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Impressionen und Rückblick > Sciroccotreffen in Polen 2026

Verfasst: Mo 1. Jun 2026, 23:57
von klimarocco
Sielska Woda - und das stimmt tatsächlich: idyllisches Wasser, ein See, über dem die Sonne aufgeht und dem sie zum Tagesende ihre letzten Strahlen schenkt, darunter rund 50 Sciroccos, die meisten aus der Osnabrücker Karmann-Karosserieschmiede, dazu ein Biber-Cabrio, ein Einser mit einer Fahrgestellnummer vom Zweier, drei Dreier und ein Corrado: Sie alle haben 45 Jahre nach Produktionsbeginn des Scirocco 2 den Weg aus Polen und Deutschland im Mai 2026 in das Herz des "Landes der Felder", wollen wir die Bedeutung des Staatsnamens ergründen, gefunden.

Das sechstägige Treffen beginnt wie immer mit einem herzlichen Empfang des Gastgebers und Organisators, der mit beneidenswertem Engagement alles im Blick und im Griff hat. Das T-Shirt vom Treffen passt perfekt, die Erinnerungsaufkleber sind willkommen. Zur Begrüßung gibt es noch extra eine schlaue Trinkflasche, die mahnend die jeweilige Temperatur des Inhalts anzeigt, damit der Genuss des Inhaltes nicht zu einer Brandblase führt.

Die Ferienhäuser sind zweckmäßig eingerichtet. An mehreren Stellen auf dem Platz gibt es zusätzliche sanitäre Einrichtungen sowie Kühl- und Gefrierschränke. Jeden Abend öffnet die Gastronomie auf dem Platz und bietet knusprige Baguettes und gut gekühlt frisch Gezapftes - von den tschechischen Nachbarn. Kulinarisches lässt sich auch am Zentralgrill unter Dach sowie am Lagerfeuer zubereiten. Und die Familie der Platzbesitzerin bereitet auf Vorbestellung und serviert ein warmes Abendessen mit Suppe und Nachtisch für einen Preis, zu dem es in Deutschland nicht viel mehr als eine Vorsuppe gibt. Im Teilnahmebeitrag enthalten: 2026 beginnt jeder Tag des Sciroccotreffens mit einem leckeren Frühstück.

Der Mittwoch beschert den Teilnehmern einen Konvoi abseits aller Autobahnen über knapp 130 Kilometer bis tief ins Bergland nach Niederschlesien. Ziel ist die dortige Goldmine in Zloty Stok. Einst hieß der Ort Reichstein, später wurde er bezeichnenderweise nach denen benannt, die dort fündig geworden waren: Reichenstein. Heute wird in der Mine kein Gold mehr gesucht: Sie ist ein Magnet für Besucher, die hier rund 1 1/2 Stunden unter Tage erfahren und erleben, wie beschwerlich die Suche und Gewinnung von Gold einst war. Im Berg selber beeindrucken zudem ein rauschender Wasserfall, Lichtanimationen, das gedrungene Wege- und Gleisnetz, wo seit den 1920er Jahren Elektrolokomotiven die Lorenzüge mit dem goldhaltigen Gestein an das Tageslicht beförderten. Auch wir Sciroccofans fahren im letzten Abschnitt im Bergwerks-Schnellzug durch den Stollen ins Freie: Die Bahn auf nur 60 Zentimeter Spurweite endet am Hauptbahnhof von Zloty Stok, der einzigen Goldmine weltweit, die einen eigenen Hauptbahnhof anbieten dürfte.

Über Tage besuchen wir das Freilichtmuseum, was uns viele Maschinen aus der Vergangenheit im bewegten Betrieb zeigt, mit denen das Gestein transportiert, zertrümmert und das Gold ausgewaschen wurde. Bemerkenswerterweise waren unsere Vorfahren sehr gründlich bei der Goldwäsche - auch in Ritzen und Ecken waren keine Überreste mehr aufzufinden. Sogar im Shop war alles Gold ausverkauft, soll vielleicht aber wieder reinkommen.

