Karmann - aktuell :-(
Verfasst: Do 17. Mär 2005, 18:44
Quelle: Internetinfo der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 17. März 2005; Auszug aus dem gedruckten Text der Ausgabe vom selben Tag
Wirtschaft 17.03.2005 14:27
Cabrio-Bauer Karmann will 350 Arbeitsplätze streichen
Vorwiegend jüngere Mitarbeiter müssen Karmann verlassen.
Osnabrück (dpa) - Europas größte Cabrio-Schmiede Karmann will wegen sinkender Nachfrage 350 Stellen am Standort Osnabrück streichen. 250 vorwiegend jüngeren Mitarbeitern werde betriebsbedingt gekündigt, sagte Sprecher Christian Eick.
Rund 100 Beschäftigte erhielten eine Altersregelung zur Kündigung, wonach die Differenz zwischen dem bisherigen Nettoeinkommen und dem Arbeitslosengeld für bis zu 32 Monate ausgeglichen wird. Auch Kurzarbeit für mehr als 2000 Beschäftigte sei vom 30. Juni an für ein Jahr geplant. Mit den Angaben bestätigte Eick einen Bericht der «Neuen Osnabrücker Zeitung».
Zudem will Karmann die Wochenarbeitszeit im Fahrzeugbau von April bis Juni von 35 auf 27,5 Stunden verkürzen. Die Einkommenseinbußen von etwa 2500 Arbeitern beliefen sich auf im Schnitt 21 Prozent des bisherigen Bruttolohns. Die Angestellten sollen in dem Zeitraum 10 Prozent weniger arbeiten.
Die Kapazität am Standort bleibe so erhalten, betonte Eick. «Wir sind jederzeit bereit, bei einem Anspringen der Konjunktur auf den alten Stand zu kommen.» Insgesamt 5823 Mitarbeiter seien in Osnabrück beschäftigt. Der Standort Rheine in Nordrhein-Westfalen sei nicht betroffen.
Der Stellenabbau sei notwendig, weil die Cabriomodelle Mercedes CLK, Audi A4 und Chrysler Crossfire den «Produktionsgipfel» überschritten hätten, sagte Eick. Zwar habe Karmann 2004 rund 94 000 Autos hergestellt - nach 73 000 im Vorjahr. «Aber Rekorde haben nun mal die Eigenschaft, nicht immer wiederholt werden zu können», erklärte der Sprecher.
Zudem belaste der teure Euro das Unternehmen - rund die Hälfte der Autos aus Osnabrück gingen in den Dollarraum. Der Betriebsratsvorsitzende Harald Klausing sagte, es sei eine Atempause bis 2006 gewonnen. Nach Betriebsratsangaben wären theoretisch sogar 800 Stellen bedroht gewesen. Ende 2004 hatte Karmann bereits den Abbau von 120 Stellen im Betriebsmittelbau bekannt gegeben und die Verträge von 770 befristet Beschäftigten vorzeitig gekündigt.
Wirtschaft 17.03.2005
Karmann: Wir kämpfen für Standort Osnabrück
Von Uwe Westdörp
Osnabrück, 16. 3.
Entlassungen, verkürzte Arbeitszeiten, Lohneinbußen und schließlich Kurzarbeit: Der Abstieg vom Produktionsgipfel zwingt den Cabriospezialisten Karmann zu einschneidenden Personalmaßnahmen im Stammwerk Osnabrück. Das Unternehmen hofft, so für viele Beschäftigte eine "Brücke in die Zukunft" bauen zu können. Für nicht wenige ist es freilich eine Zukunft ohne Karmann.
