WIG Schweißen - Erfahrungsbericht und Fragen
Verfasst: Di 3. Feb 2009, 06:18
hallo leute,
da mein 16V umbau noch eine schweißnaht am auspuff benötigt bevor er zum tüv kann und mir ein wig schweißgerät vermacht wurde habe ich mir mal gesagt "du hast zwar noch nie geschweißt aber du lernst das jetzt!".
zunächst einmal ne kleine erklärung für leute die es interessiert was "wig" schweißen überhaupt ist: die meisten (baumarkt) schweißgeräte die in schrauberhallen so rumstehen sind mig/mag schweißgeräte. man schweißt mit schutzgas, die schweißelektrode ist gleichzeitig der zusatzmaterial-draht, das schweißgerät schiebt ihn mit konstanter, einstellbarer geschwindigkeit aus der düse heraus. vorteil: man kann mit einer hand schweißen. nachteil: weniger präzision.
der unterschied beim wig schweißen ist: die elektrode verbrennt nicht, der zusatzmaterial-draht wird per hand zugeführt. nachteil: das zuführen des schweißdrahts erfordert einiges an prazision, ebenso muss man sorge dafür tragen, dass man die elektrode nicht abfackelt: jedes mal wenn das passiert darf man das schweißgerät ausschalten, die düse aufschrauben, die elektrode ausbauen und sie anspitzen und wieder einbauen. so schlimm ist das aber auch nicht, dauert 1-2 minuten
VORTEIL: der schweißdraht kann mit genaustem maß zugeführt werden sodass man schweißnähte fast ohne zuführung von zusatzmaterial durchführen kann. der schweißstrom kann auch sehr gering gehalten werden wodurch auch dünnste bleche (karosserieblech!) geschweißt werden können.
so sieht eine wig-düse aus: http://de.wikipedia.org/w/index.php?tit ... 0112175758
achtung: was auf dem bild falsch ist: bzumindest bei standard-materialien ist das werkstück nicht auf masse geschaltet sondern auf plus. ansonsten fliegen die elektronen fleißig auf die schweißelektrode und fackeln sie ruck zuck ab. so funktioniert das nicht...
und nun zum erfahrungsbericht:
erst mal für die experten ein paar technische daten:
mein inverter-schweißgerät (ist nur so groß wie'n brot das ding!):

... es handelt sich dabei um ein ganz einfaches: man kann den strom von 20 bis 80 A einstellen, sonst nichts. gezündet wird der lichtbogen durch kontaktzündung: werkstück kurz mit elektrode antippen und die elektrode dann wegziehen. so stehts zumindest im internet, dazu später mehr....
als schutzgas verwende ich argon, meine armatur kann man von 0 bis 30 liter/minute einstellen.
die gasdüse hat eine 5mm öffnung, als elektrode wurde mir hier eine 1,6er "gold"-elektrode empfohlen (die ist nicht wirklich aus gold das ist nur eine bezeichnung die sich aus irgendeinem grund eingebürgert hat so wie ich das verstehe). den wunderbaren videos von MSS habe ich entnommen, dass man die elektrode so einbaut, dass sie ca 5mm. aus das düse raus guckt. ich hoffe das ist richtig so??
... also nun sitzt man da mit schweißgerät, schutzkleidung und nem klumpen metall und versucht erst mal den lichtbogen zu zünden. erste erkenntnis: es heißt ja, kontaktzündung ist viel unpraktischer als hochfrequenzzündung, weil man das werkstück berühren muss um den lichtbogen zu zünden - bei schweißgeräten mit HF zündung zündet er selbst. bei kontaktzündung sagt man würde dann die elektrode oft festkleben und dann muss man sie ausbauen und anschleifen und das nervt blah blah. hierzu habe ich gemerkt: das wort kontaktzündung ist meiner meinung nach falsch gewählt. wenn man das werkstück mit der elektrode berührt klebt sie tatsächlich fast immer fest. aber wenn man in der schule in elektrostatik brav aufgepasst hat dann hat man das wort spitzenentldung mal gehört und schleift seine elektrode so spitz wie nur möglich anstatt wenn sie mal festklebt faul zu sein und weiter zu probieren ohne zu schleifen. wenn man sich mühe gibt funktioniert das zünden dann so wunderbar: eine minimale erhöhung am werkstück suchen, elektrode ganz langsam annähren bis auf ca 1/3mm nähe, dann zündet der lichtbogen von selbst ohne festkleben. macht richtig spaß wenn mans mal kann
nach ca 20-fachem elektroden anspitzen / ca 2 stunden zünden üben an anderen werkstücken kam dann das raus, sortiert nach reihenfolge der übung die ich schon hatte - es handelt sich um 62,5 mm auspuffrohr:
anfang abgeschliffen:

anfang:

da hatte ich das gefühl "okay jetzt macht es fast was ich will!!!
