Karmann Ende Februar 09 - der Konsens spitzt sich weiter zu!
Verfasst: Mi 25. Feb 2009, 18:57
... im Spiegel der Tagespresse
Ist im Mai bei Karmann Schluss?
Von Stefan Prinz und Gerhard Placke
Osnabrück.
Die dunklen Wolken über dem Traditionsunternehmen Karmann scheinen sich weiter zu verfinstern. Nach Informationen unserer Zeitung soll die Produktion des Mercedes CLK Cabrio nicht erst im August auslaufen – sondern bereits Ende Mai. Heute kommt der Aufsichtsrat zusammen.
<b>Die dunklen Wolken </b>über Karmann scheinen sich weiter zu verfinstern.
<i> Foto: Jörn Martens</i>
Die dunklen Wolken über Karmann scheinen sich weiter zu verfinstern.
Foto: Jörn Martens
Trotz Kurzarbeit dürfte es heute auf dem Karmann-Werksgelände alles andere als ruhig zugehen. Wenn gegen Mittag der Aufsichtsrat zusammentritt, steht er vor großen Problemen. Mitte Dezember hatte der Autobauer die Sozialplanverhandlungen für die mehr als 1700 Beschäftigten des Fahrzeugbaus ausgesetzt. Damals sollten laufende Gespräche über den Verkauf von Unternehmensteilen nicht gefährdet werden.
Die Beschäftigten erwarten in einer für morgen um 11 Uhr angesetzten Betriebsversammlung Antwort darauf, ob diese Verhandlungen erfolgreich gewesen sind. Sollte es zu keinem erfolgreichen Abschluss gekommen sein, hat Karmann ein dickes Problem mehr: Wegen der Verhandlungspause würde sich jetzt nämlich auch die Kündigung der betroffenen Mitarbeiter des Fahrzeugbaus verzögern. Bei vielen Beschäftigten muss das Unternehmen eine Kündigungsfrist von sieben Monaten berücksichtigen. Nach dem Auslaufen der CLK-Produktion hätten sie dann möglicherweise monatelang nichts mehr zu tun – und Karmann müsste trotzdem weiter zahlen. Das könnte bedeuten, dass auf die Firma monatlich weitere Millionen-Kosten zukämen.
Wegen der allgemeinen Krise der Automobilindustrie hat Mercedes nach Neue-OZ-Informationen an allen Standorten die Produktion gekürzt. Darunter fällt auch der Mercedes CLK Cabrio, der ursprünglich noch bis August bei Karmann in Osnabrück gebaut werden sollte. Jetzt kommt das für den Sommer erwartete Ende des mehr als 100-jährigen Fahrzeugbaus in Osnabrück möglicherweise schon Ende Mai. Noch in diesem Monat wird im Karmann-Werk Rheine der letzte Audi A 4 Cabrio von Band laufen.
Bereits gestern wurden Arbeitnehmer-Stimmen laut, die für die heutige Aufsichtsratssitzung eine Mitarbeiter-Demonstration auf dem Werksgelände angekündigt haben. Ein Unternehmenssprecher bestätigte zwar die heutige Sitzung, wollte sich aber zu Einzelheiten nicht äußern.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 18.2.2009
Februar 2009 19.02.2009
-
Karmann schließt Fahrzeugbau früher als geplant
Osnabrück.
Die weltweite Automobilkrise verschärft die Situation beim angeschlagenen Osnabrücker Fahrzeugbauer Karmann. Der Bereich Fahrzeugbau soll statt wie ursprünglich geplant im August nun bereits Mitte Mai geschlossen werden, wie die Gewerkschaft IG Metall am Donnerstag mitteilte. Davon sind 665 Arbeitsplätze betroffen. Zudem beabsichtigt die Geschäftsführung nach Gewerkschaftsangaben den rund 750 Mitarbeiter zählenden Produktionsbereich Metal Unit, zu dem unter anderem Werkzeugbau und Presswerk gehören, zu verkaufen.
<b>Karmann</b> trennt sich vom Fahrzeugbau, eine mehr als einhundertjährige Tradition geht damit zu Ende.
<i>Foto: Westdörp</i>
Karmann trennt sich vom Fahrzeugbau, eine mehr als einhundertjährige Tradition geht damit zu Ende.
Foto: Westdörp
Durch die Schließung des Fahrzeugbaus und weiterer Bereiche kämen auf 1390 Menschen betriebsbedingte Kündigungen zu, sagte der Osnabrücker IG-Metall-Bevollmächtigte Hartmut Riemann. Die Zukunft der Karmann GmbH solle durch ein Zwei-Säulen-Modell gesichert werden. Dazu gehören den Angaben zufolge die Technische Entwicklung mit 570 und das Segment Dachsysteme mit 365 Beschäftigten. In einem administrativen Bereich sollen 160 Menschen tätig sein.
Die Zwei-Säulen-Strategie sei in ihrer Kombination einmalig, sagte der Sprecher der Geschäftsführung, Peter Harbig. Sie verschaffe Karmann in der Autoindustrie einen Wettbewerbsvorteil.
Für die von Arbeitsplatzverlust betroffenen Karmann-Mitarbeiter fordert die Gewerkschaft vor allem die Einrichtung einer Transfergesellschaft und die Zahlung einer Abfindung. Allerdings sieht sich die Geschäftsführung nach Gewerkschaftsangaben aufgrund der wirtschaftlichen Situation nicht in der Lage, Abfindungen zu zahlen. Die Gesellschafter dürften sich aber «nicht aus ihrer Verantwortung stehlen», sagte Betriebsratschef Wolfram Smolinski.
