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Re: Die Angst aller Autofahrer...
Verfasst: Mo 26. Dez 2005, 11:23
von §§Rocco
Hallo Sciroccofreak,
ich empfehle Dir, einen Rechtsanwalt einzuschalten, die Aussage des Zeugen schriftlich festzuhalten. Zeugen können ihre Einstellung ändern, bei einem Unfall wie diesem besteht die Gefahr, daß das Mitleid mit dem Jungen die Aussage beeinflußt (kann auch unbewußt geschehen).
Die A b w e h r von Ansprüchen des Jungen (Schmerzensgeld usw) ist Aufgabe Deiner Kfz- Haftpflichtversicherung. Auch wenn Du Dich völlig unschuldig an dem Unfall fühlst, solltest Du das Ereignis Deiner Versicherung melden.
Die rechtliche Problematik der Verschuldens- und Gefährdungshaftung kann im Rahmen eines kurzen Beitrags nicht dargestellt werden, es gibt dazu ausführliche Kommentare und unzählige Urteile, auch hier gilt "Es kommt darauf an..."
Gruß Harald
Re: Die Angst aller Autofahrer...
Verfasst: Mo 26. Dez 2005, 11:24
von 76er GTI
Puhh, zum Glück ist nichts schlimmeres passiert.
Du hast super reagiert und bist zum Glück mit Kopf gefahren.
Hoffe, dass Du den Vorfall gut verarbeiten kannst.
Gruss
Oli
Re: Die Angst aller Autofahrer...
Verfasst: Mo 26. Dez 2005, 11:34
von Vera
Ich hatte vor ca. 15 Jahren mal einen Jungen mit dem Motorrad unfreiwillig mitgenommen. Er kam mit dem Fahrrad volle Pulle rechts aus einer Hecke auf die Strasse geknallt. Ich hatte michtmal zeit, mich zu erschrecken.
Junge hatte Prellungen, ich lag 2 Wochen im KH, Motorrad total kaputt.
Fazit: Schmerzensgeld wurde mir gestrichen, weil ich ja eine Mitschuld hatte.
Ich äußere mich jetzt nicht dazu, wie ich das finde, aber das ist keien Halbwahrheit, das ist leider die ganze traurige Wahrheit. Wenn Du vor allem ein Kind anfährst, dann kann das vom Himmel gefallen sein: DU bekommst eine Mitschuld.
Gruß
Rolf
Re: Die Angst aller Autofahrer...
Verfasst: Mo 26. Dez 2005, 12:06
von Holger R.
Hallo,
nun Scirocco Freak, daß wichtigste nach diesem Unglücksfall ist die Tatsache, daß der Bub durch den Unfall nicht so schwer verletzt wurde. Ich bin selber schon viele Jahre Polizist und habe auch leider schon viele dieser Unfälle aufnehmen müssen. Also zu allererst solltest Du dir einen Anwalt nehmen.
Wie hier bereits mehrfach hingewiesen, ist im öffentlichen Verkehrsraum auf ältere Menschen, insbesondere Kinder besondere Rücksicht zu nehmen. In deinem Fall sprang das Kind wohl plötzlich vor dein Fahrzeug. Was sicherlich für dich spricht ist die Tatsache, das du nicht mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs warst (die Kollegen haben die Unfallstelle, insbesondere die Bremsspur vermessen, Lichtbilder gemacht). Es wird geprüft, ob der Unfall vermeidbar war. Dennoch wird gegen dich ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet werden. Diese Unfallanzeige wird dann mit deiner Äußerung zur Staatsanwaltschaft geleitet, die dann eine Entscheidung fällt. Natürlich sind hier auch noch andere Sachen zu beachten, z.B. ob die Eltern des Kindes gegen Dich Strafantrag bzgl. fahrlässiger Körperverletzung stellen usw. Doch damit kennen sich Rechtsanwälte bestens aus, denn diese Unfälle passieren leider mehrmals täglich in unserem Land.
Als kleinen Trost kann ich Dir vielleicht mitgeben, daß oftmals das Verfahren gegen eine Person wegen fahrlässiger Körperverletzung eingestellt wird. Dann geht der Vorgang zur Bußgeldstelle der Stadt oder des Landkreises, die dann ein Verwarn-/ oder Bußgeld festsetzen.
Für die Ansprüche des Jungen (evtl. Schmerzensgeld, Ersatzansprüche für die vermutlich beschädigte Bekleidung) mußt Du bzw. Deine Versicherung aufkommen. Daher mein Tipp an Dich
- nehme dir einen Rechtsanwalt
- Erkundige dich nach dem Wohlergehen des Jungen, sprich mit seinen Eltern über den Vorfall.
Ich wünsche Dir jedenfalls alles Gute.
Re: Die Angst aller Autofahrer...
Verfasst: Mo 26. Dez 2005, 12:08
von Arnold69
Hallo,
so was ähnliches ist mir auch mal passiert, ohne Unfall(!), ich fuhr mit meinem LKW (18t) durch eine Ortschaft, wennig Verkehr 50 waren erlaubt und ich hatte ca 40 drauf als aus einem Hauseingang ein Junge kamm (ca6-8 Jahre alt) mit ner Papiertüte in der Hand (kamm glaube ich aus ner Bäckerei) und so ein Trettroller und ging auf dem Bürgersteig in meine Richtung. Ich hatte ca. 1-1,5m abstand zu Bürgersteig und dachte mir noch er läuft gleich auf die Straße und war schon dabei auf die Bremse zu tretten als er auch schon auf die Straße sprang und in dem moment war ich auch schon auf der Bremse. Meine Bremsen fingen das brummen an (wie bei den meisten LKW´s mit Trommelbremsen) und in dem moment stand er auf dem wieder Bürgersteig. Er sah ziehmlich erschrocken aus, genauso wie ich es war. Möchte aber nicht wissen was pasirt währe wenn an dieser stell Autos geparkt gewesen währen oder ich im PKW unterwegs gewesen währe, da man im LKW doch etwas höher sitzt und dadurch mehr übersicht hat.