" :

und am ende:

... so jetzt werdet ihr euch sicherlich fragen: "warum sieht das am ende beschissener als am anfang aus?" ... weil ich ne halbe stunde rumexperimentiert hab ob ich die schweißnaht ohne weiteres zuführen von zusatzmaterial perfekt glatt bekomme und frei von löchern. also ich hab mir quasi gesagt: "so, stell dir vor das ist dein richtiger auspuff und du musst jetzt alle löcher zukriegen sonst kannste ihn wegschmeißen".
diese lektion hat mir auch viel gebracht, ich kann jetzt nämlich fragen stellen:
1. welche stronstärke von den 20 bis 80 A ist für "normales standard auspuff metall" denn eine mittlere stromstärke? anfangs hab ich nur 30 A und irgendwann gemerkt, dass das zusatzmaterial zwar fröhlich wegschmilzt aber das werkstück sich dafür überhauptnicht interessiert sprich es ist nicht geschmolzen. die ganzen schweißnähte die man sieht sind mit ca 50 A entstanden, ist das zu viel oder zu wenig?
2. welche gasmenge ist ein mittlerer wert? ich kann wie gesagt von 0 bis 30 liter pro minute einstellen. ich hab die ganze zeit mit ca 15 gearbeitet, hatte dann aber das gefühl, dass es mit etwas weniger vielleicht ein bißchen besser geht. es wäre sehr wichtig da mal nen tipp zu kriegen: vielleicht kühle ich mir ja mit viel zu viel gas meine schweißnaht so stark dass es nichts wird? oder ich verwende viel zu wenig, denn ich hatte am ende das gefühl, dass die elektrode sich auch ohne berühren des werkstücks / des zusatzmaterials sich schnell rund brennt.
3. das hautproblem welches ich noch habe sind kleine löcher von ca 1/3mm oder so, die die schweißnaht übersähen. deshalb ist die letzte stelle auf dem bild auch so groß geworden: ich wollte schauen, ob ich durch vorsichtiges anschmelzen der naht und des werkstückes bewirken kann, dass das material in die löcher läuft und sie verschließt. ich weiß nicht ob ich das durch die beschränkte sicht die man beim schweißen nunmal hat richtig gesehen habe, aber mir kam es so vor, als würde das material wenn ich mit dem lichtbogen drüber bin zwar brav in die löcher laufen, aber wenn ich ihn entferne wieder wegfließen sodass sie immer noch da sind. wovon kommen diese löcher? ich könnte sie zwar durch mehr zusatzmaterial zu bekommen, ich möchte aber lernen mit so wenig zusatzmaterial wie nur möglich zu schweißen.
4. wie gesagt scheint die elektrode sich auch rund zu brennen ohne dass ich irgendwas berühre. kann das sein oder bilde ich mir das nur ein und berühre doch das metall? ursache ist was? kann es an zu großem oder zu kleinem abstand liegen? wenn ja, eher an zu großem oder eher an zu kleinem? oder sind die 50 A einfach zu viel? oder was?
5. welche abstand ist der richtige? bis auf 2-3 milimeter krieg ich hin ohne berühren glaub ich. aber in den videos von MSS wurde glaube ich mal gesagt dass ein eher größerer abstand das werkstück besser schmilzen lässt. aber zu groß ist ja wahrscheinlich auch nicht gut und ich könnte mir vorstellen dass die löcher durch zu großen oder zu geringen enstehen. oder durch zu langsames bewegen der elektrode...
... so, ich glaube das sind erst mal genug fragen. ich denke wenn ich mal eins-zwei der variablen parameter, insbesondere die stromstärke und die gasmenge, auf ihren richtigen wert fixiert hab dann gibt es auch nicht mehr so viele fehlerquellen die sich gegenseitig beeinflussen und die fragen werden weniger
(6. wie viel druck soll ich noch auf der argon flasche lassen bevor ich zum auffüllen gehe?)
mein fazit: ich kann nur jedem empfehlen sich gleich ein wig schweißgerät zu holen, es macht riesen spaß. man kann das material wirklich gezielt in kleinstmengen zuführen und auch wenn man das anhand der fotos nicht glaubt, so ist es einem schon nach ein paar stunden üben möglich, schweißnähte fast ohne zusatzmaterial zu fabrizieren wen man geduldig ist mit dem zusatzmaterial, das schmilzt nämlich sau schnell und dann hat man direkt riesen klumpen da hängen und ich bin eher eine ungeduldige natur. wenn ich mich zusmmengerissen hätte wäre es glaube ich schon so geworden dass man zufrieden sein könnte
danke für's zuhören & grüße, leo
da mein 16V umbau noch eine schweißnaht am auspuff benötigt bevor er zum tüv kann und mir ein wig schweißgerät vermacht wurde habe ich mir mal gesagt "du hast zwar noch nie geschweißt aber du lernst das jetzt!".
