aufruf:
"VW: BUILD THE NEW SCIROCCO AT KARMANN IN OSNABRÜCK, NOT in bl**dy Portugal!!"
Was es bringt wird sich ja zeigen ...
Tempest
"VW: BUILD THE NEW SCIROCCO AT KARMANN IN OSNABRÜCK, NOT in bl**dy Portugal!!"
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Re: Karmann 2006 im Blickfeld der Neuen Osnabrücker Zeitung
Zum Teil hätten die Verbraucher das schon in der Hand....es müssten bevorzugt Fahrzeugmodelle aus deutscher Produktion gekauft werden.
Leider ist es auch hier so daß der Preis bestimmt welches Neufahrzeug gekauft wird und da sehe ich schwarz für die deutschen Automobilwerke
Gruß
Stefan
Leider ist es auch hier so daß der Preis bestimmt welches Neufahrzeug gekauft wird und da sehe ich schwarz für die deutschen Automobilwerke
Gruß
Stefan
"Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der sagt: Das ist technisch unmöglich!" ( Zitat von Peter Ustinov)
[SIGPIC]http.//www.scirocco-2.de/VaderSig.jpg[/SIGPIC] es gibt fast nichts was man nicht selbst machen kann...
[SIGPIC]http.//www.scirocco-2.de/VaderSig.jpg[/SIGPIC] es gibt fast nichts was man nicht selbst machen kann...
- SCOstfriesland
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Re: Karmann 2006 im Blickfeld der Neuen Osnabrücker Zeitung
Ich denke auch das es heute fast nicht möglich ist, ein Auto in Deutschland zu produzieren und dann auch noch günstig anzubieten. Die Aussage das der Scirocco 3 in Portugal gebaut werden könnet ist genau wie der Design Entwurf der Bildzeitung erstmal eine Vermutung und hat noch lange nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Die Zusammenarbeit mit Karmann wünschen wir uns bestimmt alle, aber dafür müßte einiges passieren, um nicht zu sagen zuviel. Aber nichts ist unmöglich denn wie das Beispiel "Gelände-Golf5" gezeigt hat, können auch deutsche Standorte den Zuschlag bekommen, wenn sie bereit sind auf auf etwas zu verzichten. Also wenn Karmann anbieten würde den Scirocco 3 zu einem marktfähigem Preis anzubieten, wäre VW schön blöd wo anders produzieren zu lassen, denn die Karmann Qualität werden sie wohl nirgendwo bekommen. Aber es dürfte wohl bei Karmann liegen, sich um diesen Auftrag zu bemühen.
Letztlich bleibt die Frage nach den Absatzmöglichkeiten eines Scirocco 3. Und ich sage es so wie ich es denken- die meisten hier im Forum sind doch keine Kunden für das neue Modell, oder? Dieser Scirocco wird in der Grundausstattung min. 25.000,-€ kosten, da ist man mit ein paar Extras schnell über 30.000,-€. Eine Spitzenversion wird sich so an die 50.000,-€ Marke ranpirschen, z.B. ein Scirocco 3 R32 4-Motion. Wer von euch würde so ein Auto kaufen??? Als Neuwagen!! Wir reden hier von Stückzahlen von mind. 20.000 Fahrzeugen pro Jahr, da sind die paar Leute aus dem Forum oder der Scirocco-Scene ein Tropfen auf einem heißen Stein!
Wir habe den Scirocco in unser Herz geschlossen und wenn man verliebt ist ist man auch manchmal etwas unrealistisch. Die Leute von VW sind keine Autobauer mit Herz sondern darauf aus Gewinne zu machen und den Aktienwert zu steigern. Wir können so viel Träumen wie wir möchten aber das was die da bauen werden, wird für uns niemals ein echter Scirocco werden.
So, Entschuldigung für den langen Text!
Beitrag bearbeitet (01.02.06 13:26)
Letztlich bleibt die Frage nach den Absatzmöglichkeiten eines Scirocco 3. Und ich sage es so wie ich es denken- die meisten hier im Forum sind doch keine Kunden für das neue Modell, oder? Dieser Scirocco wird in der Grundausstattung min. 25.000,-€ kosten, da ist man mit ein paar Extras schnell über 30.000,-€. Eine Spitzenversion wird sich so an die 50.000,-€ Marke ranpirschen, z.B. ein Scirocco 3 R32 4-Motion. Wer von euch würde so ein Auto kaufen??? Als Neuwagen!! Wir reden hier von Stückzahlen von mind. 20.000 Fahrzeugen pro Jahr, da sind die paar Leute aus dem Forum oder der Scirocco-Scene ein Tropfen auf einem heißen Stein!
Wir habe den Scirocco in unser Herz geschlossen und wenn man verliebt ist ist man auch manchmal etwas unrealistisch. Die Leute von VW sind keine Autobauer mit Herz sondern darauf aus Gewinne zu machen und den Aktienwert zu steigern. Wir können so viel Träumen wie wir möchten aber das was die da bauen werden, wird für uns niemals ein echter Scirocco werden.
So, Entschuldigung für den langen Text!
Beitrag bearbeitet (01.02.06 13:26)
Webseite http://www.original-scirocco.de Jetzt nur noch 20. Scirocco's in der Sammlung.
[SIGPIC][/SIGPIC]
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- SIGGI
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Re: Karmann 2006 im Blickfeld der Neuen Osnabrücker Zeitung
Da kann ich mich nur anschließen!!!
Und ich bin immer noch so in meinen 2'er verliebt,
wie am ersten Tag.
Und ich bin immer noch so in meinen 2'er verliebt,
wie am ersten Tag.
- DarkCorri53i
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Re: Karmann 2006 im Blickfeld der Neuen Osnabrücker Zeitung
Ich finde es schon sehr übel, wie in Deutschland die Leute einfach wegrationalisiert werden. Die Manager stopfen sich die Taschen voll, kassieren dicke Prämien und wenn sie mal richtig Mist gebaut haben bekommen sie zur Belohnung noch eine riesen Abfindung. Der kleine Arbeiter muß für deren Fehler bluten, wird einfach entlassen, egal soll doch sehen wie er klar kommt. Hauptsache der Gewinn stimmt. Ich könnte Kotzen! 
Für mich ist der neue Scirocco kein richtiger Scirocco, wenn er nicht bei Karmann in Osnabrück gebaut wird. Das steht definitiv fest.
(

Markus
Für mich ist der neue Scirocco kein richtiger Scirocco, wenn er nicht bei Karmann in Osnabrück gebaut wird. Das steht definitiv fest.
Markus
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Re: Karmann 2006 im Blickfeld der Neuen Osnabrücker Zeitung
Sogar in den Schweizer Zeitungen waren teilweise grosse Berichte darüber drin...
Gruss
Oli
Gruss
Oli
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Re: Karmann 2006 im Blickfeld der Neuen Osnabrücker Zeitung
Durch meine Beiträge in den englischen Foren wissen auch die Engländer Bescheid, zumindest die, dessen Coupe ja von Karmann gebaut wurde.
Auch für die Engländer wäre ein in Portugal gebauter Rocco eine Katastrophe, die es zu vermeiden gilt, geschweige denn ihn zu kaufen. Ein richtiger Rocco stammt von Karmann.
Tempest
Auch für die Engländer wäre ein in Portugal gebauter Rocco eine Katastrophe, die es zu vermeiden gilt, geschweige denn ihn zu kaufen. Ein richtiger Rocco stammt von Karmann.
Tempest
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