Grabenkämpfe in der Firma
Verfasst: Sa 21. Apr 2007, 12:02
Hallo,
mich würde mal interessieren, welche Erfahrungen ihr mit Intrigen und Grabenkämpfen in Firmen habt.
Das Schlimmste was ich je erlebte waren die drei Jahre 2000-2003 bei der Philips GmbH in Krefeld, die inzwischen aufgekauft und vom neuen Investor geschlossen wurde. Vor allem das letzte Jahr. Wir waren rund 50 Ingenieure und 300 Beschäftigte in der Produktion. Als bekannt wurde, dass nicht alle übernommen werden fingen die Kollegen an sich untereinander fertig zu machen, sog "Platzhirsche", die sich für unersetzlich hielten mobbten jene, die ihre Ansicht nach leistungsschwach waren, es bildeten sich Cliquen innerhalb der Firma und es wurden Sündenböcke gesucht. Vor allem wurde geklaut: Digitalkameras, Messgeräte, teure Teile der Produktionsautomaten mehrmals war die Polizei da.
Ich erinere mich noch sehr genau daran, dass ich wochenlang zur Arbeit ging und die 8 Stunden absass oder mit sinnlosen Tätigkeiten verbrachte.
Man musste aufpassen was man den Kollegen sagte, denn es fand seltsamerweise alles den Weg zum Chef, in der Belegschaft sassen Informanten, die wirklich alles weitertrugen. Der neue Chef, das war ein sehr gut aussehender Jung-Manager, geschniegelt, perfekt im Auftreten und eiskalt in seinen Entscheidungen, Workaholic, nie vor abends 20 Uhr aus der Firma gehend. War man erstmal auf dem "Kieker" war es aus, plötzlich wurde dann von allen Seiten geschossen. Unsere Sekretärin wurde vom neuen Chef total fertig gemacht, einmal lief sie tränenüberströmt nach Hause, jeder sah es, wusste es aber alle schwiegen nur, bloss nicht ins Schussfeld kommen. Ich fragte mich allen Ernstes ob die spinnen oder ob ich ne Macke habe.
Schliesslich gabs dann eine Abmahnung (es gab wöchentlich eine) und ich zog einen Rechtsanwalt hinzu, der diese anfocht. Danach war alles aus, mein Chef setzte alles dran mich zur Kündigung zu bewegen und wenn man wochenlang so einem Psychoterror ausgesetzt ist, jeden Morgen dorthin zu müssen, wo man nicht mehr gern gesehen ist und wo sowieso nichts zu tun ist wird man irgendwann mürbe, ich hatte damals durch die dauernde Sorge um den Arbeitsplatz fast 5 Kilo verloren. Als die Kündigung für mich und andere kam gings dann nochmal vor Gericht, um die Abfindung einzuklagen, ich gewann den Prozess vor dem Arbeitsgericht und bekam als Quittung ein grottenschlechtes Zeugnis, das ich nur deshalb nicht anfocht, weil ich meine Ruhe vor dem Laden haben wollte.
Vor gut zwei Wochen traf ich meinen alten Gruppenleiter wieder in der Stadt, der so tat als wäre nichts gewesen, dabei hatte er kräftig mitgewirkt am Kegeln der Leute, er hatte mich auf die Liste der zu kündigenden Mitarbeiter gesetzt. "Hallo Christian, lange nicht gesehen! Wie gehts denn so?" "Mir gehts besser, wenn SIE gleich aus meinem Blickfeld verschwunden sind Herr G." Manchmal deckt die Zeit ja einiges zu, man sieht über vieles hinweg aber in diesem Falle nicht.
Sowas wie dort habe ich glücklicherweise nie wieder erlebt, lebe heute in einem sehr angenehmen Betriebsklima, kann offen mit Kollegen reden ohne Sorgen zu haben, dass es beim Chef gegen mich verwendet werden kann. Am Schlimmsten war die Feststellung damals, dass selbst die "besten Kollegen" plötzlich zu knallharten Konkurrenten wurden.