Die Geschäftsführung sprach sich hingegen dafür aus, die Mittel insgesamt ausschließlich für eine Transfergesellschaft einzusetzen. Qualifizierung und Weitervermittlung seien «wichtiger als eine schlichte Abfindungszahlung», sagte Harbig.
Die Geschäftsführung hatte bereits am Mittwoch in einer von der Arbeitnehmervertretung initiierten außerordentlichen Aufsichtsratssitzung über die Lage des Unternehmens informiert. Beschäftigte hatten vor der Sitzung die Arbeit niedergelegt und ihren Forderungen Nachdruck verliehen.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 19.02.2009
Februar 2009 20.02.2009
-
Sie wollen um die Abfindung kämpfen
Von Wilfried Hinrichs und Gert Westdörp
Osnabrück.
Wenn er einen Wunsch frei hätte, sagt Karmann-Mitarbeiter Berthold Schulz, „dann wäre ich gern drei Jahre älter“. 55 ist er erst und lebt deshalb in der Angst, „in zwei Jahren auf Hartz IV zu rutschen und dann alles zu verlieren, was ich in vierzig Berufsjahren erarbeitet habe“.
Reimund Tölle, 51, seit 31 Jahren bei Karmann: „Die Familien identifizieren sich nicht mit dem Unternehmen.“ Tölle trägt eine Tüte mit Treuegeschenken von Karmann für einen kranken Kollegen, der 25-jähriges Arbeitsjubiläum feiert.
Reimund Tölle, 51, seit 31 Jahren bei Karmann: „Die Familien identifizieren sich nicht mit dem Unternehmen.“ Tölle trägt eine Tüte mit Treuegeschenken von Karmann für einen kranken Kollegen, der 25-jähriges Arbeitsjubiläum feiert.
Die Stimmung unter den Karmänner ist so frostig wie das Wetter. „Kein Kommentar“, winken viele ab und gehen den Reportern am Werkstor aus dem Weg. Die Betriebsversammlung ist erst ein paar Minuten vorüber. Jetzt wissen die Mitarbeiter, dass Karmann keine Abfindung zahlen kann – oder will, wie viele glauben. „Nichts Positives, alles negativ. Das muss man erst einmal verdauen“, sagt Berthold Schulz, bleibt stehen und erzählt.
Der Georgsmarienhütter ist Konstrukteur im Werkzeugbau, also in jener Metalleinheit („Metal unit“), die verkauft werden soll. Was mit den dort beschäftigten 750 Leuten geschehen wird, weiß noch keiner. Berthold Schulz, der in 39 Jahren Arbeit für Karmann viele Höhen und Tiefen live erlebt hat, rechnet mit dem Schlimmsten. Kündigung. Transfergesellschaft. Arbeitslosigkeit. „Und in zwei Jahren bin ich auf Hartz IV.“ Seine Frau verdient etwas Geld als geringfügig Beschäftigte, sein älterer Sohn (20) will demnächst studieren, der jüngere (16) geht noch zur Schule. „Wie soll das mit Hartz IV gehen?“, fragt er. Wäre er drei Jahre älter – ja, das wäre sein Wunsch gewesen –, dann hätte er einen reibungslosen Übergang in die Rente gehabt.
Schulz ist auf Kurzarbeit. Drei Tage hat er in diesem Monat erst gearbeitet. Am Ende des Monats bringt er nur 67 Prozent seines früheren Nettolohns nach Hause.
Wenn es doch wenigstens eine Abfindung gäbe. „Unfair“, findet er das. Die Kollegen in Rheine schließen heute ab und gehen alle mit Abfindungen nach Hause. Auch die Ex-Karmänner aus den früheren Entlassungswellen erhielten einen halben Monatslohn pro Beschäftigungsjahr. Jetzt sollen die Kassen leer sein – und die Augen richten sich auf die Gesellschafterfamilien. „Ich bin sehr gespannt, ob sich die Familie Karmann finanziell engagiert.“ Schulz wiegt den Kopf: „Ich schätze, die Chancen stehen fünfzig:fünfzig.“
Roland Vogel (48) aus Ibbenbüren will die Karmann-Nachkommen nicht aus der Verantwortung entlassen. Ob es eine Abfindung gibt, sei letztlich eine „Machtfrage“, sagt der Familienvater kämpferisch: „Da ist das letzte Wort beileibe noch nicht gesprochen.“ Aber die Firmenkassen sind leer? „Das wird den Arbeitnehmern so suggeriert“, kontert Vogel. Er glaube nicht daran. Irgendwo, so mutmaßt er, werde es schon noch versteckte Schatullen geben, deren Inhalt für eine faire Abfindung ausreiche.
Roland Vogel ist seit 25 Jahren bei Karmann und arbeitet im Fahrzeugbau, der im Mai definitiv ausläuft. Ob er in die Transfergesellschaft wechseln wird, weiß er noch nicht. Umgesehen habe er sich schon, aber: „Bei Karmann hat man gutes Geld verdient. Die Abstriche bei anderen Firmen, die tun richtig weh.“
In der Betriebsversammlung hätte man die Stecknadel fallen hören können, berichtet Reimund Tölle (51) aus Wallenhorst. Die Anspannung habe sich dann in lauten Buhrufen entladen, als Karmann-Chef Peter Harbig über die Sache mit den Abfindungen ansprach. „Aber es hat ja keinen Zweck.“ Tölle glaubt nicht, dass Druck aus der Belegschaft die Gesellschafter bewegt, Geld lockerzumachen. „Die identifizieren sich nicht mehr mit dem Unternehmen.“ Wilhelm Dietrich Karmann – der Einzige aus der Familie, der in der Unternehmensspitze tätig ist – nahm an der Betriebsversammlung aus terminlichen Gründen, wie es hieß, nicht teil.