Denn 250 vorwiegend jüngeren Mitarbeitern wird betriebsbedingt gekündigt. Für weitere "etwa 100" Beschäftigte, so Betriebsrat und Geschäftsführung am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung, sei eine Altersregelung gefunden worden. Auch sie erhalten Kündigungen, werden aber nach Darstellung des Betriebsrates von einem besonderen Sozialplan profitieren: Dieser sehe unter anderem vor, die Differenz zwischen Arbeitslosengeld und dem bisherigen Nettoeinkommen auszugleichen, und zwar für "bis zu 32 Monate". Zudem solle es als Ausgleich für Rentenverluste einmalige Abfindungen geben.
"Die Einschnitte sind schmerzlich, wir haben aber gemeinsam einen tragbaren Weg gefunden", meinte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Bernd Lieberoth-Leden. Beide Betriebsparteien hoben zudem hervor, dass es durch zusätzliche Arbeitszeitregelungen gelungen sei, die Zahl der Entlassungen unter den Ende Februar 5832 Beschäftigten in Osnabrück "auf ein Minimum zu beschränken". Theoretisch drohten nach Darstellung des Betriebsrates bis zu 800 Kündigungen.
Um dies zu verhindern, wurde eine "Beschäftigungsbrücke" vereinbart. Danach wird die Arbeitszeit in den Monaten April, Mai und Juni im gewerblichen Bereich des Fahrzeugbaus und in angrenzenden Bereichen von 35 auf 27,5 Wochenstunden verkürzt. Die entsprechenden Einkommenseinbußen belaufen sich laut Geschäftsführung auf durchschnittlich 21 Prozent des bisherigen Bruttolohns. Betroffen davon seien etwa 2500 Mitarbeiter, hieß es. Die Angestellten sollen in derselben Zeit zehn Prozent kürzer arbeiten - ebenfalls bei deutlichen Gehaltseinbußen.
An diese Zeit der Einkommenseinbußen schließt sich eine Phase der Kurzarbeit für mehr als 2000 Beschäftigte im gewerblichen Bereich an. Sie soll nach dem vom Betriebsrat und Geschäftsführzung unterzeichneten "Interessenausgleich" am 1. Juli beginnen und bis zum 30. 6. 2006, also ein Jahr lang, dauern. Dies wird, wie es hieß, mit sieben bis acht Prozent Einbußen beim Bruttolohn verbunden sein.
Insgesamt, so betonten beide Seiten, gewinne Karmann somit 15 Monate Zeit, "die Kapazitätsanpassungen möglichst sozialverträglich zu lösen". Lieberoth-Leden erläuterte, Karmann befinde sich in einer "schwierigen Situation". Er erklärte die Personalmaßnahmen mit den üblichen Lebens- und Absatzzyklen von Automobilen. Er spielte damit darauf an, dass die noch im letzten Jahr stark nachgefragten Modelle Audi A4 Cabrio, Mercedes CLK Cabrio und Chrysler Crossfire alle fast gleichzeitig ihren Produktionsgipfel überschritten haben, auch wenn sie sich weiter "hervorragend" verkauften. Zudem wirkten sich gestiegene Rohstoffkosten und die Schwäche des Dollars aus: "Das Vergnügen am Export ist deshalb nicht mehr so groß", sagte Lieberoth-Leden.
Er betonte zugleich aber auch, dass Karmann als Hersteller von Nischenfahrzeugen hochspezialisiert und ein attraktiver Partner für die Automobilwirtschaft sei. Auch hinsichtlich der Herstellungskosten habe das Osnabrücker Unternehmen "in aller Regel die Nase vorn".
Firmensprecher Christian Eick ergänzte, allein in Deutschland würden jährlich rund 150000 Cabriolets nachgefragt. Der Marktanteil steige ständig: Im Jahr 2001 seien es 3,5 Prozent gewesen, im Jahr 2003 bereits 4,5 Prozent - und für das laufende Jahr werde ein Wert von 6,5 Prozent prognostiziert.
Wie Lieberoth-Leden zeigten sich auch Eick überzeugt, dass Karmann in diesem Markt gut aufgestellt ist und ihn auch künftig von Osnabrück aus bedienen wird. "Wir kämpfen für den Standort Osnabrück", versicherte die Geschäftsführung.
