Karmann - wie geht es weiter?, Stand: Juni 2008
Verfasst: Mi 11. Jun 2008, 01:50
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung.
Wirtschaft 10.06.2008
-
Betriebsrat will sich nicht querlegen
mey Osnabrück.
107 Jahre nach der Gründung des Osnabrücker Cabrioherstellers Karmann denken Enkel und Urenkel des Firmengründers Wilhelm Karmann angesichts ausbleibender Aufträge im Fahrzeugbau über einen Verkauf des Unternehmens nach.
Diese für die meisten Betroffenen und Beobachter wenig überraschende Nachricht „verkaufte“ das in Düsseldorf erscheinende „Handelsblatt“ gestern auf seiner Titelseite in etwas reißerischer Aufmachung. „Karmann stellt sich zum Verkauf“, war dort über einem Foto von Miteigentümer Wilhelm Dietrich Karmann am Steuer eines offenen Cabrios zu lesen. Im Text klang die Nachricht dann schon etwas weniger spektakulär. Dort wurde ein Sprecher der Gesellschafter mit den Worten zitiert: „Die Familie prüft alle strategischen Optionen.“ Allerdings schrieb die Zeitung, dass Gespräche mit möglichen Interessenten bereits liefen und die Eigentümer die Frankfurter Investmentspezialisten vom Bankhaus Rothschild und von Georgieff Capital als Berater eingeschaltet hätten.
Ein Sprecher der Unternehmensgruppe Karmann bestätigte gestern im Kern diese Darstellung. „Die Gesellschafter haben der Geschäftsführung mitgeteilt, dass sie alle strategischen Optionen zur Zukunftssicherung prüfen“, sagte er unserer Zeitung. Dies sei schon vor einiger Zeit geschehen. Nicht korrekt sei indes der vom „Handelsblatt“ erweckte Eindruck, eine Entscheidung könne bereits im Juli fallen.
Für den Betriebsrat wäre ein möglicher Verkauf von Karmann für sich genommen kein Desaster, wie dessen Vorsitzender Wolfram Smolinski erläuterte. Wenn durch einen finanzstarken Investor die Arbeitsplätze sicherer würden, werde sich die Arbeitnehmerschaft „nicht querstellen“, sagte er. Allerdings könne der Erwerb von Karmann durch einen solchen Investor, der nach seiner Meinung nur aus dem asiatischen Raum kommen kann, in der deutschen Autoindustrie ein böses Erwachen auslösen. Dieses Entstehen eines Konkurrenten mit dem nötigen Know-how wäre dann aber die Konsequenz aus dem Ausbleiben neuer Fahrzeugaufträge heimischer Hersteller für Karmann, warnte Smolinski.
Bis Ende Juni will die Karmann-Geschäftsführung nach früheren Angaben noch um neue Fahrzeugaufträge kämpfen. Danach droht das Aus für die Sparte und laut IG Metall der Abbau von weiteren 1000 Arbeitsplätzen über die bereits bis Frühjahr 2009 geplante Streichung von mehr als 1000 Stellen in Osnabrück und Rheine hinaus. In den Sparten Dachsysteme und Technische Entwicklung ist Karmann nach eigenen Angaben gut bis sehr gut ausgelastet. Das Unternehmen wäre „auch ohne Fahrzeugbau tragfähig“, zitierte das „Handelsblatt“ einen Familiensprecher.
Die Nachfahren von Firmengründer Wilhelm Karmann gliedern sich in die Familienstämme Battenfeld, Boll und Karmann. Von den neun Gesellschaftern gehört allein Wilhelm Dietrich Karmann der aktuellen Geschäftsführung an und ist dort für die Finanzen verantwortlich.
Über Verkaufsabsichten der Eigentümer ist in den letzten Wochen bei Karmann verstärkt spekuliert worden, nachdem mehrere ausländische Delegationen das Stammwerk in Osnabrück besucht hatten. Zuletzt hatte es Gäste aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gegeben, die als finanzstark gelten.
Im vergangenen Jahr musste Karmann wegen geringerer Stückzahlen im Fahrzeugbau einen Umsatzrückgang hinnehmen. Der Umsatz der Gruppe blieb mit 1,5 Milliarden Euro um 16 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres.
Im letzten Jahr liefen bei Karmann in den Werken Osnabrück und Rheine zusammen noch 41666 Fahrzeuge vom Band nach 48120 im Jahr 2006.