Ihm hätten wohl die Ohren geklungen angesichts der direkten Forderungen der Gewerkschafter an die Familie. Hartmut Riemann, IG-Metall-Bevollmächtigter, hätte, wenn es eine rechtliche Möglichkeit gäbe, die Gesellschafter zwingen wollen, sich ihrer sozialen Verantwortung zu stellen. Betriebsratsvorsitzender Wolfram Smolinski sagte, die Entlassung treffe ältere Kollegen mit langen Beschäftigungszeiten, die über Jahrzehnte das Rückgrat des Unternehmens bildeten. „Diesem Personenkreis verdanken die Gesellschafter ihren persönlichen Reichtum.“
Tölle trägt eine Karmann-Tüte. Sie ist für einen Kollegen, der krank zu Hause sitzt. Er hat 25-jähriges Arbeitsjubiläum. Inhalt der Tüte: Eine Tasse, eine Uhr, ein Dankschreiben mit dem Hinweis auf das übliche zusätzliche Monatsgehalt als Treuegratifikation – ausgehändigt ausgerechnet an diesem Tag.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 20.02.2009
Wirtschaft 20.02.2009
-
Karmann geht nicht auf die IAA - Konzentration auf Genfer Salon
gp Osnabrück.
Die Wilhelm Karmann GmbH wird in diesem Jahr nicht mit einem eigenen Stand auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt vertreten sein.
Peter Harbig, Sprecher der Geschäftsführung, begründete diesen Schritt gegenüber unserer Zeitung gestern in Osnabrück mit der allgemeinen Unsicherheit innerhalb der Automobilbranche. Nach Absagen von großen Unternehmen wie Continental und Mitsubishi befinde man sich hier „in guter Gesellschaft“, sagte der 50-Jährige weiter. Sein Unternehmen konzentriere sich in diesem Jahr auf einen Auftritt beim Genfer Salon im März. Mit in diese Entscheidung eingebunden sei auch eine „Kosten-Nutzen-Analyse“, ergänzte Personalchef Jochen Voß. Harbig schloss allerdings nicht aus, dass es zusammen mit dem Energiekonzern EWE zu einem Messeauftrittt in Frankfurt kommen werde. Bis zum Herbst wollen die beiden Unternehmen das erste Modell eines gemeinsamen Elektroautos präsentieren.
Harbig und Voß schlüsselten gemeinsam mit Betriebsratschef Wolfram Smolinski und dem ersten Bevollmächtigten der IG Metall in Osnabrück, Hartmut Riemann, die Karmann-Pläne für die Zukunft auf. Nach der Überführung von bis zu 1390 Mitarbeitern vorwiegend aus der Komplettfertigung in die Transfergesellschaft verbleiben noch 1150 Arbeitsplätze am Standort Osnabrück. Diese Jobs sind in den Sparten Cabrio-Dachsysteme und Fahrzeugentwicklung sowie der Verwaltung angesiedelt.
Dazu kommen 750 Mitarbeiter der „Metal-Unit“ mit den Sparten Werkzeugbau, Presswerk, Module, Produktionssysteme und Ersatzteile. Diese Abteilungen stehen, wie von der Geschäftsführung bereits im Spätsommer vergangenen Jahres angekündigt, als Paket zum Verkauf. Harbig sprach von mehreren Interessenten. Die Verkaufsverhandlungen würden sehr sorgfältig betrieben.
Die Transfergesellschaft soll nach dem Plan der Geschäftsführung eine Laufzeit von zwölf Monaten haben. Die Vergütung der dort Beschäftigten will Karmann um 18 Prozent auf in der Regel 85 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens aufgestocken. Riemanns Dank galt besonders dem Osnabrücker Bundestagsabgeordneten Martin Schwanholz (SPD), der sich in Berlin um EU-Mittel für die Transfergesellschaft bemüht habe. Auch den „Geleitschutz“ von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) für dieses Projekt hob Riemann hervor. Für Gewerkschaft und Betriebsrat gehöre zu einer solchen Gesellschaft allerdings zwingend eine Abfindung, wie sie die Kollegen des ersten Sozialplanes in Osnabrück und aktuell die Mitarbeiter im Karmann-Werk Rheine, wo bereits heute mit dem letzten Audi A4 Cabriolet die Fahrzeug-Komplettfertigung endet, bekommen.
Personalchef Voß sieht das offenbar anders. In der Betriebsversammlung habe er anklingen lassen, dass er ein Karmann-Engagement bei der Hilfe für Mitarbeiter aus der Fahrzeugproduktion sinnvoller in einer Transfergesellschaft angelegt sehe als in Abfindungen, die eh schnell aufgebraucht seien, wie Insider berichteten.
Zum Thema der erst einige Jahre alten Lackiererei in Osnabrück bemerkte Harbig, dass diese nach einer gründlichen Reinigung etwa zur Lackierung von Prototypen weiterhin bereitstehe. Allerdings würden die so genannten Kataphorese-Tauchbäder nicht mehr zur Verfügung stehen können. Nach Informationen von Karmann-Mitarbeitern gibt es Fremdbetriebe in der Region, die diese Arbeit schon in der Vergangenheit übernommen hätten.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 20.02.2009
Nordwest 20.02.2009
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Kommentar: Alte Fehler rächen sich
Von Gerhard Placke
Ausgerechnet in der Himmelfahrtswoche endet bei Karmann die Fahrzeugproduktion, nach 106 Jahren. Trotz des auch gestern in der Betriebsversammlung allseits gelobten Einsatzes aller Beteiligten ist es dem Osnabrücker Traditionsunternehmen nicht gelungen, einen Anschlussauftrag reinzuholen. Karmann-Chef Peter Harbig und sein Team gingen monatelang rund um die Welt Klinken putzen – letztlich erfolglos.