zunächst einmal ne kleine erklärung für leute die es interessiert was "wig" schweißen überhaupt ist: die meisten (baumarkt) schweißgeräte die in schrauberhallen so rumstehen sind mig/mag schweißgeräte. man schweißt mit schutzgas, die schweißelektrode ist gleichzeitig der zusatzmaterial-draht, das schweißgerät schiebt ihn mit konstanter, einstellbarer geschwindigkeit aus der düse heraus. vorteil: man kann mit einer hand schweißen. nachteil: weniger präzision.
der unterschied beim wig schweißen ist: die elektrode verbrennt nicht, der zusatzmaterial-draht wird per hand zugeführt. nachteil: das zuführen des schweißdrahts erfordert einiges an prazision, ebenso muss man sorge dafür tragen, dass man die elektrode nicht abfackelt: jedes mal wenn das passiert darf man das schweißgerät ausschalten, die düse aufschrauben, die elektrode ausbauen und sie anspitzen und wieder einbauen. so schlimm ist das aber auch nicht, dauert 1-2 minuten
so sieht eine wig-düse aus: http://de.wikipedia.org/w/index.php?tit ... 0112175758
achtung: was auf dem bild falsch ist: bzumindest bei standard-materialien ist das werkstück nicht auf masse geschaltet sondern auf plus. ansonsten fliegen die elektronen fleißig auf die schweißelektrode und fackeln sie ruck zuck ab. so funktioniert das nicht...
und nun zum erfahrungsbericht:
erst mal für die experten ein paar technische daten:
mein inverter-schweißgerät (ist nur so groß wie'n brot das ding!):
... es handelt sich dabei um ein ganz einfaches: man kann den strom von 20 bis 80 A einstellen, sonst nichts. gezündet wird der lichtbogen durch kontaktzündung: werkstück kurz mit elektrode antippen und die elektrode dann wegziehen. so stehts zumindest im internet, dazu später mehr....
als schutzgas verwende ich argon, meine armatur kann man von 0 bis 30 liter/minute einstellen.
die gasdüse hat eine 5mm öffnung, als elektrode wurde mir hier eine 1,6er "gold"-elektrode empfohlen (die ist nicht wirklich aus gold das ist nur eine bezeichnung die sich aus irgendeinem grund eingebürgert hat so wie ich das verstehe). den wunderbaren videos von MSS habe ich entnommen, dass man die elektrode so einbaut, dass sie ca 5mm. aus das düse raus guckt. ich hoffe das ist richtig so??
... also nun sitzt man da mit schweißgerät, schutzkleidung und nem klumpen metall und versucht erst mal den lichtbogen zu zünden. erste erkenntnis: es heißt ja, kontaktzündung ist viel unpraktischer als hochfrequenzzündung, weil man das werkstück berühren muss um den lichtbogen zu zünden - bei schweißgeräten mit HF zündung zündet er selbst. bei kontaktzündung sagt man würde dann die elektrode oft festkleben und dann muss man sie ausbauen und anschleifen und das nervt blah blah. hierzu habe ich gemerkt: das wort kontaktzündung ist meiner meinung nach falsch gewählt. wenn man das werkstück mit der elektrode berührt klebt sie tatsächlich fast immer fest. aber wenn man in der schule in elektrostatik brav aufgepasst hat dann hat man das wort spitzenentldung mal gehört und schleift seine elektrode so spitz wie nur möglich anstatt wenn sie mal festklebt faul zu sein und weiter zu probieren ohne zu schleifen. wenn man sich mühe gibt funktioniert das zünden dann so wunderbar: eine minimale erhöhung am werkstück suchen, elektrode ganz langsam annähren bis auf ca 1/3mm nähe, dann zündet der lichtbogen von selbst ohne festkleben. macht richtig spaß wenn mans mal kann
nach ca 20-fachem elektroden anspitzen / ca 2 stunden zünden üben an anderen werkstücken kam dann das raus, sortiert nach reihenfolge der übung die ich schon hatte - es handelt sich um 62,5 mm auspuffrohr:
anfang abgeschliffen:
anfang:
da hatte ich das gefühl "okay jetzt macht es fast was ich will!!!