Wirtschaft 10.06.2008
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Betriebsrat will sich nicht querlegen
mey Osnabrück.
107 Jahre nach der Gründung des Osnabrücker Cabrioherstellers Karmann denken Enkel und Urenkel des Firmengründers Wilhelm Karmann angesichts ausbleibender Aufträge im Fahrzeugbau über einen Verkauf des Unternehmens nach.
Diese für die meisten Betroffenen und Beobachter wenig überraschende Nachricht „verkaufte“ das in Düsseldorf erscheinende „Handelsblatt“ gestern auf seiner Titelseite in etwas reißerischer Aufmachung. „Karmann stellt sich zum Verkauf“, war dort über einem Foto von Miteigentümer Wilhelm Dietrich Karmann am Steuer eines offenen Cabrios zu lesen. Im Text klang die Nachricht dann schon etwas weniger spektakulär. Dort wurde ein Sprecher der Gesellschafter mit den Worten zitiert: „Die Familie prüft alle strategischen Optionen.“ Allerdings schrieb die Zeitung, dass Gespräche mit möglichen Interessenten bereits liefen und die Eigentümer die Frankfurter Investmentspezialisten vom Bankhaus Rothschild und von Georgieff Capital als Berater eingeschaltet hätten.
Ein Sprecher der Unternehmensgruppe Karmann bestätigte gestern im Kern diese Darstellung. „Die Gesellschafter haben der Geschäftsführung mitgeteilt, dass sie alle strategischen Optionen zur Zukunftssicherung prüfen“, sagte er unserer Zeitung. Dies sei schon vor einiger Zeit geschehen. Nicht korrekt sei indes der vom „Handelsblatt“ erweckte Eindruck, eine Entscheidung könne bereits im Juli fallen.
Für den Betriebsrat wäre ein möglicher Verkauf von Karmann für sich genommen kein Desaster, wie dessen Vorsitzender Wolfram Smolinski erläuterte. Wenn durch einen finanzstarken Investor die Arbeitsplätze sicherer würden, werde sich die Arbeitnehmerschaft „nicht querstellen“, sagte er. Allerdings könne der Erwerb von Karmann durch einen solchen Investor, der nach seiner Meinung nur aus dem asiatischen Raum kommen kann, in der deutschen Autoindustrie ein böses Erwachen auslösen. Dieses Entstehen eines Konkurrenten mit dem nötigen Know-how wäre dann aber die Konsequenz aus dem Ausbleiben neuer Fahrzeugaufträge heimischer Hersteller für Karmann, warnte Smolinski.
Bis Ende Juni will die Karmann-Geschäftsführung nach früheren Angaben noch um neue Fahrzeugaufträge kämpfen. Danach droht das Aus für die Sparte und laut IG Metall der Abbau von weiteren 1000 Arbeitsplätzen über die bereits bis Frühjahr 2009 geplante Streichung von mehr als 1000 Stellen in Osnabrück und Rheine hinaus. In den Sparten Dachsysteme und Technische Entwicklung ist Karmann nach eigenen Angaben gut bis sehr gut ausgelastet. Das Unternehmen wäre „auch ohne Fahrzeugbau tragfähig“, zitierte das „Handelsblatt“ einen Familiensprecher.
Die Nachfahren von Firmengründer Wilhelm Karmann gliedern sich in die Familienstämme Battenfeld, Boll und Karmann. Von den neun Gesellschaftern gehört allein Wilhelm Dietrich Karmann der aktuellen Geschäftsführung an und ist dort für die Finanzen verantwortlich.
Über Verkaufsabsichten der Eigentümer ist in den letzten Wochen bei Karmann verstärkt spekuliert worden, nachdem mehrere ausländische Delegationen das Stammwerk in Osnabrück besucht hatten. Zuletzt hatte es Gäste aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gegeben, die als finanzstark gelten.
Im vergangenen Jahr musste Karmann wegen geringerer Stückzahlen im Fahrzeugbau einen Umsatzrückgang hinnehmen. Der Umsatz der Gruppe blieb mit 1,5 Milliarden Euro um 16 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres.
Im letzten Jahr liefen bei Karmann in den Werken Osnabrück und Rheine zusammen noch 41666 Fahrzeuge vom Band nach 48120 im Jahr 2006.