Woran liegt das? In den letzten Jahren kursierten auf dem Markt für Komplettfertiger weltweit noch nicht einmal eine Handvoll Aufträge – und alle Jobs hat der Karmann-Konkurrent Magna Steyr bekommen. Der Wettbewerb unter den Anbietern wurde immer gnadenloser. Letztlich geht es nur noch um den Preis, weil Qualität sowieso vorausgesetzt wird. Und da konnten die Grazer, Teil eines der größten Autozulieferers der Welt, durch schiere Größe und viele Leiharbeiter aus dem benachbarten Ex-Jugoslawien punkten. Aber die Gründe sind nicht nur global bedingt, sondern auch in Fehlern der Vergangenheit zu suchen, als die damalige Unternehmensführung die Akquirierung von Aufträgen „nur nebenbei“ betrieb, wie ein erfahrener „Karmann“ einmal sagte. Die anerkannt hohe Qualität der Autos aus Osnabrück und Rheine, zu der alle Mitarbeiter ihren Teil beigetragen haben, ist bestimmt nicht der Auslöser der Karmann-Krise. Und das müssen die Gesellschafter auch anerkennen. Durch die Zahlung einer Abfindung.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 20.02.2009
Nordwest 20.02.2009
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In Rheine läuft heute das letzte Auto vom Karmann-Band
Rheine/Osnabrück (dpa)
Im westfälischen Rheine läuft heute Vormittag das letzte Audi A4-Cabriolet von den Produktionsbändern des Karmann-Werks. Damit endet nach mehr als 43 Jahren die Fahrzeugfertigung.
Im westfälischen Rheine läuft heute Vormittag das letzte Audi A4-Cabriolet von den Produktionsbändern des Karmann-Werks
Im westfälischen Rheine läuft heute Vormittag das letzte Audi A4-Cabriolet von den Produktionsbändern des Karmann-Werks
Bereits im Oktober 2007 hatte Gesellschafter Wilhelm Dietrich Karmann auf einer Betriebsversammlung das Ende der Autoherstellung verkündet. Dem traditionsreichen Unternehmen war es in den vergangenen Jahren nicht mehr gelungen, neue Produktionsaufträge für die Werke in Rheine und am Stammsitz Osnabrück zu bekommen. Für 650 Mitarbeiter in Rheine steht bereits ein Sozialplan, in Osnabrück wird noch darum gerungen.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 20.02.2009
Nordwest 20.02.2009
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Karmann verweigert Abfindung
gp/hin Osnabrück.
Der Osnabrücker Autobauer Karmann bietet den 1390 von Entlassung bedrohten Mitarbeitern den Einstieg in eine Transfergesellschaft an, will allerdings nicht die von Betriebsrat und Gewerkschaft geforderte Abfindung zahlen.
Allein für die Finanzierung der Karmann-Beteiligung an der Gesellschaft sei die Aufnahme von 30 Millionen Euro notwendig, erläuterte die Geschäftsführung gestern auf einer Betriebsversammlung in Osnabrück. Die laufenden Kosten für diesen Kredit, der innerhalb von fünf Jahren zurückgezahlt werden soll, will das Unternehmen aus dem Weiterbetrieb mit den zwei Säulen Fahrzeugentwicklung und Dachfertigung bezahlen, erläuterte Karmann-Personalchef Jochen Voß unserer Zeitung.
Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte weiter, dass die Banken für die Gewährung dieses Millionen-Kredits natürlich Sicherheiten verlangten. In der Betriebsversammlung war von Bürgschaften, etwa des Landes Niedersachsen, die Rede, wie Insider berichteten. Die Ankündigung der Geschäftsführung, diesen dritten Karmann-Sozialplan innerhalb weniger Jahre ohne die bisher übliche Abfindung von etwa einem halben Monatsgehalt pro Jahr der Betriebszugehörigkeit abzuwickeln, stieß bei Arbeitnehmern, dem Betriebsrat und der IG Metall auf Ablehnung. Hartmut Riemann, erster Bevollmächtigter der IG Metall in Osnabrück, und Betriebsratschef Wolfram Smolinski betonten auf Nachfrage, dass für sie nur die Einrichtung einer Transfergesellschaft plus einer Abfindung für die bewährten Mitarbeiter des Traditionsunternehmens infrage komme. Immerhin seien die jetzt von der Maßnahme betroffenen Kollegen mehr als 25 Jahre bei Karmann beschäftigt. Sie hätten „die Erfolgsstory Karmann erarbeitet und die Gesellschafterfamilien bestimmt nicht ärmer gemacht“, betonte Riemann. Die Gesellschafter dürften sich in dieser Situation nicht aus der Verantwortung stehlen, machte Smolinski deutlich. Riemann bedauerte in diesem Zusammenhang, dass es keine rechtliche Möglichkeit gebe, die Gesellschafter dazu zu zwingen, den Sozialplan finanziell mitzutragen.
Für den Betriebsbereich Metal-Unit (Werkzeugbau, Presswerk etc.) mit geplant 750 Mitarbeitern würden Verkaufsverhandlungen mit mehreren Interessenten geführt, betonte Peter Harbig, Sprecher der Geschäftsführung.
Die Ankündigung, keine Abfindung zu zahlen, quittierten die Mitarbeiter in der Betriebsversammlung mit lauten Buhrufen. Vor dem Werkstor ließen Beschäftigte ihrem Zorn freien Lauf und forderten die Gesellschafterfamilien auf, sich in dieser schweren Phase finanziell für ihre Mitarbeiter zu engagieren. „Irgendwo gibt es noch versteckte Schatullen“, vermutet ein 48-jähriger Mitarbeiter aus dem Fahrzeugbau, der im Mai seinen Job verliert.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 20.02.2009
Ist im Mai bei Karmann Schluss?