Wirtschaft 17.03.2005 14:27
Cabrio-Bauer Karmann will 350 Arbeitsplätze streichen
Vorwiegend jüngere Mitarbeiter müssen Karmann verlassen.
Osnabrück (dpa) - Europas größte Cabrio-Schmiede Karmann will wegen sinkender Nachfrage 350 Stellen am Standort Osnabrück streichen. 250 vorwiegend jüngeren Mitarbeitern werde betriebsbedingt gekündigt, sagte Sprecher Christian Eick.
Rund 100 Beschäftigte erhielten eine Altersregelung zur Kündigung, wonach die Differenz zwischen dem bisherigen Nettoeinkommen und dem Arbeitslosengeld für bis zu 32 Monate ausgeglichen wird. Auch Kurzarbeit für mehr als 2000 Beschäftigte sei vom 30. Juni an für ein Jahr geplant. Mit den Angaben bestätigte Eick einen Bericht der «Neuen Osnabrücker Zeitung».
Zudem will Karmann die Wochenarbeitszeit im Fahrzeugbau von April bis Juni von 35 auf 27,5 Stunden verkürzen. Die Einkommenseinbußen von etwa 2500 Arbeitern beliefen sich auf im Schnitt 21 Prozent des bisherigen Bruttolohns. Die Angestellten sollen in dem Zeitraum 10 Prozent weniger arbeiten.
Die Kapazität am Standort bleibe so erhalten, betonte Eick. «Wir sind jederzeit bereit, bei einem Anspringen der Konjunktur auf den alten Stand zu kommen.» Insgesamt 5823 Mitarbeiter seien in Osnabrück beschäftigt. Der Standort Rheine in Nordrhein-Westfalen sei nicht betroffen.
Der Stellenabbau sei notwendig, weil die Cabriomodelle Mercedes CLK, Audi A4 und Chrysler Crossfire den «Produktionsgipfel» überschritten hätten, sagte Eick. Zwar habe Karmann 2004 rund 94 000 Autos hergestellt - nach 73 000 im Vorjahr. «Aber Rekorde haben nun mal die Eigenschaft, nicht immer wiederholt werden zu können», erklärte der Sprecher.
Zudem belaste der teure Euro das Unternehmen - rund die Hälfte der Autos aus Osnabrück gingen in den Dollarraum. Der Betriebsratsvorsitzende Harald Klausing sagte, es sei eine Atempause bis 2006 gewonnen. Nach Betriebsratsangaben wären theoretisch sogar 800 Stellen bedroht gewesen. Ende 2004 hatte Karmann bereits den Abbau von 120 Stellen im Betriebsmittelbau bekannt gegeben und die Verträge von 770 befristet Beschäftigten vorzeitig gekündigt.
Wirtschaft 17.03.2005
Karmann: Wir kämpfen für Standort Osnabrück
Von Uwe Westdörp
Osnabrück, 16. 3.
Entlassungen, verkürzte Arbeitszeiten, Lohneinbußen und schließlich Kurzarbeit: Der Abstieg vom Produktionsgipfel zwingt den Cabriospezialisten Karmann zu einschneidenden Personalmaßnahmen im Stammwerk Osnabrück. Das Unternehmen hofft, so für viele Beschäftigte eine "Brücke in die Zukunft" bauen zu können. Für nicht wenige ist es freilich eine Zukunft ohne Karmann.
Denn 250 vorwiegend jüngeren Mitarbeitern wird betriebsbedingt gekündigt. Für weitere "etwa 100" Beschäftigte, so Betriebsrat und Geschäftsführung am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung, sei eine Altersregelung gefunden worden. Auch sie erhalten Kündigungen, werden aber nach Darstellung des Betriebsrates von einem besonderen Sozialplan profitieren: Dieser sehe unter anderem vor, die Differenz zwischen Arbeitslosengeld und dem bisherigen Nettoeinkommen auszugleichen, und zwar für "bis zu 32 Monate". Zudem solle es als Ausgleich für Rentenverluste einmalige Abfindungen geben.