Beitrag bearbeitet (21.04.07 13:09)
mich würde mal interessieren, welche Erfahrungen ihr mit Intrigen und Grabenkämpfen in Firmen habt.
Das Schlimmste was ich je erlebte waren die drei Jahre 2000-2003 bei der Philips GmbH in Krefeld, die inzwischen aufgekauft und vom neuen Investor geschlossen wurde. Vor allem das letzte Jahr. Wir waren rund 50 Ingenieure und 300 Beschäftigte in der Produktion. Als bekannt wurde, dass nicht alle übernommen werden fingen die Kollegen an sich untereinander fertig zu machen, sog "Platzhirsche", die sich für unersetzlich hielten mobbten jene, die ihre Ansicht nach leistungsschwach waren, es bildeten sich Cliquen innerhalb der Firma und es wurden Sündenböcke gesucht. Vor allem wurde geklaut: Digitalkameras, Messgeräte, teure Teile der Produktionsautomaten mehrmals war die Polizei da.
Ich erinere mich noch sehr genau daran, dass ich wochenlang zur Arbeit ging und die 8 Stunden absass oder mit sinnlosen Tätigkeiten verbrachte.
Man musste aufpassen was man den Kollegen sagte, denn es fand seltsamerweise alles den Weg zum Chef, in der Belegschaft sassen Informanten, die wirklich alles weitertrugen. Der neue Chef, das war ein sehr gut aussehender Jung-Manager, geschniegelt, perfekt im Auftreten und eiskalt in seinen Entscheidungen, Workaholic, nie vor abends 20 Uhr aus der Firma gehend. War man erstmal auf dem "Kieker" war es aus, plötzlich wurde dann von allen Seiten geschossen. Unsere Sekretärin wurde vom neuen Chef total fertig gemacht, einmal lief sie tränenüberströmt nach Hause, jeder sah es, wusste es aber alle schwiegen nur, bloss nicht ins Schussfeld kommen. Ich fragte mich allen Ernstes ob die spinnen oder ob ich ne Macke habe.
Schliesslich gabs dann eine Abmahnung (es gab wöchentlich eine) und ich zog einen Rechtsanwalt hinzu, der diese anfocht. Danach war alles aus, mein Chef setzte alles dran mich zur Kündigung zu bewegen und wenn man wochenlang so einem Psychoterror ausgesetzt ist, jeden Morgen dorthin zu müssen, wo man nicht mehr gern gesehen ist und wo sowieso nichts zu tun ist wird man irgendwann mürbe, ich hatte damals durch die dauernde Sorge um den Arbeitsplatz fast 5 Kilo verloren. Als die Kündigung für mich und andere kam gings dann nochmal vor Gericht, um die Abfindung einzuklagen, ich gewann den Prozess vor dem Arbeitsgericht und bekam als Quittung ein grottenschlechtes Zeugnis, das ich nur deshalb nicht anfocht, weil ich meine Ruhe vor dem Laden haben wollte.
Vor gut zwei Wochen traf ich meinen alten Gruppenleiter wieder in der Stadt, der so tat als wäre nichts gewesen, dabei hatte er kräftig mitgewirkt am Kegeln der Leute, er hatte mich auf die Liste der zu kündigenden Mitarbeiter gesetzt. "Hallo Christian, lange nicht gesehen! Wie gehts denn so?" "Mir gehts besser, wenn SIE gleich aus meinem Blickfeld verschwunden sind Herr G." Manchmal deckt die Zeit ja einiges zu, man sieht über vieles hinweg aber in diesem Falle nicht.
Sowas wie dort habe ich glücklicherweise nie wieder erlebt, lebe heute in einem sehr angenehmen Betriebsklima, kann offen mit Kollegen reden ohne Sorgen zu haben, dass es beim Chef gegen mich verwendet werden kann. Am Schlimmsten war die Feststellung damals, dass selbst die "besten Kollegen" plötzlich zu knallharten Konkurrenten wurden.
Beitrag bearbeitet (21.04.07 13:09)