Von Stefan Prinz und Gerhard Placke
Osnabrück.
Die dunklen Wolken über dem Traditionsunternehmen Karmann scheinen sich weiter zu verfinstern. Nach Informationen unserer Zeitung soll die Produktion des Mercedes CLK Cabrio nicht erst im August auslaufen – sondern bereits Ende Mai. Heute kommt der Aufsichtsrat zusammen.
<b>Die dunklen Wolken </b>über Karmann scheinen sich weiter zu verfinstern.
<i> Foto: Jörn Martens</i>
Die dunklen Wolken über Karmann scheinen sich weiter zu verfinstern.
Foto: Jörn Martens
Trotz Kurzarbeit dürfte es heute auf dem Karmann-Werksgelände alles andere als ruhig zugehen. Wenn gegen Mittag der Aufsichtsrat zusammentritt, steht er vor großen Problemen. Mitte Dezember hatte der Autobauer die Sozialplanverhandlungen für die mehr als 1700 Beschäftigten des Fahrzeugbaus ausgesetzt. Damals sollten laufende Gespräche über den Verkauf von Unternehmensteilen nicht gefährdet werden.
Die Beschäftigten erwarten in einer für morgen um 11 Uhr angesetzten Betriebsversammlung Antwort darauf, ob diese Verhandlungen erfolgreich gewesen sind. Sollte es zu keinem erfolgreichen Abschluss gekommen sein, hat Karmann ein dickes Problem mehr: Wegen der Verhandlungspause würde sich jetzt nämlich auch die Kündigung der betroffenen Mitarbeiter des Fahrzeugbaus verzögern. Bei vielen Beschäftigten muss das Unternehmen eine Kündigungsfrist von sieben Monaten berücksichtigen. Nach dem Auslaufen der CLK-Produktion hätten sie dann möglicherweise monatelang nichts mehr zu tun – und Karmann müsste trotzdem weiter zahlen. Das könnte bedeuten, dass auf die Firma monatlich weitere Millionen-Kosten zukämen.
Wegen der allgemeinen Krise der Automobilindustrie hat Mercedes nach Neue-OZ-Informationen an allen Standorten die Produktion gekürzt. Darunter fällt auch der Mercedes CLK Cabrio, der ursprünglich noch bis August bei Karmann in Osnabrück gebaut werden sollte. Jetzt kommt das für den Sommer erwartete Ende des mehr als 100-jährigen Fahrzeugbaus in Osnabrück möglicherweise schon Ende Mai. Noch in diesem Monat wird im Karmann-Werk Rheine der letzte Audi A 4 Cabrio von Band laufen.
Bereits gestern wurden Arbeitnehmer-Stimmen laut, die für die heutige Aufsichtsratssitzung eine Mitarbeiter-Demonstration auf dem Werksgelände angekündigt haben. Ein Unternehmenssprecher bestätigte zwar die heutige Sitzung, wollte sich aber zu Einzelheiten nicht äußern.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 18.2.2009
Februar 2009 19.02.2009
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Karmann schließt Fahrzeugbau früher als geplant
Osnabrück.
Die weltweite Automobilkrise verschärft die Situation beim angeschlagenen Osnabrücker Fahrzeugbauer Karmann. Der Bereich Fahrzeugbau soll statt wie ursprünglich geplant im August nun bereits Mitte Mai geschlossen werden, wie die Gewerkschaft IG Metall am Donnerstag mitteilte. Davon sind 665 Arbeitsplätze betroffen. Zudem beabsichtigt die Geschäftsführung nach Gewerkschaftsangaben den rund 750 Mitarbeiter zählenden Produktionsbereich Metal Unit, zu dem unter anderem Werkzeugbau und Presswerk gehören, zu verkaufen.
<b>Karmann</b> trennt sich vom Fahrzeugbau, eine mehr als einhundertjährige Tradition geht damit zu Ende.
<i>Foto: Westdörp</i>
Karmann trennt sich vom Fahrzeugbau, eine mehr als einhundertjährige Tradition geht damit zu Ende.
Foto: Westdörp
Durch die Schließung des Fahrzeugbaus und weiterer Bereiche kämen auf 1390 Menschen betriebsbedingte Kündigungen zu, sagte der Osnabrücker IG-Metall-Bevollmächtigte Hartmut Riemann. Die Zukunft der Karmann GmbH solle durch ein Zwei-Säulen-Modell gesichert werden. Dazu gehören den Angaben zufolge die Technische Entwicklung mit 570 und das Segment Dachsysteme mit 365 Beschäftigten. In einem administrativen Bereich sollen 160 Menschen tätig sein.
Die Zwei-Säulen-Strategie sei in ihrer Kombination einmalig, sagte der Sprecher der Geschäftsführung, Peter Harbig. Sie verschaffe Karmann in der Autoindustrie einen Wettbewerbsvorteil.
Für die von Arbeitsplatzverlust betroffenen Karmann-Mitarbeiter fordert die Gewerkschaft vor allem die Einrichtung einer Transfergesellschaft und die Zahlung einer Abfindung. Allerdings sieht sich die Geschäftsführung nach Gewerkschaftsangaben aufgrund der wirtschaftlichen Situation nicht in der Lage, Abfindungen zu zahlen. Die Gesellschafter dürften sich aber «nicht aus ihrer Verantwortung stehlen», sagte Betriebsratschef Wolfram Smolinski.
Die Geschäftsführung sprach sich hingegen dafür aus, die Mittel insgesamt ausschließlich für eine Transfergesellschaft einzusetzen. Qualifizierung und Weitervermittlung seien «wichtiger als eine schlichte Abfindungszahlung», sagte Harbig.