Im Finale betreten wir dann noch die am selben Ort befindliche Arsen- und Eisenmine. Arsen - eingenommen als winziger Schluck - soll wohl dosiert ja begehrte Eigenschaften als Verjüngungsmittel haben. Ich weiß jetzt: Das klare Wasser der sprudelnden Quelle mundet eher rostig. Und die beabsichtigte Verjüngung ist zumindest bei mir noch nicht spürbar eingetreten.

Der Donnerstag führt uns im Konvoi aus 29 Fahrzeugen ins ebenfalls 29 Kilometer entfernte Olawa. Auf 7.000 Quadratmetern erwarten uns fast 500 Autos aus vergangenen Tagen in optisch neuwertigem Zustand, 100 Motorräder, knapp 200 Fahrräder aus Ururopas Zeiten, 12 Traktoren und eine Sonderausstellung aus 55 Fiat 126P. https://www.muzeummotoryzacjiwena.pl/

Nach dem ausgedehnten Museumsbesuch folge ich dem Tipp eines guten Freundes, mich mit einer Zurek zu stärken. Die Idee, im Restaurant des Museums diese polnische Suppe auf Sauerteigbasis zu verspeisen, verbinde ich mit großem Genuss.

Am Freitag geht es im Konvoi nach Opole. Ziel ist die dortige weithin bekannte und beliebte Kartbahn, wo Sciroccofahrer beweisen können, dass sie auch ohne Lenkhilfe die Kurve kriegen. Und weil der Samstag zum Ausschlafen und Entspannen vorgesehen ist, schließt sich nach Rückkehr von der Kartbahn auf dem Platz eine auf den Sciroccotreffen von Polen beinahe bereits zum Inventar zählende kleine Wein- und Käseprobe an - allen, die beim Probieren mitgeholfen haben, mein Dank! - und anschließend eine bis weit in die Nacht währende Fete.

Am Samstag erhalten nachmittags die Helden der Kartbahn und Besitzer der in Sielska Woda 2026 den Teilnehmern des Treffens am meisten gemochten Sciroccos von Tochter und Vater des Gastgebers und natürlich ihm selber handgefertigte Anerkennungen: ein Bierglas-Set mit Sciroccogravur, die an das 2026er Treffen erinnert, und eine fein bearbeitete Baumscheibe, deren räumliche Oberfläche ausdrückt, wie gut der geehrte Scirocco gefallen hat.

Richtig, das Wetter. Das hat es gegeben. Und es hat gepasst. Nicht zu warm, dafür weitstreckig sonnig, nur an einem Tag zwei Schauer, Ankunft, Finale und Abreise im Sonnenschein.

Zusammenfassend bleibt mir zu sagen: Es ist nicht die Abgrenzung, sondern es ist die Gleichheit, die das Besondere bildet. Das geteilte Erleben ermöglicht gemeinsame Erinnerung.

An Krzysztof und alle, die zum Gelingen des Roccotreffens 2026 am idyllischen Wasser Sielska Woda beigetragen oder die Vorbereitung und Durchführung ertragen haben, an Tochter Oliwia und Ehefrau Magda, an Vater Marek und allen voran Krzysztof geht mein großer Dank und meine Anerkennung für das rundum gelungene Treffen, bei dem sich alle Teilnehmer die Sorgen nicht zu machen brauchten, die jene hatten, die mit der Organisation und Durchführung betraut waren. Das war für die Orga wieder eine riesige Hausnummer, die alle Teilnehmer genießen durften. Wie immer stimmte in Polen die Mischung der Fahrzeuge und Teilnehmer. Mir hat alles große Freude bereitet, die sich längst in Vorfreude gewandelt hat - Vorfreude auf das nächste Sciroccotreffen in Polen 2027

Martin