wir ihr vielleicht wisst oder nicht wisst, bin ich ein ADAC-Plus Mitglied und stehe in der Regel dafür ein, dass der ADAC als eigentlich unabhängige Institution normalerweise als vertrauenswürdig eingestuft ist.
Das ist meine individuelle Ansicht, die jedoch vor kurzem einen kleinen Knacks bekommen hat.
Mit der letzten Motorwelt, die bei mir ins Haus geflogen kam, hat sich mein Bild des ADAC ein wenig gewandelt. So bewusst war es mir nie gewesen, dass der ADAC diesen Abwrackwahnsinn sogar unterstützt.
Davon war ich sehr verärgert und schickte daraufhin dem ADAC erstmal eine Beschwerdemail, in der ich auch die Argumente von "cxspark" in diesem Thread:
http://www.sciroccoforum.de/forum/showt ... p?t=306498
aufgriff und inhaltlich wiedergab, denn besser hat es bisher kaum jemand auf den Punkt gebracht. In diesem Punkt herzlichen Dank an cxspark, der mir mit seinem Brief an den Politiker eine gute Vorlage lieferte um auch den ADAC mit diesen Argumenten zu löchern.
Ich betone dabei, dass ich betont freundlich und diplomatisch an die Sache ranging und versuchte, denselben Ton zu treffen, den auch cxspark in seiner Mail benutzte.
Ich habe nun 2 Antwortmails zum Thema bekommen, die ich euch nicht vorenthalten will. Dabei ist die zweite Mail wesentlich interessanter als die erste.
Mail 1:
Sehr geehrter Herr xyzwieauchimmer,
vielen Dank für Ihre Reaktion auf den Beitrag "Milliardenpaket für die Mobilität".
Die Förderung für die Verschrottung von Altfahrzeugen ist nicht unumstritten, dennoch hat der ADAC die Vergünstigungen für die Stilllegung eines alten, weniger umweltfreundlichen Fahrzeugs, begrüßt. Denn die Umweltprämie bietet in Ergänzung zur reinen steuerlichen Freistellung neuer, moderner und damit umweltverträglicher Pkw zwei positive Aspekte:
- Ökologische Komponente: Mit dieser Maßnahme kann der Pkw-Bestand vor allem von älteren und damit aus Umweltgesichtspunkten schlechteren Fahrzeugen schneller befreit werden können. Damit werden Minderungen bei den Emissionen von schädlichen Luftschadstoffen erreicht.
- Ökonomische Komponente: Eine Förderung der dauerhaften Stilllegung alter Fahrzeuge verbunden mit dem Kauf eines saubereren Fahrzeugs erzeugt auch einen gewissen beschleunigenden Effekt bei der Erneuerung des Fahrzeugbestandes und fördert damit auch die Konjunktur in der Automobilbranche. Nicht aus den Augen verlieren sollte man, dass in Deutschland rund 750 000 Menschen in der Automobilindustrie - und nicht nur bei deutschen Herstellern - beschäftigt sind.
Die dritte Komponente der Förderung, nämlich die soziale, kommt allerdings bei den jetzt vorausgesetzten Rahmenbedingungen nur bedingt zum tragen. Denn die Auszahlung erfolgt nur beim Kauf von neuen, maximal einem Jahr alten und damit relativ teuren Pkw. Bei dem Vorschlag des ADAC wäre auch der Kauf gebrauchter Pkw gefördert worden, wenn die Emissionswerte der Schadstoffstufe Euro III eingehalten worden wären. Dann hätte die Förderung auch bei dem Personenkreis wirken können, der aus wirtschaftlichen Gründen den größten Anteil an alten Fahrzeugen besitzt und damit maßgeblich zur Verringerung des technisch veralteten Fahrzeugbestands beitragen könnte.
Wir merken uns Ihre kritische Stellungnahme gerne für das Leserforum der Motorwelt vor, so dass wir sie eventuell auszugsweise veröffentlichen können. Eine feste Zusage ist allerdings nicht möglich, da wir aus Platzgründen nicht alle Lesermeinungen berücksichtigen können. Zu Motorwelt-Artikeln erreichen uns immer zahlreiche Briefe und E-Mails - monatlich an die 2000 Stück. Doch uns steht immer nur eine Seite für Lesermeinungen zur Verfügung, so dass wir pro Monat maximal 10 bis 15 Zuschriften veröffentlichen können. Auch müssen wir thematisch eine Vorauswahl treffen und können daher noch nicht sagen, ob wir auch Leserzuschriften zu diesem Thema abdrucken werden. Seien Sie daher bitte nicht allzu enttäuscht, sollte es aus Platzmangel mit der Veröffentlichung doch nicht klappen. Den von Ihnen angesprochenen 4.Punkt Ihrer Mail, die Problematik der Young- und Oldtimer haben wir selbstverständlich zur Kenntnis und Stellungnahme an unsere zuständigen Fachkollegen aus der Abteilung Verkehrspolitik weitergeleitet.