Die Geschäftsführung hatte bereits am Mittwoch in einer von der Arbeitnehmervertretung initiierten außerordentlichen Aufsichtsratssitzung über die Lage des Unternehmens informiert. Beschäftigte hatten vor der Sitzung die Arbeit niedergelegt und ihren Forderungen Nachdruck verliehen.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 19.02.2009
Februar 2009 20.02.2009
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Sie wollen um die Abfindung kämpfen
Von Wilfried Hinrichs und Gert Westdörp
Osnabrück.
Wenn er einen Wunsch frei hätte, sagt Karmann-Mitarbeiter Berthold Schulz, „dann wäre ich gern drei Jahre älter“. 55 ist er erst und lebt deshalb in der Angst, „in zwei Jahren auf Hartz IV zu rutschen und dann alles zu verlieren, was ich in vierzig Berufsjahren erarbeitet habe“.
Reimund Tölle, 51, seit 31 Jahren bei Karmann: „Die Familien identifizieren sich nicht mit dem Unternehmen.“ Tölle trägt eine Tüte mit Treuegeschenken von Karmann für einen kranken Kollegen, der 25-jähriges Arbeitsjubiläum feiert.
Reimund Tölle, 51, seit 31 Jahren bei Karmann: „Die Familien identifizieren sich nicht mit dem Unternehmen.“ Tölle trägt eine Tüte mit Treuegeschenken von Karmann für einen kranken Kollegen, der 25-jähriges Arbeitsjubiläum feiert.
Die Stimmung unter den Karmänner ist so frostig wie das Wetter. „Kein Kommentar“, winken viele ab und gehen den Reportern am Werkstor aus dem Weg. Die Betriebsversammlung ist erst ein paar Minuten vorüber. Jetzt wissen die Mitarbeiter, dass Karmann keine Abfindung zahlen kann – oder will, wie viele glauben. „Nichts Positives, alles negativ. Das muss man erst einmal verdauen“, sagt Berthold Schulz, bleibt stehen und erzählt.
Der Georgsmarienhütter ist Konstrukteur im Werkzeugbau, also in jener Metalleinheit („Metal unit“), die verkauft werden soll. Was mit den dort beschäftigten 750 Leuten geschehen wird, weiß noch keiner. Berthold Schulz, der in 39 Jahren Arbeit für Karmann viele Höhen und Tiefen live erlebt hat, rechnet mit dem Schlimmsten. Kündigung. Transfergesellschaft. Arbeitslosigkeit. „Und in zwei Jahren bin ich auf Hartz IV.“ Seine Frau verdient etwas Geld als geringfügig Beschäftigte, sein älterer Sohn (20) will demnächst studieren, der jüngere (16) geht noch zur Schule. „Wie soll das mit Hartz IV gehen?“, fragt er. Wäre er drei Jahre älter – ja, das wäre sein Wunsch gewesen –, dann hätte er einen reibungslosen Übergang in die Rente gehabt.
Schulz ist auf Kurzarbeit. Drei Tage hat er in diesem Monat erst gearbeitet. Am Ende des Monats bringt er nur 67 Prozent seines früheren Nettolohns nach Hause.
Wenn es doch wenigstens eine Abfindung gäbe. „Unfair“, findet er das. Die Kollegen in Rheine schließen heute ab und gehen alle mit Abfindungen nach Hause. Auch die Ex-Karmänner aus den früheren Entlassungswellen erhielten einen halben Monatslohn pro Beschäftigungsjahr. Jetzt sollen die Kassen leer sein – und die Augen richten sich auf die Gesellschafterfamilien. „Ich bin sehr gespannt, ob sich die Familie Karmann finanziell engagiert.“ Schulz wiegt den Kopf: „Ich schätze, die Chancen stehen fünfzig:fünfzig.“
Roland Vogel (48) aus Ibbenbüren will die Karmann-Nachkommen nicht aus der Verantwortung entlassen. Ob es eine Abfindung gibt, sei letztlich eine „Machtfrage“, sagt der Familienvater kämpferisch: „Da ist das letzte Wort beileibe noch nicht gesprochen.“ Aber die Firmenkassen sind leer? „Das wird den Arbeitnehmern so suggeriert“, kontert Vogel. Er glaube nicht daran. Irgendwo, so mutmaßt er, werde es schon noch versteckte Schatullen geben, deren Inhalt für eine faire Abfindung ausreiche.
Roland Vogel ist seit 25 Jahren bei Karmann und arbeitet im Fahrzeugbau, der im Mai definitiv ausläuft. Ob er in die Transfergesellschaft wechseln wird, weiß er noch nicht. Umgesehen habe er sich schon, aber: „Bei Karmann hat man gutes Geld verdient. Die Abstriche bei anderen Firmen, die tun richtig weh.“
In der Betriebsversammlung hätte man die Stecknadel fallen hören können, berichtet Reimund Tölle (51) aus Wallenhorst. Die Anspannung habe sich dann in lauten Buhrufen entladen, als Karmann-Chef Peter Harbig über die Sache mit den Abfindungen ansprach. „Aber es hat ja keinen Zweck.“ Tölle glaubt nicht, dass Druck aus der Belegschaft die Gesellschafter bewegt, Geld lockerzumachen. „Die identifizieren sich nicht mehr mit dem Unternehmen.“ Wilhelm Dietrich Karmann – der Einzige aus der Familie, der in der Unternehmensspitze tätig ist – nahm an der Betriebsversammlung aus terminlichen Gründen, wie es hieß, nicht teil.