und am ende:
... so jetzt werdet ihr euch sicherlich fragen: "warum sieht das am ende beschissener als am anfang aus?" ... weil ich ne halbe stunde rumexperimentiert hab ob ich die schweißnaht ohne weiteres zuführen von zusatzmaterial perfekt glatt bekomme und frei von löchern. also ich hab mir quasi gesagt: "so, stell dir vor das ist dein richtiger auspuff und du musst jetzt alle löcher zukriegen sonst kannste ihn wegschmeißen".
diese lektion hat mir auch viel gebracht, ich kann jetzt nämlich fragen stellen:
1. welche stronstärke von den 20 bis 80 A ist für "normales standard auspuff metall" denn eine mittlere stromstärke? anfangs hab ich nur 30 A und irgendwann gemerkt, dass das zusatzmaterial zwar fröhlich wegschmilzt aber das werkstück sich dafür überhauptnicht interessiert sprich es ist nicht geschmolzen. die ganzen schweißnähte die man sieht sind mit ca 50 A entstanden, ist das zu viel oder zu wenig?
2. welche gasmenge ist ein mittlerer wert? ich kann wie gesagt von 0 bis 30 liter pro minute einstellen. ich hab die ganze zeit mit ca 15 gearbeitet, hatte dann aber das gefühl, dass es mit etwas weniger vielleicht ein bißchen besser geht. es wäre sehr wichtig da mal nen tipp zu kriegen: vielleicht kühle ich mir ja mit viel zu viel gas meine schweißnaht so stark dass es nichts wird? oder ich verwende viel zu wenig, denn ich hatte am ende das gefühl, dass die elektrode sich auch ohne berühren des werkstücks / des zusatzmaterials sich schnell rund brennt.
3. das hautproblem welches ich noch habe sind kleine löcher von ca 1/3mm oder so, die die schweißnaht übersähen. deshalb ist die letzte stelle auf dem bild auch so groß geworden: ich wollte schauen, ob ich durch vorsichtiges anschmelzen der naht und des werkstückes bewirken kann, dass das material in die löcher läuft und sie verschließt. ich weiß nicht ob ich das durch die beschränkte sicht die man beim schweißen nunmal hat richtig gesehen habe, aber mir kam es so vor, als würde das material wenn ich mit dem lichtbogen drüber bin zwar brav in die löcher laufen, aber wenn ich ihn entferne wieder wegfließen sodass sie immer noch da sind. wovon kommen diese löcher? ich könnte sie zwar durch mehr zusatzmaterial zu bekommen, ich möchte aber lernen mit so wenig zusatzmaterial wie nur möglich zu schweißen.
4. wie gesagt scheint die elektrode sich auch rund zu brennen ohne dass ich irgendwas berühre. kann das sein oder bilde ich mir das nur ein und berühre doch das metall? ursache ist was? kann es an zu großem oder zu kleinem abstand liegen? wenn ja, eher an zu großem oder eher an zu kleinem? oder sind die 50 A einfach zu viel? oder was?
5. welche abstand ist der richtige? bis auf 2-3 milimeter krieg ich hin ohne berühren glaub ich. aber in den videos von MSS wurde glaube ich mal gesagt dass ein eher größerer abstand das werkstück besser schmilzen lässt. aber zu groß ist ja wahrscheinlich auch nicht gut und ich könnte mir vorstellen dass die löcher durch zu großen oder zu geringen enstehen. oder durch zu langsames bewegen der elektrode...
... so, ich glaube das sind erst mal genug fragen. ich denke wenn ich mal eins-zwei der variablen parameter, insbesondere die stromstärke und die gasmenge, auf ihren richtigen wert fixiert hab dann gibt es auch nicht mehr so viele fehlerquellen die sich gegenseitig beeinflussen und die fragen werden weniger
(6. wie viel druck soll ich noch auf der argon flasche lassen bevor ich zum auffüllen gehe?)
mein fazit: ich kann nur jedem empfehlen sich gleich ein wig schweißgerät zu holen, es macht riesen spaß. man kann das material wirklich gezielt in kleinstmengen zuführen und auch wenn man das anhand der fotos nicht glaubt, so ist es einem schon nach ein paar stunden üben möglich, schweißnähte fast ohne zusatzmaterial zu fabrizieren wen man geduldig ist mit dem zusatzmaterial, das schmilzt nämlich sau schnell und dann hat man direkt riesen klumpen da hängen und ich bin eher eine ungeduldige natur. wenn ich mich zusmmengerissen hätte wäre es glaube ich schon so geworden dass man zufrieden sein könnte
danke für's zuhören & grüße, leo

