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AW: 16V umbau in FAQ !?!

Verfasst: Di 6. Jan 2009, 11:43
von 87er scala
hier hab ich mir vor ein paar jahren hier ausm vorum geholt.
mfg philipp


Motorschaden - Der Umbau zum 16V

Anfang 2005, gerade erst angemeldet fuhr ich auf der A57 zur Arbeit als ein immer lauter werdendes Motorgeräusch das Ende des JH Motors ankündigte. Der ADAC schleppte mich ab, danach ergab eine Inspektion, dass der Motor (vermutlich) an einem Pleuellagerschaden gestorben war. Was es genau war werde ich wohl nie erfahren. Zeitgleich sah ich bei ebay einen 16V GTX mit KR Motor und erwarb diesen für günstige 500€. Von der Karosse her sah er gut aus, er gefiel mir auf Anhieb - war einfach schön. Und umso schwerer fiel es mir diesen Wagen zu "schlachten" aber die Anzahl Mängel war doch ganz erheblich, der gesamte Innenraum war völlig verdreckt und heruntergekommen.

16V Umbau eines Scirocco 53B
Ausgangsbasis: Scirocco 53B > Baujahr 1982, am Beispiel eines JH Bj. 91
Spenderfahrzeug: Scirocco 16V KR
Ungefähre Kosten: ca. 2000€
Vorwort
Es empfiehlt sich einen originalen Scirocco 16V KR als Spenderfahrzeug zu erwerben, weil er bereits alles hat, was für den Umbau benötigt wird. Der Einzelkauf der Teile ist wesentlich teurer und zeitaufwendiger.
Kenntnisse:
Allgemeine Schrauberkenntnisse, Handhabung von Werkzeug, Verständnis wie die Teile eines Motors zusammen wirken. Ich selbst habe bei Null angefangen, ohne überhaupt zu wissen was die einzelnen Teile bedeuten. Das Wissen kommt mit dem Arbeiten und vor allem mit dem Lesen! Immer wieder mal das Buch „Jetzt helfe ich mir selbst“ aufschlagen und nachlesen wie etwas funktioniert. Bis auf wenige Arbeiten kann man einen solchen Umbau allein machen.
Literatur:
„Jetzt helfe ich mir selbst“
Schaltpläne des Scirocco 16V
Was man noch braucht:
Einen VAG Händler für die hundert Ersatzteile und Schrauben, die im Laufe des Umbaus besorgt werden müssen. Es kommt einiges zusammen! Jede ausgebaute Dichtung muss erneuert werden, man findet Schrauben, die sich nicht mehr lösen lassen usw.
In das Zielfahrzeug übertragen werden müssen:
- Der Motor mit allen Anbauteilen und Aggregaten
- Die komplette Bremsanlage inklusive der Hinterachse
- Abgasanlage
- Motorkabelbaum und Steuergerätekabelbaum
- Servolenkung
Hatte das Zielfahrzeug im Originalzustand einen Katalysator, so muß auch der 16V Umbau mit einem Nachrüst-KAT versehen werden. Es ist in Deutschland nicht zulässig ein Fahrzeug auf einen schlechteren Abgaswert zurückzurüsten. Die Kosten für einen Nachrüst-Kat betragen etwa 300-500€. Erhältlich ist dieser bei der Fa. GAT-Eurokat oder bei Fa. Hartmann Motorsport. Da der Scirocco 16V KR keine Servolenkung hat ist in vielen Fällen die Nachrüstung erforderlich, die im einfachsten Falle mit dem Kauf eines neuen Riemenrades getan ist. Der KR Motor besitzt bereits die notwendigen Aufnahmen um die Servoaggregate eines JH aufzunehmen. Es empfiehlt sich beim Spenderfahrzeug vorher eine Kompressionsmessung zu machen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Die Kompression muss auf allen Zylindern zwischen 10-13 liegen!
Idealerweise stehen beide Fahrzeuge nebeneinander. Ich möchte nicht darauf eingehen, wie beim Zielfahrzeug der Motor auszubauen ist, sondern gehe davon aus, dass der Motorraum leer ist, die Kabelbäume aus der Zentralelektrik entfernt wurden. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt ihn neu zu lackieren, wenn man einen sauberen Motorraum haben will. Übrig bleiben nur: Servolenkung, Bremskraftverstärker, Gaszug, Kupplungszug.
Ausbau des 16V Motors
Organisiertes Vorgehen ist absolut wichtig, wenn man nicht vor tausend Schrauben sitzen will und nicht weiss wohin diese kamen. Zunächst werden alle Betriebsflüssigkeiten abgelassen: Öl, Kühlwasser und Bremsflüssigkeit. Beginnend mit der Ansaugbrücke werden nach und nach alle Kabel, Schläuche entfernt und beschriftet abgelegt, ggf. gereingt und instandgesetzt. Gaszug und Kupplungszug werden ausgehängt. Um den Kupplungszug auszuhängen kann ein Wagenhaber darunter gestellt werden mit dem man den Hebel hochdrückt. An die Kabel kann man sich Zettel kleben und ihre Position in einer Tabelle eintragen. Es ist durchaus möglich mit den Schaltplänen auch ohne diesen Schritt auszukommen aber einfach ist es auf erstere Art. Unbedingt merken sollte man sich die Farben der Kabel an den 3 Thermofühlern an der rechten Stirnseite des Motorblocks.
Wir bauen der Reihe nach aus:
Ansaugbrücke
Mengenteiler
Leerlaufventil, Schubabschaltung zusammenhängend mit allen Schläuchen
Leerlaufsteuergerät unter dem Armaturenbrett
Kühler + Schläuche
Lichtmaschine
Zündspule
Steuergerät im Wasserkasten und die TSZ
Kabelbäume
Anlasser
Zu den Kabelbäumen ist zu sagen, dass es zwei Stück gibt, die über ein einziges rot-schwarzes Kabel an der Zündspule an Klemme 15 verbunden sind. Dieses Kabel muss durchtrennt werden, es wird später wieder zusammen gefügt. Nach Abbau der Abdeckungen werden die Kabelbäume nach innen in den Fahrerraum gezogen und von der ZE getrennt. Man ist gut beraten sich an der ZE alle Kabelverbindungen zu markieren und Fotos zu machen! Nicht alles lässt sich aus dem Schaltplan erkennen. Zumindest sollten alle Stecker gezogen werden, anders lässt sich der Kabelbaum des 16V nicht ausbauen. Nach dem Ausbau beginnt man damit den Kabelbaum zu reinigen, reparieren und mit einem Durchgangsprüfer durchzumessen. Achtung: 2-3 Kabel laufen nicht von der Wurzel zu den Ästen sondern von einem Ast zu anderen. Nichts ist ärgerlicher als ein defekter Kabelbaum!
Das Lösen des Motor geschieht folgendermaßen:

(Das geht auch ohne Bühne und Grube, mindestens aber mit Auffahr-Rampen) Über dem Motorblock einen Balken auflegen und den Motor+Getriebe mit mindestens 4 Zurrgurten daran befestigen. Der Abgaskrümmer wird von unten her, unter dem Wagen liegend abgeschraubt, ebenso das Hosenrohr. Anschließend löst man die Achswellen (8er Innenvielzahn) und die hintere Getriebestütze, baut diese ab. Danach die vordere. Schließlich noch die Schrauben am Getriebe-Gummi-Metalllager und am Motorblock. Das ist leichter gesagt als getan, oftmals sind die Schrauben oder die Lager bombenfest bzw drehen sich mit. Entweder man flext den Motorträger durch oder sägt mit einem Sägeblatt die Schrauben durch. Vorher sollte man den Motor mit einem Rangierwagenheber unten anheben, um die Schrauben zu entlasten. Sind endlich alle Verbindungen gelöst wird der Motor mit Getriebe nach oben herausgehoben oder zuerst nach unten abgesenkt und dann schräg gehoben. Zum Heben eigenen sich Flaschenzüge und besonders Traktoren J Das Getriebe ragt bis unter die Karosse, daher kann er nicht waagerecht gehoben werden. Die Gummi-Motorlager werden später komplett erneuert, ebenso wie die Stehbolzen des Abgaskrümmers. Der Krümmer wird auf Risse untersucht und ggf. zum fachmännischen Schweissen mit Gusselektroden gebracht.
Thema "unlösbare Schrauben": Hier können helfen: Caramba, festes Hämmern, Aufmeisseln, Erhitzen bis Rotglut, Aufschweissen von neuen Muttern. Eine teure Grip-Zange und ein Muttermsprenger sind Gold wert! Abgerissene Schrauben am Zylinderkopf oder Block können diesen leicht unbrauchbar werden lassen! Beim Anziehen neuer Thermofühler darauf achten, dass die kleinen 10mm Sensoren fast sofort im Gewindegang abbrechen. Am besten die Sensoren drin lassen.