Ihm hätten wohl die Ohren geklungen angesichts der direkten Forderungen der Gewerkschafter an die Familie. Hartmut Riemann, IG-Metall-Bevollmächtigter, hätte, wenn es eine rechtliche Möglichkeit gäbe, die Gesellschafter zwingen wollen, sich ihrer sozialen Verantwortung zu stellen. Betriebsratsvorsitzender Wolfram Smolinski sagte, die Entlassung treffe ältere Kollegen mit langen Beschäftigungszeiten, die über Jahrzehnte das Rückgrat des Unternehmens bildeten. „Diesem Personenkreis verdanken die Gesellschafter ihren persönlichen Reichtum.“
Tölle trägt eine Karmann-Tüte. Sie ist für einen Kollegen, der krank zu Hause sitzt. Er hat 25-jähriges Arbeitsjubiläum. Inhalt der Tüte: Eine Tasse, eine Uhr, ein Dankschreiben mit dem Hinweis auf das übliche zusätzliche Monatsgehalt als Treuegratifikation – ausgehändigt ausgerechnet an diesem Tag.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 20.02.2009
Wirtschaft 20.02.2009
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Karmann geht nicht auf die IAA - Konzentration auf Genfer Salon
gp Osnabrück.
Die Wilhelm Karmann GmbH wird in diesem Jahr nicht mit einem eigenen Stand auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt vertreten sein.
Peter Harbig, Sprecher der Geschäftsführung, begründete diesen Schritt gegenüber unserer Zeitung gestern in Osnabrück mit der allgemeinen Unsicherheit innerhalb der Automobilbranche. Nach Absagen von großen Unternehmen wie Continental und Mitsubishi befinde man sich hier „in guter Gesellschaft“, sagte der 50-Jährige weiter. Sein Unternehmen konzentriere sich in diesem Jahr auf einen Auftritt beim Genfer Salon im März. Mit in diese Entscheidung eingebunden sei auch eine „Kosten-Nutzen-Analyse“, ergänzte Personalchef Jochen Voß. Harbig schloss allerdings nicht aus, dass es zusammen mit dem Energiekonzern EWE zu einem Messeauftrittt in Frankfurt kommen werde. Bis zum Herbst wollen die beiden Unternehmen das erste Modell eines gemeinsamen Elektroautos präsentieren.
Harbig und Voß schlüsselten gemeinsam mit Betriebsratschef Wolfram Smolinski und dem ersten Bevollmächtigten der IG Metall in Osnabrück, Hartmut Riemann, die Karmann-Pläne für die Zukunft auf. Nach der Überführung von bis zu 1390 Mitarbeitern vorwiegend aus der Komplettfertigung in die Transfergesellschaft verbleiben noch 1150 Arbeitsplätze am Standort Osnabrück. Diese Jobs sind in den Sparten Cabrio-Dachsysteme und Fahrzeugentwicklung sowie der Verwaltung angesiedelt.
Dazu kommen 750 Mitarbeiter der „Metal-Unit“ mit den Sparten Werkzeugbau, Presswerk, Module, Produktionssysteme und Ersatzteile. Diese Abteilungen stehen, wie von der Geschäftsführung bereits im Spätsommer vergangenen Jahres angekündigt, als Paket zum Verkauf. Harbig sprach von mehreren Interessenten. Die Verkaufsverhandlungen würden sehr sorgfältig betrieben.
Die Transfergesellschaft soll nach dem Plan der Geschäftsführung eine Laufzeit von zwölf Monaten haben. Die Vergütung der dort Beschäftigten will Karmann um 18 Prozent auf in der Regel 85 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens aufgestocken. Riemanns Dank galt besonders dem Osnabrücker Bundestagsabgeordneten Martin Schwanholz (SPD), der sich in Berlin um EU-Mittel für die Transfergesellschaft bemüht habe. Auch den „Geleitschutz“ von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) für dieses Projekt hob Riemann hervor. Für Gewerkschaft und Betriebsrat gehöre zu einer solchen Gesellschaft allerdings zwingend eine Abfindung, wie sie die Kollegen des ersten Sozialplanes in Osnabrück und aktuell die Mitarbeiter im Karmann-Werk Rheine, wo bereits heute mit dem letzten Audi A4 Cabriolet die Fahrzeug-Komplettfertigung endet, bekommen.
Personalchef Voß sieht das offenbar anders. In der Betriebsversammlung habe er anklingen lassen, dass er ein Karmann-Engagement bei der Hilfe für Mitarbeiter aus der Fahrzeugproduktion sinnvoller in einer Transfergesellschaft angelegt sehe als in Abfindungen, die eh schnell aufgebraucht seien, wie Insider berichteten.
Zum Thema der erst einige Jahre alten Lackiererei in Osnabrück bemerkte Harbig, dass diese nach einer gründlichen Reinigung etwa zur Lackierung von Prototypen weiterhin bereitstehe. Allerdings würden die so genannten Kataphorese-Tauchbäder nicht mehr zur Verfügung stehen können. Nach Informationen von Karmann-Mitarbeitern gibt es Fremdbetriebe in der Region, die diese Arbeit schon in der Vergangenheit übernommen hätten.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 20.02.2009
Nordwest 20.02.2009
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Kommentar: Alte Fehler rächen sich
Von Gerhard Placke
Ausgerechnet in der Himmelfahrtswoche endet bei Karmann die Fahrzeugproduktion, nach 106 Jahren. Trotz des auch gestern in der Betriebsversammlung allseits gelobten Einsatzes aller Beteiligten ist es dem Osnabrücker Traditionsunternehmen nicht gelungen, einen Anschlussauftrag reinzuholen. Karmann-Chef Peter Harbig und sein Team gingen monatelang rund um die Welt Klinken putzen – letztlich erfolglos.