"Die Einschnitte sind schmerzlich, wir haben aber gemeinsam einen tragbaren Weg gefunden", meinte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Bernd Lieberoth-Leden. Beide Betriebsparteien hoben zudem hervor, dass es durch zusätzliche Arbeitszeitregelungen gelungen sei, die Zahl der Entlassungen unter den Ende Februar 5832 Beschäftigten in Osnabrück "auf ein Minimum zu beschränken". Theoretisch drohten nach Darstellung des Betriebsrates bis zu 800 Kündigungen.
Um dies zu verhindern, wurde eine "Beschäftigungsbrücke" vereinbart. Danach wird die Arbeitszeit in den Monaten April, Mai und Juni im gewerblichen Bereich des Fahrzeugbaus und in angrenzenden Bereichen von 35 auf 27,5 Wochenstunden verkürzt. Die entsprechenden Einkommenseinbußen belaufen sich laut Geschäftsführung auf durchschnittlich 21 Prozent des bisherigen Bruttolohns. Betroffen davon seien etwa 2500 Mitarbeiter, hieß es. Die Angestellten sollen in derselben Zeit zehn Prozent kürzer arbeiten - ebenfalls bei deutlichen Gehaltseinbußen.
An diese Zeit der Einkommenseinbußen schließt sich eine Phase der Kurzarbeit für mehr als 2000 Beschäftigte im gewerblichen Bereich an. Sie soll nach dem vom Betriebsrat und Geschäftsführzung unterzeichneten "Interessenausgleich" am 1. Juli beginnen und bis zum 30. 6. 2006, also ein Jahr lang, dauern. Dies wird, wie es hieß, mit sieben bis acht Prozent Einbußen beim Bruttolohn verbunden sein.
Insgesamt, so betonten beide Seiten, gewinne Karmann somit 15 Monate Zeit, "die Kapazitätsanpassungen möglichst sozialverträglich zu lösen". Lieberoth-Leden erläuterte, Karmann befinde sich in einer "schwierigen Situation". Er erklärte die Personalmaßnahmen mit den üblichen Lebens- und Absatzzyklen von Automobilen. Er spielte damit darauf an, dass die noch im letzten Jahr stark nachgefragten Modelle Audi A4 Cabrio, Mercedes CLK Cabrio und Chrysler Crossfire alle fast gleichzeitig ihren Produktionsgipfel überschritten haben, auch wenn sie sich weiter "hervorragend" verkauften. Zudem wirkten sich gestiegene Rohstoffkosten und die Schwäche des Dollars aus: "Das Vergnügen am Export ist deshalb nicht mehr so groß", sagte Lieberoth-Leden.
Er betonte zugleich aber auch, dass Karmann als Hersteller von Nischenfahrzeugen hochspezialisiert und ein attraktiver Partner für die Automobilwirtschaft sei. Auch hinsichtlich der Herstellungskosten habe das Osnabrücker Unternehmen "in aller Regel die Nase vorn".
Firmensprecher Christian Eick ergänzte, allein in Deutschland würden jährlich rund 150000 Cabriolets nachgefragt. Der Marktanteil steige ständig: Im Jahr 2001 seien es 3,5 Prozent gewesen, im Jahr 2003 bereits 4,5 Prozent - und für das laufende Jahr werde ein Wert von 6,5 Prozent prognostiziert.
Wie Lieberoth-Leden zeigten sich auch Eick überzeugt, dass Karmann in diesem Markt gut aufgestellt ist und ihn auch künftig von Osnabrück aus bedienen wird. "Wir kämpfen für den Standort Osnabrück", versicherte die Geschäftsführung.