Staatlicher Zwang Super Plus zu tanken
Verfasst: Do 6. Dez 2007, 20:34
Passt doch zu unsrem Ethanol-Thread.
Der Benzinpreis schlägt alle Rekorde, jeder Stopp an der Tankstelle reißt inzwischen ein dickes Loch ins Privatbudget. Und es könnte für viele Autofahrer in Deutschland noch schlimmer kommen. Diesmal nicht wegen des steigenden Rohölpreises, sondern weil sie zum Umstieg auf teures Super Plus gezwungen werden. Mit Billigung des Staates.
Worum gehts? Die Bundesregierung hat sich 2006 mit einem »Biokraftstoffquotengesetz« ehrgeizige Ziele gesteckt: Die Gesamtmenge des in Deutschland abgesetzten Kraftstoffs muss ab 2009 einen 6,25-prozentigen Biosprit-Anteil haben. Diese Quote soll dann binnen sechs Jahren auf acht Prozent steigen. Um dieses nationale Ziel zu erreichen, muss handelsüblichem Otto-Kraftstoff mehr Ethanol aus Biomasse (Bioethanol) beigemischt werden.
Ein »Runder Tisch Biokraftstoffe«, bestehend aus Bundesumweltministerium, Bundeslandwirtschaftsministerium, Autoindustrie und Mineralölwirtschaft, einigte sich im Vorgriff auf das Datum 2009 darauf, dem in Deutschland verkauften Otto-Kraftstoff künftig zehn Volumenprozent Biosprit beizumischen. Und hier beginnt das Problem: Die in Deutschland zugelassenen Autos wurden für maximal fünf Prozent Bioethanol entwickelt, wie es die geltende Kraftstoffnorm vorsieht. Nur wenige Pkw sind bereits für Treibstoff mit zehnprozentigem Biosprit-Anteil (»E10«) zugelassen, so neuere VW-Modelle und Fahrzeuge von Porsche, Saab, Toyota, Volvo und Peugeot. Sprich: Millionen von Pkw haben seitens der Hersteller keine Freigabe für einen Kraftstoff mit höherem Bioethanol-Anteil – und werden sie in vielen Fällen auch nicht nachträglich bekommen, weil Ethanol je nach Konstruktionsweise Aluminium-Komponenten im Motor angreifen kann.
Dies erkannten auch die Teilnehmer des »Runden Tischs« und ersannen eine Lösung des Problems: Für alle nicht freigegebenen Autos müsse es auch in Zukunft einen Kraftstoff mit nur fünf Volumenprozent Biosprit (»E5«) geben. Als solchen werde man ein entsprechendes Super Plus anbieten.
Im Klartext: Wer kein Risiko eingehen will, muss zu der Premium-Sorte mit geringerem Ethanol-Anteil greifen – und dafür je Liter bis zu 15 Cent mehr berappen. Eine Lösung, die jedem Teilnehmer des »Runden Tischs« gefallen muss: Die Autoindustrie freut sich über stärkeren Druck zum Neuwagenkauf, die Mineralölwirtschaft über eine Beflügelung des Super-Plus-Absatzes (der bisher bei drei Prozent Marktanteil vor sich hindümpelt), Umwelt- und Landwirtschaftsminister über die Erreichung von Umweltzielen und noch mehr Absatzchancen für Energiepflanzen.
Mehr Umweltschutz beim Autofahren, CO 2 -Reduktion durch höheren Biosprit-Anteil – dafür spricht sich auch der ADAC aus. Was aber nicht sein darf, ist ein Zwang, dass viele Autofahrer die teuerste Kraftstoffsorte tanken müssen, obwohl sie in Wirklichkeit nur Normalbenzin oder Super brauchen. Deshalb die Forderung des Clubs: Für alle Fahrzeuge, die nicht E10-kompatibel sind, muss es weiterhin E5-Kraftstoff als Normal und Super geben. Und zwar zu Preisen, die nicht künstlich angehoben wurden.
Die Autohersteller wollen die Eignung ihrer Modelle für E10 bis Ende 2008 prüfen. Klar ist aber schon jetzt: Eine große Masse von Fahrzeugen wird dafür keinen Freibrief bekommen. Übrigens: Bei Diesel soll der Bioanteil ebenfalls erhöht werden – auf sieben Volumenprozent. Die nötigen Herstellerfreigaben stehen noch aus. Und auch dies wird den Sprit verteuern. CCE .
Quelle:
ADAC Motorwelt Ausgabe 12/07 Seite 40f
Meint ihr unsren Motoren macht eine erhöhte Menge Ethanol im Sprit was aus?
Ich kann mcih immer wieder über die Leute an der Spitze aufregen
Gruß Oliver