Woran liegt das? In den letzten Jahren kursierten auf dem Markt für Komplettfertiger weltweit noch nicht einmal eine Handvoll Aufträge – und alle Jobs hat der Karmann-Konkurrent Magna Steyr bekommen. Der Wettbewerb unter den Anbietern wurde immer gnadenloser. Letztlich geht es nur noch um den Preis, weil Qualität sowieso vorausgesetzt wird. Und da konnten die Grazer, Teil eines der größten Autozulieferers der Welt, durch schiere Größe und viele Leiharbeiter aus dem benachbarten Ex-Jugoslawien punkten. Aber die Gründe sind nicht nur global bedingt, sondern auch in Fehlern der Vergangenheit zu suchen, als die damalige Unternehmensführung die Akquirierung von Aufträgen „nur nebenbei“ betrieb, wie ein erfahrener „Karmann“ einmal sagte. Die anerkannt hohe Qualität der Autos aus Osnabrück und Rheine, zu der alle Mitarbeiter ihren Teil beigetragen haben, ist bestimmt nicht der Auslöser der Karmann-Krise. Und das müssen die Gesellschafter auch anerkennen. Durch die Zahlung einer Abfindung.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 20.02.2009
Nordwest 20.02.2009
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In Rheine läuft heute das letzte Auto vom Karmann-Band
Rheine/Osnabrück (dpa)
Im westfälischen Rheine läuft heute Vormittag das letzte Audi A4-Cabriolet von den Produktionsbändern des Karmann-Werks. Damit endet nach mehr als 43 Jahren die Fahrzeugfertigung.
Im westfälischen Rheine läuft heute Vormittag das letzte Audi A4-Cabriolet von den Produktionsbändern des Karmann-Werks
Im westfälischen Rheine läuft heute Vormittag das letzte Audi A4-Cabriolet von den Produktionsbändern des Karmann-Werks
Bereits im Oktober 2007 hatte Gesellschafter Wilhelm Dietrich Karmann auf einer Betriebsversammlung das Ende der Autoherstellung verkündet. Dem traditionsreichen Unternehmen war es in den vergangenen Jahren nicht mehr gelungen, neue Produktionsaufträge für die Werke in Rheine und am Stammsitz Osnabrück zu bekommen. Für 650 Mitarbeiter in Rheine steht bereits ein Sozialplan, in Osnabrück wird noch darum gerungen.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 20.02.2009
Nordwest 20.02.2009
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Karmann verweigert Abfindung
gp/hin Osnabrück.
Der Osnabrücker Autobauer Karmann bietet den 1390 von Entlassung bedrohten Mitarbeitern den Einstieg in eine Transfergesellschaft an, will allerdings nicht die von Betriebsrat und Gewerkschaft geforderte Abfindung zahlen.
Allein für die Finanzierung der Karmann-Beteiligung an der Gesellschaft sei die Aufnahme von 30 Millionen Euro notwendig, erläuterte die Geschäftsführung gestern auf einer Betriebsversammlung in Osnabrück. Die laufenden Kosten für diesen Kredit, der innerhalb von fünf Jahren zurückgezahlt werden soll, will das Unternehmen aus dem Weiterbetrieb mit den zwei Säulen Fahrzeugentwicklung und Dachfertigung bezahlen, erläuterte Karmann-Personalchef Jochen Voß unserer Zeitung.
Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte weiter, dass die Banken für die Gewährung dieses Millionen-Kredits natürlich Sicherheiten verlangten. In der Betriebsversammlung war von Bürgschaften, etwa des Landes Niedersachsen, die Rede, wie Insider berichteten. Die Ankündigung der Geschäftsführung, diesen dritten Karmann-Sozialplan innerhalb weniger Jahre ohne die bisher übliche Abfindung von etwa einem halben Monatsgehalt pro Jahr der Betriebszugehörigkeit abzuwickeln, stieß bei Arbeitnehmern, dem Betriebsrat und der IG Metall auf Ablehnung. Hartmut Riemann, erster Bevollmächtigter der IG Metall in Osnabrück, und Betriebsratschef Wolfram Smolinski betonten auf Nachfrage, dass für sie nur die Einrichtung einer Transfergesellschaft plus einer Abfindung für die bewährten Mitarbeiter des Traditionsunternehmens infrage komme. Immerhin seien die jetzt von der Maßnahme betroffenen Kollegen mehr als 25 Jahre bei Karmann beschäftigt. Sie hätten „die Erfolgsstory Karmann erarbeitet und die Gesellschafterfamilien bestimmt nicht ärmer gemacht“, betonte Riemann. Die Gesellschafter dürften sich in dieser Situation nicht aus der Verantwortung stehlen, machte Smolinski deutlich. Riemann bedauerte in diesem Zusammenhang, dass es keine rechtliche Möglichkeit gebe, die Gesellschafter dazu zu zwingen, den Sozialplan finanziell mitzutragen.
Für den Betriebsbereich Metal-Unit (Werkzeugbau, Presswerk etc.) mit geplant 750 Mitarbeitern würden Verkaufsverhandlungen mit mehreren Interessenten geführt, betonte Peter Harbig, Sprecher der Geschäftsführung.
Die Ankündigung, keine Abfindung zu zahlen, quittierten die Mitarbeiter in der Betriebsversammlung mit lauten Buhrufen. Vor dem Werkstor ließen Beschäftigte ihrem Zorn freien Lauf und forderten die Gesellschafterfamilien auf, sich in dieser schweren Phase finanziell für ihre Mitarbeiter zu engagieren. „Irgendwo gibt es noch versteckte Schatullen“, vermutet ein 48-jähriger Mitarbeiter aus dem Fahrzeugbau, der im Mai seinen Job verliert.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 20.02.2009