Für Ihren Diskussionsbeitrag sowie für Ihr Interesse an unserer Arbeit und Zeitschrift danken wir herzlich.
Mit freundlichen Grüßen
Carolin Stolz
Leserservice ADACmotorwelt
Mail 2
Sehr geehrter Herr xyzwieauchimmer,
vielen Dank fuer Ihre E-Mail, die uns der Fachbereich Redaktion ADAC motorwelt, zur weiteren Beantwortung zugeleitet hat.
Gerne nehmen wir hierzu Stellung
Der Vorschlag einer Abwrackpraemie wurde von den Medien ins Spiel gebracht und wird, wie sich abzeichnet, von der Politik aufgegriffen. Im Gegensatz zu einer Kfz-Steuer-Ermaessigung, die vor allem die Kaeufer von Neuwagen betrifft, profitieren von der Abwrackpraemie die Halter alter Fahrzeuge, unter sozialen Gesichtspunkten ist dies begruessenswert. Anreize zum Austausch alter Pkw sind auch aus Umweltsicht vorteilhaft, denn die Schadstoffemissionen von Fahrzeugen mit weniger effizienten Abgasminderungstechniken sind deutlich hoeher als bei neueren Pkw. Wenn es gelingt, besonders stark emittierende Pkw mit nennenswerter Fahrleistung durch sauberere Pkw auszutauschen, kann dies zudem einen Beitrag leisten, weitere Umweltzonen oder die raeumlich Ausdehnung bestehender Zonen abzuwenden. Aufgrund dieser Argumente spricht sich der ADAC fuer eine Beschleunigung der Stilllegung alter Fahrzeuge durch eine Praemie aus.
Ihre Auffassung, diese Verschrottungspraemie sei schaedlich fuer die Szene, teilen wir nicht. Denn die Zielgruppe sind nicht die Besitzer alter und mit grossem Aufwand gepflegter Pkw, die ihre Fahrzeuge als erhaltenswerte Kulturgueter bewahren. Die Inanspruchnahme der Abwrackpraemie ist ein freiwilliger Akt und die Massnahme stellt keinerlei Einschraenkung fuer die Youngtimerfans dar, wie dies etwa bei einer Umweltzone der Fall ist. Die Praemie richtet sich vielmehr an die Besitzer alter - wie der Name schon sagt - 'schrottreifer' Pkw, die sich gerne ein neueres Fahrzeug fuer den alltaeglichen Gebrauch kaufen wuerden, dies aber aus finanziellen Gruenden zurueckstellen muessen. Im Falle der Einfuehrung einer 'Abwrackpraemie' muss aus Sicht des ADAC gewaehrleistet werden, dass dem Erhalt des 'Technischen Kulturguts Automobil' sinnvoll Rechnung getragen wird. Eine gesetzliche Regelung hat zu beruecksichtigen, dass gut erhaltene Fahrzeuge in gepflegtem Zustand nicht der 'Abwrackpraemie' zum Opfer fallen, denn sonst haben diese Fahrzeuge keine Chance jemals zu einem Youngtimer geschweige denn zu einem Oldtimer zu werden. Sie verweisen in Ihrer Mail auch auf die CO2-Emissionen bei der Herstellung von Pkw. Eine Auswertung verschiedener Life-Cycle-Analysen zu Energieaufwand und Kohlendioxidemissionen bei der Produktion von Pkw einschliesslich der Vorketten ergibt, dass die Herstellung eines Pkw mit Ottomotor etwa 4.6 Tonnen CO2 verursacht (Stand 2003). Der Durchschnittsverbrauch der Benzin-Pkw des Bestandes im Jahr 2006 liegt bei 8.5 l je 100 km, das sind rund 200 g/km CO2. In etwa 23 000 km, also etwa ein bis zwei Jahren, wird durch den Kraftstoffverbrauch so viel Kohlendioxid ausgestossen wie bei der Herstellung eines neuen Fahrzeugs. Ich habe Verstaendnis fuer Ihren Unmut, wenn die Verschrottung alter, gut erhaltener Pkw gefoerdert wird. Trotzdem hoffe ich, die Gruende fuer unsere Unterstuetzung der Forderungen nach einer Abwrackpraemie - wenn sie in einem vernuenftigen Modus eingefuehrt wird - sind fuer Sie nachvollziehbar.
Abschliessend duerfen wir Ihnen versichern, dass sich der ADAC auch in Zukunft konsequent fuer die berechtigten Interessen der Autofahrer und eine bezahlbare Mobilitaet einsetzen wird.
Mit freundlichen Gruessen
Ilona Griesshammer
Interessant in diesem Zusammenhang ist die hochrechnung der CO² Belastung bei Neuherstellung eines Fahrzeuges.
Dennoch bin ich etwas enttäuscht, dass vor allem in der ersten Mail kaum auf meine Mail eingegangen worden ist.