Der Motor wird mit einem Motorheber oder Flaschenzug gehoben. Das liest sich einfach als es ist, meist hakt und kantet er irgendwo. Steht der Motor sicher auf dem Boden baut man das Getriebe durch Lösen der Schrauben ab und zieht es mit einem Montierhebel herunter. Anschließend folgt das Schwungrad, dahinter die Andruckplatte und Kupplung und schließlich erneuert man noch den Simmering der Abtriebswelle. Der Ausbau ist recht einfach. Hier bewährt sich ein Schlagschrauber die 5 sehr festen Schrauben zu lösen, nachdem man das Schwungrad verkeilt hat. Auf einem Holzklotz abstützen geht auch.
Je nachdem ob man den Motor überholen möchte geht es nun ans Zerlegen des Aggregates, Abbau des Zylinderkopfes, Erneuern sämtlicher Dichtungen, Ausbau und Einschleifen der Ventile und Polieren der Schäfte. Auch die Pleuellager kann man erneuern, ebenso die Kolbendichtringe. Die Kosten sind allerdings nicht zu verachten! Ich selbst habe den Motor teilüberholt:
- Ventilschaftdichtungen
- Ansaugbrückendichtungen
- Drosselklappendichtung
- Ventile eingeschliffen
- Zylinderkopf geplant, gereinigt und poliert
- Zylinderkopfdichtung erneuert
- Pleuellagerschalen und Kolbenringe
- Dichtung zum Verteiler hin und am Steuerrad
- Neue Hydrostössel
- Neue Kupplung und Andruckplatte
Bei allen Motorinnereien kommt es auf sorgfältigste Arbeitsweise an und die Einhaltung der Anzugsmomente! So werden z.B. die Lagerschalen der Nockenwellen nur mit 15Nm angezogen, innen beginnend nach aussen. Weder die Lagerschalen noch die Ventile dürfen vertauscht werden, die Nocken müssen in exakt der gleichen Lage zueinander eingebaut werden, die Kette muss den gleichen Laufsinn haben. Sämtliche Anbauteile werden nun gereinigt und überholt. Dazu gehören auch die Kohlen der Lichtmaschine und des Anlassers, Anbau neuer Dichtungen, Einbau einer neuen Wasserpumpe.

Anbau der Servolenkung
Vor der Montage lassen sich einige Dinge bereits erledigen, wie der Anbau des Haltebügels unten, der Anbau einer geeigneten Lima-Halterung und das Aufsetzen eines neuen Doppelriemenrades von VW, welches künftig die Servopumpe antreibt. Die Servopumpe selbst kommt zum Schluss nachdem der Motor eingebaut wurde.
Der Einbau des Motors geschieht mit dem Getriebe zusammen, er wird leicht schräg eingesenkt und dann zunächst getriebeseitig mit einer Schraube fixiert. (Es ist Nervenarbeit diese Schraube fluchtend einzusetzen, so dass die verschiebbare Mutter getroffen wird) Dann kommt die andere Seite dran. Ein Kuhfuß und Gummihammer erleichtern die Arbeit den Motor auszurichten. Tip: Nach Möglichkeit sollten die Achsen schon beim Absenken eingesetzt werden, nachher gehts es nur noch durch Lösen der Achsaufhängung! Zuerst wird die hintere Getriebestütze von unten her montiert und ausgerichtet, dann die vordere. Erst dann, wenn der Motor spannungsfrei und gerade sitzt werden alle Schrauben fest angezogen. Bitte Anlasser nicht vergessen, er sitzt mit an der vorderen Stütze.


Zuerst kommen die Kabelbäume, dann alle weiteren Aggregate. Die Kabelbäume werden mit Hilfe der Schaltpläne "plug & play" an der ZE verdrahtet. Es muss nichts geändert werden außer dass das Benzinpumpenrelais Nr. 67 vom 16V übernommen werden muss. (Die gelb-grauen Kabel gehören übrigens zur Nebelbeleuchtung). Man sollte sich Zeit nehmen und wirklich verstehen was man da macht! Der Kupplungszug wird eingehangen und neu justiert, der Kühler kommt ganz zum Schluss, damit man Platz zum Arbeiten hat. Der 16V Kühler ist grösser, es muss ein neues Loch gebohrt werden, damit er passt.
Nach Einbau aller Aggregate noch einmal alles kontrollieren, ob jede Schraube fest ist, jede Schelle angezogen, jedes Kabel am richtigen Platz. Ich habe wirklich vergessen die Lima am Fuss festzuschrauben und zwei Warmwasserschlauchschellen vergessen) Nach der ersten Probefahrt später das gleiche Spielchen nochmal, da hatte sich bei mir der Anlasser gelöst.
Der Kat wird anstelle des Hosenrohrs angebaut und die 16V Auspuffanlage verlegt. Für den MSD muss man die Hinterachse leicht einseitig lösen und herablassen um ihn einzufädeln. Die Auspuffteile werden mit Originalschellen von VW verbunden, niemals die billigen "Todesschellen" aus dem Zubehör nehmen, diese zerquetschen das Rohr so, dass man es nicht mehr herausziehen kann! Der G-Kat wird nach Anleitung am Mengenteiler angeschlossen und das Steuergerät verdrahtet. Es ist an Klemme 1, an einem Thermofühler und an der Lamdasonde angeschlossen. Der Endtopf wird nicht passen, eine Aufhängung ist anders. Man kann es mit Lochband hinfuschen oder aber die Aufhängung neu einschweissen.


Läuft der Motor endlich nebenluftfrei und ohne Mucken (ein Kapitel für sich !!) geht es an die Hinterachse, denn der TÜV will hinten Scheibenbremsen sehen und auch den verstärkten Stabilisator des 16V.

Handbremsseil für 16v bremsen 16V: 533 609 721