Re: Die Angst aller Autofahrer...
Verfasst: Mo 26. Dez 2005, 12:30
von Scirocco Freak
OK in dem Fall werd ich morgen mal zum Anwalt gehen.
@ Eugen, wir kennen uns ja, haben uns mal bei der Kartbahn in FN getroffen.
Ich bräuchte eigentlich nur ne Scheibe, Haube lass ich so, is eh nur der Winterrocco.
Danke für eure aufmunternden Worte. Mal schauen was dabei rauskommt.
Sascha
Re: Die Angst aller Autofahrer...
Verfasst: Mo 26. Dez 2005, 12:40
von GT2black
Ich würde definitiv zum Anwalt gehen, und zwar einer der sich auf Verkehrsrecht spezialisiert hat ! Keinen Anwalt, einen Freund der Familie, der nebenbei so etwas macht. Dafür sind solche Fälle zu heikel.
In Deutschland und nicht nur da gibt es leider zuviele Vorurteile und Schubladen in die man gesteckt wird. Fährst Du Scirocco oder BMW bist du ein "jugendlicher Rasier", ein Kind ist aber immer unantastbar, es kann ja nie etwas dafür (genau so daneben).
Ich finde den festgestellten Bremsweg ein sehr gutes Argument deiner Verteidigung. Wenn Deine Gegenseite auf unangepasste Fahrweise plädiert kann man sich genauso fragen wo denn die Sorgfaltspflicht der Eltern in dem Moment abgeblieben ist (aber nur dann). Dinge wie Tageszeit beim Unfall, Ort wie Spielstrasse ja/nein Alter des Kindes etc könnten da eine Rolle spielen.
Der Stress mit dem Prozeß den wirst Du auch überstehen, das geht vorbei. Besser als ein Leben lang sich Vorwürfe machen.
Auf jeden Fall geh bitte zu einem Anwalt für Verkehrsrecht !
gruß
Michael
Re: Die Angst aller Autofahrer...
Verfasst: Mo 26. Dez 2005, 13:38
von Manicboy
also erstmal Hut ab vor der guten Reaktion
aber wenn ich hier die Kommentare lese, muss ich wieder feststellen, dass Recht haben und Recht bekommen in diesem Staat zwei sehr verschiedene Dinge sind
in meinen Augen ist eine Klage wegen Fahrlässigkeit gegen den Autofahrer eine Unverschämtheit. Die sollte eigentlich gegen die Eltern gerichtet sein. Inkl. vernachlässigte Aufsichtspflicht. Ich weiß ja nicht, wie das auf Dörfern abgeht. Ich lebe von Geburt an in Berlin und hab von klein auf eingetrichtert bekommen, dass ich nicht auf die Strasse rennen darf. Meinereiner war auch in einem Kinderverkehrsclub. Kennen die Kids und Eltern von heute sowas nicht mehr.
Vor allem kommt dann immer die Diskussion über die bösen Autofahrer. Das die Statistik zeigt, dass genauso viele Kinder in den Autos ihrer Eltern verletzt/getötet werden interessiert niemanden. Ich hab schon oft genug nicht angeschnalte Kinder in Autos gesehen.
In meinen Augen sollten bei solchen Geschichten auch die Eltern zur Rechenschaft gezogen werden.
Dir jedenfalls viel Glück, falls da noch irgendwas auf dich zu kommt
Re: Die Angst aller Autofahrer...
Verfasst: Mo 26. Dez 2005, 14:11
von kogafreund
@ Manicboy
Du schriebst:
> in meinen Augen ist eine Klage wegen Fahrlässigkeit gegen den
> Autofahrer eine Unverschämtheit. Die sollte eigentlich gegen die Eltern gerichtet sein.
Nö. Die Rechtslage sieht anders aus:
Der Autofahrer haftet bereits aufgrund der erhöhten Betriebsgefahr, die er durch den Betrieb seines Fahrzeugs schafft. Auf ein Verschulden des Autofahrers kommt es gar nicht an. Man nennt das "Gefährdungshaftung". In diesem Land ist das nun mal so.
Gruß
koga
Re: Die Angst aller Autofahrer...
Verfasst: Mo 26. Dez 2005, 17:24
von doksis
Falls Du im ADAC bist, kannst Du Dich einmal kostenlos da beraten lassen, ich denke, das wäre auf jeden Fall sinnvoll.
Ansonsten tust mir furchtbar Leid, davor hab ich auch immer große Angst, und wenn ich mal wieder ein bisschen bin, dann denke ich daran, wie es wäre, wenn in dem Moment ein Kind auf die Straße läuft. Das sollten sich vielleicht auch mal alle Raser vor Augen halten.. ich könnte es jedenfalls nicht verantworten. Aber du kannst dir ja so gesehen keine Schuld geben, da Du ja angemessen gefahren bist
Beitrag bearbeitet (26.12.05 17:26)